Die beleuchtete Rückwand der Heimat-Vitrine aus Schindeln ist die optische Raffinesse des Gesellenstücks von Anna Asal. Foto: : Schreiner Baden

Eines der besten Gesellenstücke aus dem südbadischen Schreiner-Handwerk kommt aus Schopfheim. Anna Asal hat viel Zeit in ihre preisgekrönte „Vitrine mit Heimatgefühl“ investiert.

In würdiger Atmosphäre stellte der Verband „Schreiner Baden“ im Gestaltungswettbewerb „Die gute Form“ in Freiburg die schönsten Möbelstücke vor.

 

Anna Asal wurde im Gemeinschaftsunternehmen Ackermann, Philipp, Vesenmeier ausgebildet. Der topmoderne Handwerksbetrieb errichtete seine neue Niederlassung im Gewerbegebiet an der Hohe-Flum-Straße. Hier fand die 20-Jährige, die bei Firmenchef Stefan Ackermann in die Lehre ging beste Voraussetzungen. „Meine Idee war ein Vitrinenschrank aus Weißtanne“, berichtet Anna Asal. Schon vor bald einem Jahr fand das erste von sieben Treffen mit Schreiner Baden in Freiburg statt, bis feststand, mit welchem Gesellenstück sich die Wiesentälerin im Wettbewerb beteiligte.

Hunderte von Stunden für die Planung

Hunderte Stunden seien an Planungen und Zeichnungen aufgewendet worden. Regelmäßige Treffen folgten mit dem Ausbildungschef, um durchzusprechen, „was machbar ist“.

Am Ende entwickelte Asal ihr Projekt weiter und entschied sich für eine Vitrinenrückwand aus Schindeln, um die regionale Verbundenheit auszudrücken. Die Schindeln selbst habe sie von einem Profi aus dem Kleinen Wiesental bezogen, räumt die Handwerkerin ein. Der Rest sei Eigenwerk, entstanden in 80 Stunden Arbeit im Ausbildungsbetrieb.

Angesprochen auf die verwendeten Werkzeuge, spricht Asal den kolossalen Wandel im Schreinerhandwerk an. Heute werde größtenteils mit sehr hochwertigen Maschinen gearbeitet, häufig auch CNC-gesteuert. „CNC haben letztlich alle Gesellen bei Schreiner Baden für ihre Möbelstücke verwendet“, erklärt die junge Preisträgerin.

Kreissäge, Tischfräse und Breitbandschleifmaschine seien heute die Werkzeuge. Den guten, alten Stechbeitel nutze sie allenfalls noch für Schubladen.

„Das klassische Berufsbild im Schreinerhandwerk ist überholt“, setzt Asal fort. „Reine Handarbeit gibt es kaum noch.“ Heute kämen meist furnierte Spanplatten beim Möbelbau zum Einsatz, Massivholz sei „eher selten“.

Der Einzug industrieller Fertigung im Schreinerhandwerk hat Anna Asal nicht abgeschreckt. Für sie war nach dem Abitur klar: „Zwölf Jahre Schule reichen. Studium ist keine Option für mich.“

Erwähnt werden muss, dass die Gesellin durch das Elternhaus vorbelastet ist. „Mein Vater ist gelernter Schreinermeister und gibt an der Schopfheimer Gewerbeschule den Werkstattunterricht.“ Sie habe schon während ihrer Schulzeit Werkzeuge in der Hand gehabt, immer mal mitgeholfen und auch kleine Werkstücke selbst gefertigt. Durch ihr Vorwissen habe sie die Lehrzeit von drei auf nur zwei Jahre verkürzen können.

Großer Aufwand hat sich definitiv gelohnt

Hat sich der ganze Aufwand für den Wettbewerb „Die gute Form“ gelohnt? „Definitiv“, antwortet Anna Asal spontan.

Dass sie mit ihrem heimatlichen Vitrinenschrank den dritten Preis unter allen südbadischen Gesellen holte, überraschte die junge Dame, denn die Konkurrenz sei in diesem Jahr groß gewesen. Ein kleiner Geldpreis der Volksbank sowie Sachpreise von Sponsoren wurden im Rahmen einer Feierstunde übergeben. Befragt, ob sie das Gesellenstück verkaufen wolle, verneint sie. Es bleibe an Anschauungsstück daheim: „Da steckt viel Herzblut drin.“