Harald Rettenmaier ist seit Anfang 2024 Geschäftsführer der AOK in der Region. Foto: Birgit Heinig

„Menschen zu helfen, war mir schon immer ein Anliegen“, sagt Harald Rettenmaier. Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Mit seinen 520 Mitarbeitenden an zehn Standorten ist der 54-Jährige zuständig für rund 270.000 Versicherte – mehr als die Hälfte aller Bewohner der Landkreise Schwarzwald-Baar, Rottweil und Tuttlingen.

 

Sein Büro hat er in Villingen, von dort aus lenkt er die öffentlich-rechtliche Körperschaft. Die Abkürzung AOK steht für Allgemeine Ortskrankenkasse. Laut Lexikon sind Krankenkassen organisatorisch und finanziell unabhängig, unterstehen aber der Aufsicht von Bund oder Ländern.

Was sich etwas sperrig anhört, hielt den jungen Harald Rettenmaier nicht davon ab, sich damit beruflich zu beschäftigen. Gebürtig in Aalen, nahm er nach dem Abitur und dem damals noch verpflichtenden Grundwehrdienst, bei der AOK Ostwürttemberg die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten auf. „Ich wollte mit Menschen zu tun haben und fand Verwaltung spannend“, begründet er rückblickend seine Wahl.

Auch 33 junge Menschen trafen diese aktuell und werden bei der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg gerade ebenfalls zu „Sofas“ ausgebildet. Nach einem internen Studium zum AOK-Betriebswirt übernahm Rettenmaier 2000 seine erste Führungsposition in der baden-württembergischen Zentrale in Stuttgart.

Seit 2016 in Bad Dürrheim

Dort lernte er seine aus Unterbaldingen stammende Frau Tanja Bühler kennen, und 2016 zog das Paar mit zwei Kindern nach Bad Dürrheim. In der Kurstadt engagiert er sich seit Jahren im Vorstand des Turnerbundes, sie als Gemeinderätin. Im Urlaub verbringen die Rettenmaiers ihre gemeinsame Freizeit am liebsten auf Campingplätzen und deren Umgebungen.

Der Grund des Umzugs in die Heimat seiner „ehemaligen Kollegin“: Harald Rettenmaier hatte hier 2016 den Posten des stellvertretenden Geschäftsführers neben Klaus Hermann angenommen. Auf dem Weg zum Geschäftsführer, der er seit Anfang 2024 nun ist, sprang er 2023 am AOK-Standort in Waldshut schon einmal als Chef ein.

Prävention und Kompetenz

„Eine wertvolle Erfahrung“, wie er heute weiß. Denn die Herausforderungen an das gesamte Gesundheitswesen wachsen und dessen Finanzierung – aktuell nahezu täglicher Bestandteil der Nachrichten – gerät immer mehr unter Druck. Umso mehr setzen Harald Rettenmaier und sein Team bei den Versicherten sowohl auf Prävention als auch auf Gesundheitskompetenz. Ein Prinzip, nachdem er und seine Familie freilich selbst handeln.

Laufen und Radfahren

Von Klein auf sei er in Sportvereinen gewesen, erzählt er, und habe zu Hause in Aalen die Leichtathletik für sich entdeckt. Als Läufer brachte er es über 400 Meter Hürden bis zum baden-württembergischen Jugendmeister und zur Qualifikation für die Deutschen Juniorenmeisterschaften. Auch Marathons ist er gelaufen.

Inzwischen hat er die Laufschuhe gegen ein Rennrad getauscht. Sofern Zeit ist, macht er sich damit auf bis zu 120 Kilometer lange Ausfahrten. Auch die acht Kilometer zwischen Wohnhaus und Büro legt er häufig auf zwei Rädern zurück.

Die Grundlage für ein gesundheitsbewusstes Verhalten lege die AOK in Kooperationen mit Schulen zu Themen wie Bewegung, Ernährung und Medienkonsum schon für Kinder an, setze sich durch zahlreiche Projekte mit Vereinen dafür ein und biete ein großes Programm an Gesundheitskursen an – teilweise im eigenen Gesundheitszentrum in der Klinikstraße im Zentralbereich von VS, zählt Harald Rettenmaier auf.

Beim Firmenlauf dabei

Eine Auge gelegt werde dabei nicht nur auf die Versicherten, sondern auch auf die Mitarbeitenden. Zweimal jährlich beteiligt sich ein erfreulich großer Teil des Personals an sogenannten Firmenläufen und genießt dabei „nicht nur den Sport, sondern auch das gemeinsame Erlebnis“.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, die stetig steigenden Kosten einzudämmen? Bei der Frage kommt Harald Rettenmaier auf das sogenannte Hausarztprogramm zu sprechen. Hierbei wird der Hausarzt zum Lotsen im komplexen Gesundheitssystem, bei dem alle Fäden von den Fachärzten und aus den diversen Gesundheitsberufen zusammenlaufen.

Evaluationen aus 18 Jahren AOK-Erfahrung damit beweisen dessen Wirksamkeit: Facharztbesuche und Krankenhausaufenthalte werden weniger, Kranke besser und wirtschaftlicher versorgt. Zudem sinkt in den Praxen der bürokratische Aufwand.

„Das könnte die Blaupause für ein bundesweit anstehendes Primärarztsystem sein“, findet Harald Rettenmaier.