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Handwerkskammer Vor allem Kleinbetriebe holen Hilfe

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Die Sommer-Vollversammlung der Handwerkskammer Reutlingen fand aufgrund der hygienerechtlichen Bestimmungen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der HAP-Grieshaber-Halle in Eningen statt. Foto: Madeja

Kreis Freudenstadt - Weniger Aufträge, weniger Ausbildungsverträge: Corona und die Folgen beschäftigten das Handwerk im Kammerbezirk in der Sommer-Vollversammlung.

Aufgrund der Verordnungen tagte die Handwerkskammer Reutlingen diesmal in der HAP-Grieshaber-Halle in Eningen, um den Abstandsregeln und hygienerechtlichen Bestimmungen Genüge zu tun – und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kammerpräsident Harald Herrmann startete nicht wie üblich mit einem konjunkturellen Rückblick ins vergangene Jahr, sondern mit dem Bericht über das zweite Quartal 2020 – dem Quartal, das die Stimmung und die Auswirkungen der Pandemie im Handwerk in seinen unterschiedlichen Facetten zeigte, heißt es in einer Pressemitteilung der Kammer. Messebauer, Friseure, Kosmetikstudios und Fotografen seien besonders betroffen, mussten sie ihre Betriebe doch überwiegend zwangsläufig schließen.

Corona-Hotline gefragt

Über alle Gewerke hinweg betrachtet, verzeichneten laut Konjunkturumfrage rund 40 Prozent einen Auftragsrückgang, in den Gesundheitshandwerken sogar 75 Prozent. Nur knapp die Hälfte der Betriebe sei im Durchschnitt mit der Geschäftslage im zweiten Quartal noch zufrieden gewesen. Lediglich das Bauhauptgewerbe verzeichne nach wie vor einen positiven Auftragssaldo. "Ob wir das Schlimmste der Pandemie bereits hinter uns haben oder ob doch noch eine zweite Welle mit entsprechenden Einschränkungen ansteht, kann niemand vorhersagen", so Herrmann.

Mehr als 3600 Betriebe hätten die Soforthilfe des Bundes und des Landes in Anspruch genommen. Herrmann bedankte sich bei den 40 Mitarbeitern, die über Wochen hinweg, auch an Wochenenden und Feiertagen, die Anträge bearbeitet und den Firmen an der telefonischen Corona-Hotline mit Tipps und Ratschlägen zur Seite gestanden hätten. Vom 26. März bis zum 31. Mai seien 6065 Anträge per E-Mail eingegangen. 4099 seien an die L-Bank weitergeleitet worden.

471 Anträge seien abgelehnt worden. Etwa 1400 Anträge seien wegen Fehlern an die Antragsteller zurückgewiesen oder von diesen selbst wieder zurückgenommen worden. Etwa 93 Prozent der Antragsteller seien Selbstständige und Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten.

Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert präsentierte anschließend die Abschlusszahlen der Lehrlingsverträge. Im Jahr 2019 seien im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen 1777 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrolle eingetragen worden. Gegenüber dem Vorjahr sei das ein Rückgang von mehr als elf Prozent.

"Die allerneuesten Zahlen vom 30. Juni sind auch nicht gerade rosig. An diesem Tag verzeichneten wir seit Jahresbeginn 862 neue Berufsausbildungsverhältnisse. Am Vorjahresstichtag waren es noch 1035", sagte Joachim Eisert. Das entspreche einem Rückgang von 16,7 Prozent. Die Kammer liege mit ihren Zahlen momentan im Bundesdurchschnitt.

Mehr Lehrstellen offen

Gleichzeitig seien zu diesem Zeitpunkt jedoch noch 773 freie Ausbildungsplätze in der Lehrstellenbörse gemeldet, berichtet Eisert weiter, im Vorjahr seien es nur 343 freie Ausbildungsplätze gewesen. Dies entspreche einem Zuwachs von 126,2 Prozent. "Wir hoffen daher, dass wir uns in den Neuabschlüssen noch spürbar steigern können."

Ein Grund für das aktuell geringe Interesse der jungen Menschen an einer Ausbildung im Handwerk könne sein, dass viele Berufsorientierungstage, Messen und Praktika durch die Corona-Krise weggefallen sind. Durch Maßnahmen wie Kinowerbung, Anzeigenschaltung, Azubicard und verstärkte Angebote in den sozialen Medien wolle die Handwerkskammer Jugendliche und Betriebe zusammenbringen.

Eisert streifte in seinem Bericht auch das Gesetz zur Novellierung der Handwerksordnung. Dieses ist am 14. Februar dieses Jahres in Kraft getreten und regelt die Wiederaufnahme von zwölf Gewerben in die Anlage A zur Handwerksordnung. "Bis zu diesem Zeitpunkt gingen bei uns in vermehrter Zahl Anträge von Personen ein, die noch mit einem bislang zulassungsfreien Handwerk, etwa dem Fliesen- oder Estrichleger, in die Handwerksrolle eingetragen werden wollten, um dann darauf basierend Bestandsschutz zu genießen. Diese Antragsteller mussten wir eintragen und durften das nicht ablehnen", so Eisert.

Anschlusszwang nervt

Beim geplanten Klimaschutzprogramm der Stadt Tübingen sieht Joachim Eisert die Interessen des Handwerks berührt. "Im Programm sind für sich genommen einige gute Positionen enthalten, die auch von uns unterstützt werden und sicher Aufträge für das lokal-regionale Handwerk zu generieren vermögen", so der Hauptgeschäftsführer. "Wogegen wir uns aber klar ausgesprochen haben, ist der vorgesehene Anschluss- und Benutzungszwang an das Wärmenetz der Stadt Tübingen und der Exklusivitätsstatus der Stadtwerke. Das örtliche Handwerk mit seinen ebenso guten Installationsangeboten findet keine Erwähnung."

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