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Hardt Freizeitpark war Erwin Langenbachers Lebenswerk

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So kannte man Erwin Langenbacher: Als Fahrer des "Zügles" schenkte er mit seinem Freizeitpark zahllosen Menschen schöne Stunden. Foto: Privat

Hardt - Das hat so gut wie jeder Hardter schon einmal gemacht: Minigolf gespielt, ein Eis gekauft oder mit dem "Zügle" durch den Freizeitpark getuckert. Der kreative Kopf hinter dem Ganzen war Erwin Langenbacher. Er ist am Pfingstmontag im Alter von 83 Jahren verstorben.

Es waren dramatische Stunden, in denen die Ärzte im Schwarzwald-Baar-Klinikum nach einem Herzinfarkt mit Notoperationen um sein Leben kämpften – doch letztlich war alle Mühe vergebens.

Erwin Langenbacher hat mit seinem Freizeitpark die Gemeinde Hardt weit über deren Grenzen hinaus bekannt gemacht. Dabei war es anfangs nicht absehbar, dass er diesen einmal gründen sollte.

Geboren wurde er am 10. April 1936 im Kirnbach in Schramberg. Sein Vater Josef musste in den Krieg ziehen und fiel im Jahr 1944. Daraufhin zog die Mutter in den elterlichen, damaligen Piushof an der Pfarrer-Langenbacher-Straße. Erwin Langenbacher und sein Bruder Erich mussten die Mutter schon in frühen Jahren bei der Landwirtschaft unterstützen, was ihn stark prägte und weshalb er schon in jungen Jahren mitten im Leben stand.

Erwin Langenbacher begann eine Ausbildung als Elektriker, brach diese jedoch wieder ab, da er in der heimischen Landwirtschaft gebraucht wurde.

Das Glück der Liebe fand er mit seiner Frau Irmgard, die er bei einem Tanzkurs kennenlernte und am 17. Oktober 1959 heiratete. Aus der Ehe gingen die vier Söhne Josef, Klaus, Bernhard und Siegfried hervor. Außerdem nahm das Ehepaar Elisabeth Bermans­­eder als Pflegetochter auf.

Die Landwirtschaft rentierte sich im Laufe der Zeit immer weniger. In Erwin Langenbacher reifte ein Traum, den er im Jahr 1975 in die Tat umsetzte: Er beendete seine Tätigkeit als Landwirt und baute eine große Modelleisenbahn. Hinzu kam die Minigolfanlage – und fortan hatte Hardt einen Freizeitpark.

"Zügle" als Attraktion

Dieser passte hervorragend in die späte Wirtschaftswunderzeit, in der der Stellenwert der Freizeit wuchs. Wenig später kam die Hauptattraktion hinzu: Das "Zügle", das Erwin Langenbacher stets durch den Park tuckern ließ, und das bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebt war und ist.

Nach und nach wurde der Park unter anderem um Bahnenfußball, Riesenrad und Pitpat-Halle erweitert. Das kreative Meisterwerk war aber der Bau der zweiten, noch deutlich größeren Modelleisenbahn. Hier kam seine Liebe zur Schweiz zum Ausdruck, ließ sich Erwin Langenbacher doch von den dortigen Bahnen wie dem Bernina-Express inspirieren. Er war Eisenbahner durch und durch. An seinen wenigen freien Tagen ging er gerne für eine Kurzreise mit seiner Frau in die Schweiz, wo er mit den berühmten Zügen fuhr – unter anderem, um Motive für seine Modelleisenbahnen zu erhalten. Diese sind übrigens analog, dem Digitalen konnte er nichts abgewinnen. 2013 übergab er die Geschäftsleitung seinem Sohn Siegfried.

An die Zeiten der Landwirtschaft erinnert ein neun PS starker Bulldog der längst verschwundenen Marke Sülchgau, der im Park zu sehen ist. Dieser war laut Erwin Langenbacher der erste Traktor in Hardt und wurde ab dem Jahr 1952 eingesetzt. Viele wollten ihm das landwirtschaftliche Schätzchen abkaufen, aber da ließ er nicht mit sich reden.

Seine Frau starb im Jahr 2011. Der katholische Glauben war ihm immer sehr wichtig. So hat er auch 50 Jahre lang die Weihnachtskrippe in der Kirche aufgebaut. Zudem war er kurze Zeit Mesner und fast 50 Jahre bei der Feuerwehr. Außerdem unterstützte er den Handharmonikaclub und den Obst- und Gartenbauverein.

Warum er die ganzen Mühen für den Park auf sich genommen hat? "Ich möchte den Menschen eine Freude machen", sagte er einmal. Das hat er zweifellos tausendfach geschafft, wenn man sich die strahlenden Kinderaugen ansieht, die in den Sommermonaten im Freizeitpark zu sehen sind.

Erwin Langenbacher war ein leutseliger Mensch, dem das Wohl seiner Gäste am Herzen lag und der gerne einen "Schwätz" mit ihnen hielt. Selbst in den vergangenen Jahren, als er gesundheitlich mit seiner Zuckerkrankheit angeschlagen war, war er jeden Tag im Freizeitpark und dem Imbisstüble zu sehen, wo er bediente oder im Kassenhäuschen saß. Abends aß er dann noch sein "Gsälzbrot", bevor er sich von den Gästen mit den Worten "Ich gang jetzt ins Bett" verabschiedete.

Der Verlust wiegt für die Familie und sein Lebenswerk Freizeitpark schwer. "Es ist für uns so, als ob er nur auf einem Ausflug wäre", sagen seine Söhne. Nur wird Erwin Langenbacher dieses Mal nicht wieder zurückkehren.

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