Mit Goldmedaille auf dem Siegertreppchen: Florian Dorer (Mitte) belegt bei den Meisterschaften in Erfurt den ersten Platz und ist nun Deutscher Meister im Zimmererhandwerk. Foto: Holzbau Baden e.V.

Es war ein spannender Wettkampf, nun hat er es tatsächlich geschafft: Florian Dorer ist Deutschlands bester Zimmerer. In seinem Arbeitsbetrieb bei Holzbau Faller in Furtwangen-Neukirch ist man nun unglaublich stolz auf den erfolgreichen Nachwuchs.

Florian Dorer hat für das, wofür er brennt, vor drei Jahren vorzeitig die Schule verlassen. Nun scheint sich der Verzicht aufs Abitur zugunsten des Zimmererhandwerks gelohnt zu haben: Nachdem er zunächst Kammersieger wurde, konnte er auch den Titel als Landessieger einheimsen und nun – als absolute Krönung – die Deutsche Meisterschaft mit der Goldmedaille für sich gewinnen.

 

Für die 72. Deutschen Meisterschaften in den Bauberufen durfte der 19-Jährige nach Erfurt reisen, um gegen seine bundesweite Konkurrenz anzutreten. Der Wettbewerb, bei dem jedes Jahr deutschlandweit die talentiertesten Nachwuchshandwerker ermittelt werden, ging am Montagabend mit einer feierlichen Siegerehrung zu Ende. Hinter Dorer gewann Bendix Henningsen aus Scheggerott in Schleswig-Holstein die Silbermedaille. Bronze ging an Jannik Emanuel Luger aus Ansbach in Bayern.

Harter Konkurrenzkampf Die Wettbewerbsaufgabe setzte sich aus drei Modulen zusammen. In 22 Stunden musste – wie bereits beim Kammer- und Landeswettbewerb – ein komplexes Gebilde aus Holz erschaffen werden. Dieses Mal: ein Kehlpultdach mit Walm, geneigtem First und zwei Dreiecksgauben, das millimetergenau gefertigt werden musste. Insgesamt mussten dafür 26 Hölzer angerissen, bearbeitet und verbaut werden. Die maßgenaue Ausarbeitung unter Zeitdruck war für die Teilnehmer besonders herausfordernd.

„Es waren auf jeden Fall drei Tage Stress pur, es war sehr anspruchsvoll“, berichtet Dorer. Doch gut gelaufen sei es von Tag eins an – und dann am Schluss auch noch richtig spannend geworden. „Ich war nur 0,7 Punkte besser als der Zweitplatzierte, aber es hat gereicht“, erzählt der 19-Jährige. Die Freude bei der Siegerehrung sei groß gewesen: „Als ich aufgerufen wurde, konnte ich mein Glück kaum fassen. Es war ein harter Konkurrenzkampf und ich freue mich riesig, dass ich den für mich entscheiden konnte.“

Foto: Petra Reidel

Der junge Zimmerer schloss seine Ausbildung in diesem Jahr bei der Firma Holzbau Faller in Furtwangen-Neukirch ab, die überbetriebliche praktische Ausbildung absolvierte er im Bildungszentrum Bau Donaueschingen. In den Bildungszentren Biberach und Donaueschingen bereitete er sich auf die Deutschen Meisterschaften vor. „Wir sind stolz darauf, dass einer unserer Auszubildenden diesen absoluten Spitzenerfolg bei den Berufswettbewerben erzielt hat. Dies ist eine Bestätigung der Ausbildungsleistung unseres Zentrums und der Bildungsakademie der Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Wir wünschen Florian Dorer für seinen weiteren Berufsweg alles Gute“, teilt Michael Kling, Leiter des Bildungszentrums Bau Donaueschingen, mit.

Viele Gratulanten Und noch weitere Gratulanten reihen sich ein: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Deutschen Meisterschaften im Bauhandwerk haben Spitzenleistungen erbracht. Sie zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass mit der Ausbildung am Bau der Grundstein für eine erfolgreiche Branchenkarriere gelegt ist“, betont Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), anlässlich des Wettbewerbs in einer Mitteilung. Dorer ist nun Teil des deutschen Nationalteams der Zimmerer. Bereits im Dezember startet das erste gemeinsame Trainingslager. In den Trainingslagern wird sich herausstellen, wer an der Europameisterschaft 2024 in Paris teilnehmen darf.

Tüpfelchen auf dem I Auch der Arbeitgeber ist mächtig stolz angesichts des großes Erfolges. „Wir haben Florian fest die Daumen gedrückt. Dass Florian als Deutscher Sieger nach Hause kommt, ist wirklich das Tüpfelchen auf dem I“, sagt Dorers Ausbilder Christoph Faller von Holzbau Faller. Die Zimmerei liege im beschaulichen Neukirch, das über 1000 Einwohner verfüge. „Umso stolzer sind wir, dass wir nun in unserem kleinen Ort einen Deutschen Meister im Zimmererhandwerk haben.“

Nicht nur Handwerksbetriebe seien händeringend auf der Suche nach jungen Leuten, die Lust auf eine Ausbildung hätten, erklärt Faller weiter und betont: „Der Stellenwert der Ausbildung gewinnt immer mehr an Bedeutung und Florian ist ein super Beispiel dafür, dass man auch mit einer Ausbildung sehr weit kommen und etwas Großartiges erreichen kann.“ Er findet: Es muss nicht immer ein Studium sein.

„Florian Dorer hat sich bewusst nach dem 10. Schuljahr auf dem Gymnasium für eine Ausbildung als Zimmerer entschieden. So ist er seinen eigenen Weg gegangen und wir freuen uns, dass wir ihn auf seinem Weg zum Gesellen, Innungs-, Kammer- und Landessieger und nun sogar zum Deutschen Meister begleiten durften“, äußert sich Faller mit Nachdruck.

Glück und Stolz

Und was sagt der frische Goldgewinner selbst zu seinem Sieg? „So richtig glauben kann ich es immer noch nicht, es kommt mir so vor, als wenn es eigentlich nicht sein kann – aber es ist schön“, beschreibt der Dorer seinen Gefühlszustand. „Ganz aus dem Häuschen“ seien auch Freunde und Familie in Neukirch. „Ich glaube, die waren nervöser als ich“, sagt der 19-Jährige schmunzelnd und berichtet: „Mama konnte nicht mehr schlafen, nichts mehr essen, daheim waren alle nur noch gespannt, haben gewartet und verfolgt, wie es läuft.“

Ein kleines Fest mit Familie und seinem Arbeitsbetrieb gab es bereits am Dienstag, doch ein größeres soll noch folgen. Dann kann sich der Champion, darauf freut er sich schon, so richtig feiern lassen.