Die Polizei sucht einen Unbekannten, der ein gestohlenes Handy verkaufen wollte – an den Besitzer. Foto: dpa

Mobiltelefone sind bei Räubern und Taschendiebe eine begehrte Beute – bei der Polizei steigt die Zahl der Fälle. Nicht immer bleibt die Beute aber verschwunden. Mitunter klären sich die Fälle auf kuriose Weise.

Stuttgart - Mobiltelefone werden für ihre Besitzer manchmal ganz unfreiwillig mobil. Nämlich dann, wenn Taschendiebe oder gar Straßenräuber zugreifen oder das gute Stück irgendwo in Bus oder Bahn verloren wird. Meist verschwinden die Geräte auf Nimmerwiedersehen auf dem Schwarzmarkt – manchmal aber gibt es für die Opfer ein gutes Ende.

Wie bei einem 31-Jährigen am Montag in der Innenstadt. Wie die Polizei mitteilte, war dem Mann offenbar in der Mittagspause im Einkaufszentrum Gerber an der Sophienstraße sein HTC-Smartphone aus der Jackentasche abhanden gekommen. Wie genau, lässt sich nicht klären. „Fest steht, dass der Betroffene erst gegen 16 Uhr im Büro bemerkte, dass sein Handy weg war“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski.

Nach Feierabend kommt dann aber die ungewöhnliche Wende. Der 31-Jährige ist gegen 19.20 Uhr in der Tübinger Straße im Bereich der Paulinenbrücke unterwegs, als ihm ein Unbekannter entgegentritt. Der will erst mal Feuer, bietet dann ein Handy zum Verkauf an. Der Bestohlene glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Es ist seines! „Der Betroffene hat den Unbekannte gefragt, ob er sich das Handy anschauen dürfe, fragte dann nach, woher der Mann das Telefon denn habe und dass man das doch gemeinsam bei der Polizei klären könne“, schildert Tomaszewski. Der Unbekannte rannte daraufhin davon.

Polizei sucht Hinweise auf den Unbekannten

Der Täter, bei dem es sich um den Dieb, einen Hehler oder auch um einen unehrlichen Finder handeln könnte, ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, 1,85 Meter groß, hat schwarze Haare, die seitlich rasiert, hinten zu einem Dutt gebunden sind, einen Vollbart, trug eine schwarze Lederjacke, rote Schuhe, sprach Deutsch ohne Akzent. Hinweise an die Polizei über Telefon 07 11 / 89 90 - 31 00.

Der Diebstahl von Handys, die zu einer immer mehr begehrten Beute werden, hat nicht zum ersten Mal ein ungewöhnliches Ende gefunden. So wurden erst vor wenigen Tagen zwei 42 und 50 Jahre alte Männer in der Innenstadt festgenommen, die eine 18-Jährige erpresst hatten. Die junge Frau hatte ihr Handy im Linienbus liegen lassen, das von einem Zeugen beim Busfahrer abgegeben wurde. Das sahen die beiden Männer, und der Jüngere gab sich beim Fahrer als Eigentümer aus. Anschließend meldeten sie sich bei der 18-Jährigen und verlangten für die Rückgabe mehrere Hundert Euro. Bei der Geldübergabe schlug aber die Polizei zu.

Wenn der Dieb selbst Opfer von Räubern wird

Der ungewöhnlichste Fall aber spielte sich Ende Februar 2016 in der Innenstadt ab. Dort ließ ein 33-Jähriger in einer Gaststätte an der Königstraße das Mobiltelefon eines 23-Jährigen verschwinden. Wenig später aber wurde er im Bereich Hirschbuckel von fünf Straßenräubern überfallen. Der Betroffene scheute sich nicht, das bei der Polizei anzuzeigen. Die Beamten konnten die 19 bis 27 Jahre alten Täter tatsächlich dingfest machen und die Beute sicherstellen. Taschendieb und Räuber wurden angezeigt.

Dass die Polizei empfiehlt, die Ortungsfunktion in den Mobiltelefonen zu aktivieren, hat einen guten Grund. Nicht selten können die gestohlenen Geräte geortet werden. In einem dieser Fälle war einem 28-Jährigen das iPhone aus seinem Büro an der Keplerstraße in der Innenstadt gestohlen worden. Der Betroffene konnte über die digitale Wolke verfolgen, dass sich sein Teil im Bereich Pforzheim befand und Richtung Karlsruhe bewegte. Der 22-jährige Dieb konnte von der alarmierten Bundespolizei am Bahnhof Karlsruhe dingfest gemacht werden. Der Täter flog auf, als der Besitzer von fern ein Alarmsignal auslöste.

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