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Hanna Plaß Feuerwehrfrau auf Abwegen

Von
  Foto: Leif Piechowski

Gunther Reinhardt

Kameras machen ihr irgendwie Angst. Behauptet sie zumindest. Immer wenn jemand – wie gerade eben – ein Objektiv auf sie richte, verkrampfe sie augenblicklich. Das leichte Unbehagen, das sie stets empfindet, wenn sie merkt, dass sie beobachtet wird, sieht man ihr allerdings nicht an. Zum Glück. Denn Hanna Plaß ist Schauspielerin. „Es fiel mir anfangs wirklich schwer, mich so auszustellen“, sagt sie, „doch es hat geholfen, dass ich Regisseure hatte, die sehr gut darin sind zu beschreiben, was sie sehen, wenn ich spiele.“

Einer dieser Regisseure war Armin Petras, der im Sommer 2013 vom Berliner Maxim-Gorki-Theater als Intendant nach Stuttgart zum Staatstheater wechseln wird. Nach Abschluss der Schauspielschule durfte Plaß in Petras’ Münchner Inszenierung von Ibsens „John Gabriel Borkman“ eine kleine Rolle spielen, und hinterher nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und sagte zu ihm: „Wenn du Lust und Platz hast, wäre es schön, wenn du mich mit nach Stuttgart nehmen würdest.“ So kommt es, dass Hanna Plaß bereits nach einer Bleibe in Stuttgart suchen kann und sich auf ihr erstes festes Engagement freut.

Schauspielerin war nie ihr Traumberuf

Jetzt ist sie mit dem Zug aus München erstmals in die Stadt gekommen, durch die sie bisher immer nur durchgefahren ist. Bevor sie noch ein bisschen über die Königstraße spaziert, verrät sie in einem Café am Schlossplatz, dass das Schauspielern eigentlich nie ihr Traumberuf war: „Früher wollte ich am liebsten Feuerwehrfrau werden“, sagt die 23-Jährige. Daraus wurde nichts. Glücklicherweise.

Obwohl sie heute, wenn man sie nach ihrem Beruf fragt, meistens sagt, sie sei Schauspielerin, ist sie sich manchmal nicht ganz sicher, ob sie vielleicht doch stattdessen Sängerin sagen sollte. Zwar hat sie in München die Schauspielschule besucht, an den Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel Rollen übernommen, bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel eine wunderschöne Julia gegeben und war in mehreren Fernsehfilmen zu sehen. Trotzdem sieht sie sich als Schauspielerin noch ganz am Anfang. Ihre musikalische Karriere hingegen hat sie schon mit 14 Jahren begonnen. Plaß, die zunächst in London und dann im Fichtelgebirge aufwuchs, sang als Teenager in Bands, arbeitete sich zunächst an einem seichten Repertoire ab, das von Abbas „Mamma Mia“ bis zur Bangles-Nummer „Eternal Flame“ reichte.

Eine Nische zwischen Kate Bush und James Blake

Musikalisch ist sie schnell erwachsen geworden. Unter dem Namen Ginger Redcliff hat sie, unterstützt vom Arrangeur Tom Bola, im Sommer das atmosphärisch aufgeladene Album „Note“ (ADP/Alive) veröffentlicht, bei dem sie sich irgendwo zwischen Kate Bush und James Blake ihre Nische sucht. Sie singt feinfühlig von Frankensteins Braut, von der Liebe, die einem Flügel verleiht, borgt sich Songs bei Roy Orbison („Paper Boy“) und I Heart Sharks („Neuzeit“), um sie sich mit erbarmungsloser Sanftheit einzuverleiben, um sie Teil ihres Repertoires werden zu lassen, das aus hochempfindlich-verdichteten Klavierballaden besteht, die mal orchestral, mal elektronisch veredelt werden, sich mal im Walzertakt drehen, mal auf der Stelle zu stehen scheinen. Als Ginger Redcliff – ein Künstlername, den sich ihre kleine Schwester schon vor vielen Jahren für sie ausgedacht hat – singt sie auf Englisch und einmal im Blues „Sunabgung“ sogar auf Friesisch. Deutsch kam für sie dagegen nie infrage: „Ein bisschen schüchtern mich all die Texte ein, die mich umgeben – ob es sich dabei um tolle deutschsprachige Popsongs handelt oder die Sprache der Stücke, in denen ich mitspiele.“

Als Sängerin versucht Hanna Plaß ganz sie selbst zu sein

Es sei gar nicht so einfach, die Schauspielerei und das Musikmachen unter einen Hut zu bekommen, sagt Plaß. Zum Musicalstar tauge sie nicht, weil sie nicht gut genug tanzen könne. Und nur Armin Petras hat ihr bisher ermöglicht, gleichzeitig Sängerin und Schauspielerin zu sein. „Bei ‚John Gabriel Borkman‘ war es das erste Mal, dass beides irgendwie sinnvoll zusammengegangen ist“, sagt sie. Kein Wunder also, dass sie von Petras schwärmt. „Er ist einer, der sehr schnell denkt. Er ist ein Workaholic und unglaublich schlau.“

Und während Hanna Plaß versucht, als Sängerin ganz sie selbst zu sein, und verspricht, dass ihre Unbekümmertheit nicht gespielt, sondern echt ist, liebt sie es als Schauspielerin, sich in Figuren zu vertiefen: „Ich mag es, lange an Rollen zu arbeiten, deren Profil zu schärfen.“ Und den Part der niedlich-naiven Liebenden Julia Capulet mag sie lange schon nicht mehr: „Ich will Theater, das etwas über das Hier und Jetzt aussagt, das von uns selbst erzählt – auch dann wenn das Stück eigentlich aus einer anderen Zeit stammt.“

Hanna Plaß tritt an diesem Mittwoch als Ginger Redcliff in Stuttgart im Galao (Tübinger Str. 90) auf; Beginn ist um 20 Uhr

 
 

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