Das graue Tier ist auf dem Handy-Video, das bei Langenschiltach entstand, deutlich zu erkennen – und es sieht nach einem Wolf aus. Doch stimmt das? Und was weiß man über das Tier?
Das Video ist nur ein paar Sekunden lang – und doch zeigt es das graue Tier deutlich. Auf Langenschiltacher Gemarkung – nahe der Grenzen zu Tennenbronn und Hornberg – überquert der Wolf die Hornberger Straße. Von unterhalb der Straße nähert es sich über eine Wiese, um dann die Hornberger Straße zu überqueren. Zwei Haken geschlagen – und schon verschwindet es wieder im Wald.
Das Video, das am Montagmorgen vergangene Woche entstand, liegt unserer Redaktion vor – und nicht nur der. Auch bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, welche mit dem Wolfmonitoring in Baden-Württemberg beauftragt ist, wurde die Sichtung samt Bewegtbild gemeldet. Das berichtet Felix Böcker, Leiter des Arbeitsbereichs Wolf und Luchs im Fachbereich Monitoring am FVA-Wildtierinstitut, auf Anfrage unserer Redaktion.
Und ja, er könne bestätigen, dass es sich bei dem Tier, das auf dem Video zu sehen ist, tatsächlich um einen Wolf handele. Aber: „Weitere Meldungen aus dem direkten Umkreis, die mit dem Video im Zusammenhang stehen könnten, sind uns keine bekannt“, erklärt Böcker auf Anfrage.
Alter, Geschlecht und Herkunft unbekannt
Viel ist nicht über den Wolf auf dem Video bekannt. Wie Böcker informiert, liegt die Stelle, an welcher das Video entstand, nicht innerhalb eines bekannten Wolfsterritoriums. Auch deshalb lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, um welchen Wolf es sich handeln könnte.
Zugeordnet werden kann der Wolf auf Grundlage des Videos nicht. „Es können keine Aussagen über Alter, Geschlecht oder Herkunft des Tieres auf dem Video getroffen werden“, erklärt Böcker.
Immer wieder Sichtungen
Fest steht: Seit im Juni 2015 der erste Wolf tot in Mahlberg im Ortenaukreis zwischen Freiburg und Offenburg aufgefunden wurde, ist das Tier hierzulande auf dem Vormarsch. Seit 2015 verzeichnete das baden-württembergische Umweltministerium insgesamt 783 gesicherte Wolfsnachweise, durchschnittlich also gut 6,5 pro Monat. Auch in der Region wurden immer wieder Wölfe gesichtet.
Mittlerweile ist zudem amtlich: Ein männlicher Wolf ist auf der Baar – im Territorium Ostbaar – sesshaft, wie das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft im Mai mitteilte. In derselben Mitteilung ist die Rede von aktuell vier sesshaften Wolfsrüden in Baden-Württemberg.
Vom Bereich rund um St. Georgen, Tennenbronn und Hornberg ist jedoch nichts Ähnliches bekannt. Böcker vermutet auf Anfrage unserer Redaktion eher, dass es sich um einen „wandernden Wolf“ handelt, „der in Baden-Württemberg bisher nicht näher bekannt ist“.
Wohl kein Zusammenhang mit Riss in Tennenbronn
Böcker geht auch davon aus, dass es sich bei dem Tier auf dem Video nicht um den Wolf handelt, der Anfang des vergangenen Jahres in Tennenbronn zwei Ziegen gerissen hat. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Wolf über so lange Zeit in einer Region aufhält, ohne dass man etwas von ihm mitbekommt“, erklärt Böcker auf Anfrage unserer Redaktion. „Wahrscheinlich ist, dass es sich bei dem aktuell gesichteten Tier um einen durchwandernden Wolf handelt, der sich auch heute bereits weit entfernt aufhalten könnte. Wo sich diese Tiere irgendwann niederlassen, lässt sich nicht prognostizieren.“