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Harald Krassnitzer "Ich freue mich aufs Altwerden"

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Stuttgart - Seit zwölf Jahren ermittelt Harald Krassnitzer als "Tatort"-Kommissar - und kommt damit beim Publikum gut an. Erfolg, so sagt er, ist für ihn dennoch ein Mysterium geblieben.

Herr Krassnitzer, was macht das Knie?

Alles im grünen Bereich. Ich hab' mir Anfang Juli bei einem Treppensturz eine Sehne gerissen. Ich dachte, die Kniescheibe ist auf den Oberschenkel gerutscht. Aber zwei Wochen nach der Operation hab' ich schon wieder gedreht.

Sie sind kein Freund des Schongangs.

Nein, gar nicht.

Am 10. September werden Sie 50. Ein Datum, an dem Sie innehalten?

Das Datum lässt mich kalt. Ich bin ja am nächsten Tag kein anderer Mensch.

Sie ziehen auch keine Bilanz?

Bilanz zieht man eine Viertelstunde bevor man komplett abgeht. Davor lebe ich lieber. Bei Menschen, die Bilanz ziehen, habe ich immer das Gefühl, dass sie etwas abschließen wollen. Ich aber will weitermachen. Bei mir ist alles ziemlich rund gelaufen. Ich vermisse nichts, habe nichts nachzuholen. Ich fühle mich wohl, zufrieden, glücklich.

Das Älterwerden bereitet keine Probleme?

Ehrlich gesagt freue ich mich tierisch aufs Altwerden. Ein spannender und notwendiger Prozess in der Menschwerdung. Ich verstehe nicht, warum sich viele Menschen immer nur übers Älterwerden beklagen. Ich fühle mich eher wie ein Oldtimer, bei dem man halt ab und zu Teile nachziehen oder austauschen muss. Und danach hat man wieder ein neues, ein gutes Fahrgefühl.

Sie wirken gefestigt. In Ihrer neuen "Tatort"- Folge "Glaube, Liebe, Tod" geht es um das Thema Sekten. Verstehen Sie, was Menschen für Heilsversprechen anfällig macht?

Phasen, in denen man etwas orientierungslos ist, in denen man sogar durchhängt, hat jeder. Ich bin das ganz klassisch angegangen, mit einer Analyse. Aber ich kann nachvollziehen, wenn Menschen, die sich verloren fühlen, die einen Lebensinhalt suchen, für Sekten und deren Versprechungen ein leichtes Opfer werden.

Glauben Sie, dass der vielzitierte Werteverfall Menschen orientierungslos macht?

Meiner Meinung nach besteht da schon ein Zusammenhang. Die traditionellen Eckpfeiler der Gesellschaft sind weggebrochen. Und für viele Menschen kommt immenser ökonomischer Druck hinzu: Sie rackern sich Monat für Monat ab, trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. Das ist frustrierend. Auf der anderen Seite will man dabei sein und das Gefühl haben, dass es einem gut geht. Das alles schafft Desorientierung und Desillusionierung.

Welche Ansätze gibt es, aus dieser Situation herauszukommen?

Ich glaube, da muss man auf jeden Fall die Frage nach der Umverteilung stellen. Es kann nicht sein, dass bestimmte Eliten immer reicher werden und viele im Mittelstand nur noch gerade so über die Runden kommen. Das kann nicht Ziel einer Gesellschaft sein. Außerdem bedarf es einer Regulierung der Finanzmärkte. Wieso darf man dort herumspielen, wie es einem gerade passt? Da stimmt doch was nicht. Wo bleibt die Verantwortung?

Vermissen Sie in unserer Gesellschaft Menschen, die Verantwortung übernehmen?

Keiner will mehr zu etwas stehen oder für etwas geradestehen. Das ist das schlimmste Übel unserer Gesellschaft.

Und was bedeutet Ihnen Familie?

Sie ist mir sehr wichtig. Sie ist der Ort, an dem man zwingend Verantwortung übernehmen muss. Leider zerfällt die Familie gerade. Nicht weil die Menschen das wollen, sondern weil die Umstände es provozieren. Strukturen funktionieren nicht mehr, deshalb funktioniert auch Familie oft nicht mehr. Dennoch hoffe ich auf ein Umdenken. Man hat immer eine Chance. Schon allein deshalb, weil wir in einem demokratischen System leben.

Sie vertrauen der Politik?

Ich würde eher sagen, dass die Politik immer nur so gut ist, wie man selbst Forderungen an sie stellt. Die Politiker sollten stets das Gefühl haben, dass sie unter einer gewissen Kontrolle des Wählers stehen. Und noch was: Wenn man sich Wahlen verweigert, braucht man sich nicht zu wundern, warum es immer bei den gleichen Mehrheitsverhältnissen bleibt. Ich glaube auch, dass der Zusammenschluss von Bürgergemeinschaften immer wichtiger wird.

In diese Richtung passiert ja schon einiges.

Genau, etwa im Energiebereich, wo sich Menschen zusammentun, um Windparks zu finanzieren und so ihre Stromversorgung zu sichern. Ich finde es eine hochspannende Entwicklung, wenn Menschen Dinge selbst in die Hand nehmen. Das zeigt, dass sie die Nase voll davon haben, abhängig zu sein.

Sie sind von Publikum und Erfolg abhängig.

Mit dem Erfolg ist es so eine Sache. Er erstaunt mich immer wieder. Ich hab' ja nichts von exorbitanter Bedeutung in die Welt gebracht. Klar freut es mich, dass mich offensichtlich viele Menschen mögen. Aber richtig nachvollziehen kann ich das nicht. Es gibt Wichtigeres auf dieser Welt als das, was ich mache.

Aber für Sie ist die Schauspielerei wichtig.

Sie ist für mich die Erfüllung. Zugleich will ich meinen Beruf nicht überbewerten.

Gehört zum Beruf, dass Sie auf der Straße angesprochen werden?

Je normaler man sich verhält, umso eher wird man nicht erkannt. Ich glaube, dass erst die sogenannte Tarnung aufmerksam macht. Ich laufe mit T-Shirt, Jeans und auch mal unrasiert herum. Da sagen die Leute: Nein, das kann er nicht sein.

Der Schlüssel zum Erfolg ist für Sie ein Mysterium. Können Sie Ihren Schlüssel zum Glück beschreiben?

Entscheidend ist für mich der Standpunkt, von dem aus man die Dinge betrachtet. Mein Unfall war schmerzhaft. Ich habe die zeitweilige Behinderung dennoch als Glück gesehen. Ich habe die Langsamkeit entdeckt. Und wenn Unterhosen anziehen plötzlich zum Abenteuer wird, dann wird man auch wieder etwas demütiger.

Der "Tatort - Glaube, Liebe, Tod" läuft am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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