Von traditioneller Hausmannskost hat sich das Eingemachte von „Alb im Gläsle“ zur Feinkost gewandelt. Mit steigendem Absatz. Aber immer noch handwerklich hergestellt.
Vom Minijob zur Selbstständigkeit: Es ist eine Erfolgsgeschichte, die so eigentlich nie geplant war, aber bei der eins zum anderen führte. Inzwischen erfreut sich die Marke „Alb im Gläsle“ zunehmender Beliebtheit.
Hinter der regionalen Feinkost im Glas steckt Claudia Schairer. Sie hatte schlicht und ergreifend das Gefühl, dass sie nach der Geburt ihrer zweiten Tochter wieder „raus“ müsse, etwas tun müsse.
Also nahm die Zweifachmama im Dorfladen in Pfeffingen einen Minijob an. Mit der Zeit machte die Arbeit der jungen Frau so viel Spaß, dass sie das Geschäft weiterführen wollte, als die damalige Inhaberin aufhörte.
Gleichzeitig wurden die ehemaligen Schleckerräume im traditionsreichen Kronenladen, der bereits Mitte der 1980er-Jahre schließen musste, in der Pfeffinger Ortsmitte frei. So mietete Claudia Schairer diese an und verlagerte den Dorfladen dorthin.
Lebensmittel wegwerfen kam nicht infrage
„Ganz oft war abends noch etwas von der frischen Ware übrig“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Lebensmittel wegwerfen? Das kam für Claudia Schairer nicht infrage. Also kochte sie diese Reste für die eigene Familie ein. Ganz traditionell, wie es noch die Mütter und Großmütter mit der Ernte aus den eigenen Gärten getan haben.
Es wurde „eingeweckt“ und damit längere Zeit haltbar gemacht. Zwetschgen, Kirschen, Gurken oder Paprika häuften sich auf diese Weise im heimischen Vorratskeller. Zumal die Familie des Ehegatten große Erntemengen aus ihren eigenen Streuobstwiesen sammelte.
Weckgläser wichtig
„Das Jahr 2019 war so erntereich, dass ich Sauerkirschgsälz und Zwetschgenkompott unter der Marke Kronenladen in das Sortiment meines Lebensmittelladens aufnahm“, blickt die gelernte Zahnarzthelferin zurück. Mit Gastronomie und Einzelhandel hatte sie früher nichts zu tun, aber sehr wohl einen Faible fürs Einkochen. Im Unterschied zu Gläsern mit Schraubdeckeln gehen die typischen Weckgläser, wie sie Generationen von Frauen schon gekannt haben, auf, wenn der Inhalt nicht mehr gut ist.
Der Glasdeckel auf dem breiten Gummiring hält nur dicht, wenn das Eingekochte vollkommen frei von schädlichen Bakterien ist. Dass die Glasfirma, die zu Zeiten der Energiekrise Insolvenz anmelden musste, inzwischen aufgekauft wurde und weitergeführt wird, bildete letztlich auch die Geschäftsgrundlage für „Alb im Gläsle“.
Erste Gläser unter dem Label „Kronenladen“
Die ersten Gläser, noch unter dem Label „Kronenladen“, fanden bei der Kundschaft so großen Zuspruch, dass Claudia Schairer schließlich im Jahr 2020 die Genuss-Manufaktur „Alb im Gläsle“ gründete und sich das Markenzeichen schützen ließ. Welch Glück für die Gründerin, denn mit Ausbruch der Corona-Pandemie gab es plötzlich etliche Nachahmer, wie die Pfeffingerin erläutert.
Die meisten davon gibt es nicht mehr. Aber auch Claudia Schairer musste einige Rückschläge hinnehmen. Sie erinnert daran, dass nur drei Wochen, nachdem sie ihre Manufaktur gegründet hatte, der Ukraine-Krieg ausbrach. Mit all seinen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Kurz zuvor hatte Claudia Schairer noch das Kronengebäude erworben, in das sie bislang nur eingemietet war.
