Die Mehrzweckhalle in Orschweier – hier im Oktober 2024 – wird derzeit auf Vordermann gebracht. Jedoch wurden nun bei Bodenarbeiten Asbestfasern entdeckt, die die Arbeit der Handwerker erschweren und die Baukosten deutlich erhöhen werden. Foto: Terkowsky

Bei Bodenarbeiten in der Orschweierer Halle wurde eine böse Entdeckung gemacht. Die Entfernung des Krebserregers wirft den Zeitplan zurück und treibt die Kosten in die Höhe. Glück im Unglück: Die Stadt Mahlberg kann an anderer Stelle kräftig sparen.

„Es zieht in der Halle“, scherzte Justine Jörger vom Bauamt der Stadt Mahlberg, als sie am Montag dem Gemeinderat die Bilderreihe über den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten an der Halle Orschweier präsentierte. Darauf zu sehen: Die Oberlichtfenster sind entfernt, die erledigten Abrissarbeiten erwirken eine Rohbauatmosphäre und die Deckenkonstruktion liegt offen. Diese soll über die Osterferien dann komplett entfernt werden, so Jörger.

 

So weit, so gut – dann aber wurde ihr Vortrag weniger spaßig. Denn beim Abbruch habe es unschöne Überraschungen gegeben. Beim Entfernen der Bodenplatten und des Estrichs im Sanitärbereich wurde eine Sperrschicht aus Asbestfasern entdeckt. Die Folge: Die Fachfirma musste den Bereich mit einer Art Glocke versehen, in der Unterdruck herrschte und die nur in Sicherheitskleidung über eine Schleuse zugänglich war. Nicht nur diese aufwendige Arbeitsweise sondern auch die Entsorgung verursache zusätzliche Kosten, die den Preis für den Abbruch wohl um einen sechsstelligen Betrag erhöhen werde. Eine exakte Kostenanalyse liege noch nicht vor, so Jörger. Sicher sei jedoch: Zwei Wochen habe die Entfernung des Asbestmaterials die Arbeiten im Zeitplan zurückgeworfen.

Stadt kann beim Rohbau rund 600 000 Euro sparen

„Schluss mit den schlechten Nachrichten“, sagte Jörger anschließend und leitete zu sieben weiteren Gewerken der Halle über, die der Gemeinderat am Montag zu vergeben hatte. Im Haushaltsplan waren dafür drei Millionen Euro eingeplant. Doch die Submission brachte überraschende Ergebnisse hervor – zur Freude der Stadt. Die Angebote für die Rohbau-, Elektro-, Blitzschutz-, Gebäudeautomation-, Heizung-, Lüftung- und Sanitärarbeiten lagen rund eine Millionen Euro unter den ursprünglichen Kalkulationen des Planungsbüros Schlager Architekten. Die gravierendste Differenz zwischen Kalkulation und Ausschreibungsergebnis gab es bei den Rohbauarbeiten. Dort war das Planungsbüro im Spätjahr 2023 noch von Kosten in Höhe von knapp 800 000 Euro ausgegangen. Den Auftrag vergab das Gremium am Montag für rund 212 000 Euro.

Bürgermeister Benz möchte Planungsbüro kontaktieren

„Dass die Planer in ihrer Kalkulation so daneben liegen, kann ich nicht nachvollziehen“, kommentierte Thomas Schwarz (FW) die Ausführungen von Jörger. Sein Kommentar hatte nicht nur eine positive Seite, denn im nächsten Atemzug erinnerte er daran, dass sich das Honorar der Planer an der Kostenkalkulation orientiere. Das wollte auch Bürgermeister Dietmar Benz nicht so einfach hinnehmen und versprach, das Planungsbüro diesbezüglich zu kontaktieren.

Überraschend sei für ihn indes nicht nur das Submissionsergebnis gewesen. Als erstaunlich wertete er zudem, dass die Angebote trotz der Höhe der Summen vielfach nur um wenige Hundert Euro auseinander lagen. „Es wurde knapp kalkuliert, um den Großauftrag zu bekommen. Offenbar sind die Auftragsbücher im Moment nicht voll“, konstatierte der Bürgermeister.

Genau darin könne auch ein Grund für die Differenzen von Kalkulation und Angebot liegen, denn die Kostenschätzung erfolgte vor eineinhalb Jahren. Damals sei die Auftragslage in der Baubranche noch anders gewesen, mutmaßte Benz.

Die Hallensanierung in Zahlen

Diese Gewerke wurden für die folgenden Kosten vergeben: Die Firma Kern Mahlberg übernimmt den Rohbau für 211 407 Euro (Kostenschätzung 2023: 796 750 Euro); Elektro Junker Schutterwald übernimmt für 499 600 Euro die Elektroarbeiten (498 000 Euro); die Lösch GmbH Offenburg sorgt für 26 340 Euro für den Blitzschutz (24 400 Euro); Firma Sauter Freiburg macht die Gebäudeautomation für 168 640 Euro (215.560 Euro); die Heizung wird von der Firma Volz Achern für 344 500 Euro installiert (445.970 Euro); für die Lüftung ist die Firma Zepp Offenburg für 492 900 Euro zuständig (623.650 Euro) und alles rund um Sanitär macht die Firma Burg Offenburg für 212 000 Euro (212 725 Euro).