Zwei mal zwei Meter groß ist dieser Brocken, der am Sonntag den Hang herunterrutschte. Foto: Szyltowski

Nachgefragt: Ein circa zehn Tonnen schwerer Felsbrocken liegt dort, wo vor Kurzem noch Mitarbeiter der Calwer Kliniken ihre PKW parkten. Was passiert mit dem Felsblock? Und kann der Hang weiter abrutschen?

So mancher Besucher der Calwer Klinik hat ihn vielleicht bereits entdeckt. Kaum übersehbar liegt ein zwei mal zwei Meter großer Felsen dort auf der Eduard-Conz-Straße, wo sich eigentlich Parkplätze befinden, darüber am Hang ist ein großes Erdloch erkennbar, wo sich der Brocken befand – zumindest bis zum vergangenen Sonntag um 1 Uhr nachts.

 

Um die zehn Tonnen Es muss einen enormen Lärm verursacht haben, der die Menschen in der Straße aus den Schlaf gerissen hat, als sich der Felsen und noch weitere Brocken aus dem Hang gelöst hatten und auf den Asphalt krachten. Der ungefähr vier Kubikmeter große Stein wiegt circa zehn Tonnen, wie es etwa die der Universität Greifswald an einem Findling berechnet. Der Calwer Brocken kommt damit auf das Gewicht von knapp drei voll beladenen Kleinlastern.

Auch aufgrund der Uhrzeit des Ereignisses wurde zum Glück niemand bei dem Felssturz verletzt. Ein parkendes Auto wurde jedoch beschädigt, wie die Polizei auf Nachfrage erklärt. Diese wurde als erstes von dem Vorfall unterrichtet. Da vor Ort nicht ausgeschlossen werden konnte, dass noch mehr Material vom Hang abrutschen konnte, alarmierten die Beamten vor Ort außerdem die Feuerwehr, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Pforzheim Frank Weber.

Nicht alle Einsatzfahrzeuge mussten anrücken

Kritischer Bereich Steffen Kuhn, Abteilungskommandant der Abteilung Stammheim und stellvertretender Calwer Feuerwehrkommandant, leitete den Einsatz und meldete der Leitstelle die dritte und höchste Hilfeleistungsstufe. Zunächst rückten 15 Einsatzkräfte mit Kommandowagen, Löschfahrzeug und Vorausrüstwagen an. Kuhn machte sich sogleich ein Bild und untersuchte zu Fuß im Schein eines Lichtmastes der Feuerwehr den Hang. Da der kritische Bereich sich lediglich über den Parkplätzen befand und der Hang oberhalb weniger steil verlief, kam der Einsatzleiter zu dem Schluss, dass nur ein kleiner Teil der Oberfläche von dem Hangrutsch betroffen sei und gab Entwarnung: „Die anderen Fahrzeuge, die schon auf dem Weg waren, habe ich dann gleich gestoppt“.

Unterhalb des Hangs, auf der Straße und den Parkplätzen befanden sich neben dem Felsblock weitere kleinere Brocken und Geröll, so Kuhn. Das beschädigte Fahrzeug, so konnte vor Ort festgestellt werden, war nicht vom Felsen zerquetscht, sondern lediglich von kleineren Felsteilen getroffen worden. „In Absprache mit der Polizei haben wir den PKW umparken lassen.“ Anschließen befreiten die Feuerwehrleute die Straße von den Brocken und reinigten die Straßenoberfläche. Außerdem rief Kuhn den Notdienst des städtischen Bauhofs, der die Abbruchstelle und die mögliche Gefahrenzone weiterer Rutschungen mit Bauzäunen absperrte.

Ursachen sind aktuell reine Spekulation

Gelände der Klinik Welche Maßnahmen nun getroffen werden müssten, damit der Hang abgesichert ist, fragt unsere Redaktion den Einsatzleiter. Der verweist auf den Eigentümer des Geländes – dem Klinikverbund Südwest, zu dem auch die Kliniken Calw in der Eduard-Conz-Straße gehören. Der betreffende Parkplatz mit drei Stellplätzen, der für Mitarbeiter reserviert sei, bleibe noch eine Weile abgesperrt, so Tiziana Schuster, Sprecherin des Klinikverbunds, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben einen Geologen zurate gezogen. Er hat die Stelle schon untersucht. Die Maßnahmen ergeben sich nach der Analyse des Hangs“, erklärt sie. Aktuell verfasse er einen Bericht, der in den kommenden Tagen fertiggestellt sein soll.

Unklar bleibt bis dahin, welche Ursachen den Hang in Bewegung gebracht hatten. Ob der starke Regen in den letzten Wochen dazu beigetragen habe, ist aktuell reine Spekulation. Zumindest, dass es zu keinen größeren Rutschungen mehr kommen sollte, sei bereits geklärt.

Betonplatten sollen den Hang provisorisch absichern

Betonplatten Dafür habe der Verbund den Hang inzwischen mit Betonplatten abgesichert (auf dem Bild nicht zu sehen). Wie die Rutschungsstelle in Zukunft befestigt werden müsse, könne erst später geklärt werden. Möglicherweise kommen auch hier ein Stahlnetz zum Einsatz? Ein solches wurde zuletzt nach einem Hangrutsch 2020 in der Waldstraße zwischen Hirsau und Althengstett angebracht.

Zwar sollen die Mitarbeiterparkplätze schnellstmöglich wieder nutzbar sein, doch “der Stein bleibt liegen, bis geklärt werden konnte, was mit dem Hang ist“, so Schuster abschließend.