Paul Gerhard Alber aus Tailfingen ist neuer Vizepräsident der Handwerkskammer Reutlingen. Der selbstständige Unternehmer sieht dadurch auch Vorteile für den Zollernalbkreis und will außerdem dazu beitragen, junge Leute für das Handwerk zu gewinnen.
„Handwerk hat goldenen Boden“, heißt es. Dass dem längst nicht mehr so ist, ist allseits bekannt. Dorthin wieder ein stückweit zurückzukehren, die Bekanntheit vielerorts zu fördern und das Bewusstsein auf das Handwerk zu richten, ist ein Ziel und eine anspruchsvolle Aufgabe für Paul Gerhard Alber.
Ehrenamtlich, versteht sich. So ist der 56-jährige Tailfinger seit Jahrzehnten tätig, ob beim CVJM Tailfingen oder als Kirchengemeinderat. Er hat viel Freizeit für andere geopfert und werde das, vielleicht in noch größerem Maße, auch künftig tun müssen.
Ein Tailfinger Unternehmer als Vizepräsident der Handwerkskammer Reutlingen, das hört sich als große Aufgabe und zugleich Bestätigung seines bisherigen Engagements an. Alber Mechanik, vom Vater 1960 gegründet, in der Johannes-Conzelmann-Straße und Alber Schleiftechnik auf Lichtenbol sind die beiden Firmen, die Paul Gerhard Alber führt. Nicht als Chef am Schreibtisch – nein, an den CNC-Maschinen in der Werkstatt hat er als Maschinenbau-Mechaniker-Meister ebenfalls Aufgaben.
Sieg in der Kampfabstimmung
„Die Handwerkskammer ist eine Art Rathaus der Betriebe, dort ist die Verwaltung für deren Belange“, erklärt er. Für die lokalen Belange sei die Kreishandwerkerschaft zuständig. Kreishandwerksmeister ist Ernst Berger aus Meßstetten, Paul Gerhard Alber – seit 1997 Obermeister der Mechaniker-Innung – sein Stellvertreter. Bei der Handwerkskammer standen kürzlich Neuwahlen für fünf Jahre an. Alber ist dort seit 2019 Vorstandsmitglied. Um das Präsidentenamt bewarb sich der Freudenstädter Friseurmeister Alexander Wälde, bisher Vize, der auch gewählt wurde. Für dessen bisheriges Amt kandidierten zwei Personen: Paul Gerhard Alber setzte sich bei der Wahl der Vollversammlung gegen einen Reutlinger Mitbewerber durch.
Nicht das Ballungszentrum siegte, sondern der Zollernalbkreis, der ländliche Raum, Albers Heimat. Die Wahlen, die einem Generationswechsel gleichkamen, sieht der Tailfinger, auch als große Chance zur besseren strategischen Ausrichtung. Dafür stehe das neue Viererteam mit Hauptgeschäftsführerin Christiane Nowotny, alle im selben Alter.
Zu Paul Gerhard Albers Aufgaben als repräsentative Vertretung gehören Reisen zu Tagungen und Veranstaltungen wie Lossprechungsfeier oder Übergabe der Goldenen Meisterbriefe, zu Sitzungen bei der Kammer. Zu Beginn des neuen Jahres wird entschieden, in welchen Gremien er künftig Beisitzer sein wird.
„Direkter Draht für die Betriebe“
Gibt es in den Betrieben entsprechende Anliegen, ist der offizielle Schritt, bei der Kammer einen Beratungstermin zur Klärung einzuholen. „Diese Leute haben nun einen direkten Draht zu mir, deren Anliegen nehme ich mit nach Reutlingen“, so der neue Vize. Ihm ist wichtig, Wege zu finden, junge Leute zu erreichen, um sie für das Handwerk zu begeistern, zu gewinnen, betont Alber. Dazu gehören seiner Ansicht nach auch die Schulen, wo Alternativen zum Studium aufgezeigt werden sollten.
Das Handwerk bringe viele Vorteile, auch dass Ausbildungen bezahlt würden. „Manchen ist gar nicht bewusst, was das Handwerk alles kann, es gibt kein Ende, sondern immer eine Fortführung“, so Alber. Dem Gesellenbrief, dessen 2023 eingeführter digitaler Lehrvertrag sehr gut angenommen werde, folge der Meisterbrief.
Der ist der allgemeinen Hochschulreife gleichgestellt, was die Zulassung zu einem Studium ermöglicht. Duale Ausbildungen mit Studium seien auch in kleinen Handwerksbetrieben möglich, so Alber. Auch das Image des „Lehrling des Monats“ soll verbessert werden. Die Freizeit von Paul Gerhard Alber wird also künftig mit Sicherheit nicht mehr werden – zu wichtig ist ihm das Ehrenamt.
Handwierkskammer Reutlingen
Zum Kammerbezirk
der Handwerkskammer Reutlingen gehören die Kreise Freudenstadt, Tübingen, Reutlingen, Sigmaringen und Zollernalb, der an zweiter Stelle rangiert. Mit 3035 Betrieben und 17 605 Beschäftigten, die einen Umsatz von jährlich 2,6 Milliarden Euro erzielen.