Denn die Küche und der Kühlraum waren bis dato im benachbarten Gebäude in den ehemaligen Räumen der Metzgerei Steinhart untergebracht. Dass es im Kronenladen schon einen Aufzugschacht gab und man nur einen neuen Fahrstuhl einbauen musste, war Grundvoraussetzung dafür, die Produktion und den Verkauf in einem Gebäude zusammenzuführen.
Denn schließlich haben Gläser ein entsprechendes Gewicht, das man nicht eben so über mehrere Stockwerke schleppt. Auf insgesamt vier Stockwerken und rund 1000 Quadratmetern Fläche finden sich nun Küche, Kühlräume, Büro, Materiallager, Produktlager und Verkauf.
Teils wilde Kreationen
Aus ehemals zwei Produkten ist das Angebot inzwischen auf rund 140 angewachsen. Dabei finden sich auch „wilde Kreationen“, wie sie sie lachend nennt: etwa Ananas-Kokos-Gsälz oder Erdbeer-Schoko-Gsälz. Drängt sich die Frage auf, weshalb exotische Früchte ihren Weg ins Glas finden, wo doch sonst nur heimisches Obst verarbeitet wird? Genau hier sind wir wieder bei den Anfängen, als vom Verkauf übriggebliebene Früchte haltbar gemacht wurden. Es herrscht Nachfrage für solche Kreationen und so wird eben auch mal etwas verarbeitet, das nicht auf der Alb wächst.
Auch das Design hat sich seit vergangenem Jahr verändert und die Zahl der Abnehmer wächst stetig an, weiß die Geschäftsfrau zu berichten. Das ehemals typische Hausfrauenprodukt wurde zur Feinkost und wird in Hofläden und Feinkostgeschäften vertrieben. Auch im Raum Stuttgart, Metzingen und Offenburg sind die eingeweckten Chutneys, Marmeladen, Soßen, Vespergurken, Pestos, Essige und Öle und dergleichen gefragt.
„Das hätte ich nie zu träumen gewagt“, bekennt Claudia Schairer, die ihren Erfolg noch immer nicht so richtig fassen kann. Auch der Lebensmitteleinzelhandel sei auf sie zugekommen, einen Onlineshop gibt es inzwischen auch. Die einzelnen Rezepte sind allesamt von der Chefin ersonnen, die noch eine weitere Angestellte und drei Aushilfen beschäftigt.
Chefin steht selbst von morgens bis abends in der Küche
Sie steht selbst von morgens bis abends in der Küche, schnippelt von Hand, rührt und kocht ein. „Es ist meine Leidenschaft“, und nur so lässt sich der enorme Aufwand wohl auch erklären. Inzwischen sind ihre Töchter 17 und fast 14 Jahre alt – und packen auch mit an, vor allem wenn das Weihnachtsgeschäft oder große Bestellungen anstehen.
„Man muss ganz allgemein um jeden Auftrag froh sein.“ An dieser Aussage merkt man, dass Schairer auf dem Boden geblieben ist. Vor allem im Laden – in dem es immer noch Lebensmittel des täglichen Bedarfs gibt – mache sich die schlechte wirtschaftliche Lage bemerkbar. Zwar sei laut Inhaberin die Kundenzahl von 50 bis 80 am Tag nicht zurückgegangen, aber der Einzelne kaufe weniger ein. Kein Wunder, bei den allgemein gestiegenen Preisen.
Im Jahr werden rund 25.000 Köstlichkeiten von „Alb im Gläsle“ verkauft. Eine wesentliche Steigerung strebt sie auch nicht an, denn alles soll noch im handwerklichen Rahmen bleiben. Sie selbst nennt ihre Favoriten aus dem Sortiment: Wildkräuterpesto, Bolognesesauce, Himbeeressig, süß-saures Gemüse und das Zwiebel-Chutney, das man im Sommer zum Grillen und im Winter fürs Raclette nutzen kann.