Der letzte seines Standes? Ein Exot? Tatsächlich ist der Burladinger Valentin Schoser bundesrepublikweit einer von wenigen, die das Handwerk der Seilerei noch erlernen. Foto: IHK Reutlingen

Bei der Seilerei, die der 20-Jährige Valentin Schoser im Familienbetrieb erlernt, handelt es sich um einen kleinen Berufszweig – aber um einen mit großer Bedeutung.

Aufgrund seiner Leistungen hat die Handwerkskammer Reutlingen Valentin Schoser als „Auszubildender des Monats“ ausgezeichnet.

 

Architektur hätte er sich vorstellen können. Aber wirklich studieren wollte der Burladinger nicht, also entschied er sich nach dem Abitur für eine Lehre zum Seiler im elterlichen Betrieb.

Was den Beruf ausmacht, erlebt er praktisch von Kindesbeinen an. Schon früh half er mit und fand Gefallen daran. „Seiler ist ein Handwerk, das kaum noch jemand ausübt“, sagt Schoser. So zähle seine Ausbildungsklasse an der Textilberufsschule in Münchberg/Franken sieben Schüler, die aus dem gesamten Bundesgebiet stammen.

Es geht um Sicherheit

Exotischer geht es kaum, könnte man meinen. Doch tatsächlich sind Seiler auch in der heutigen Zeit sehr präsent. Als Experten für Befestigungs- und Sicherheitstechnik arbeiten sie mit Fasern, Drahtseilen, Ketten und Gurten und setzen Kundenwünsche entsprechend der jeweiligen technischen Normen in nahezu allen Stärken und Formaten um. Es geht um sicheres Arbeiten in der Produktion, auf der Baustelle, im Freileitungsbau oder um sichere Transporte.

„Die Aufgaben sind oft sehr anspruchsvoll. Man ist sich bewusst, dass von der Qualität des Endprodukts letztlich Menschenleben abhängen können“, erklärt Schoser.

Im Betrieb übernimmt der Auszubildende zahlreiche Aufgaben. Er fertigt Faser- und Stahlseile nach individuellen Wünschen oder stellt verschiedene „Anschlagmittel“ her, das sind die Elemente, die zwischen Kranhaken und Last verwendet werden.

Hinzu kommen die nach den Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Prüfungen. Dieser Bereich sei in den letzten Jahren stark gewachsen, so der Lehrling.

Zahlreiche Aufgaben

Besonders gerne übernimmt er das Spleißen. Dabei werden einzelne Stränge von Stahl- oder Faserseilen bruchfest und dauerhaft verflochten. Es entstehen hochreißfeste Schlaufen oder Seilringe, die beispielsweise bei Bergbahnen eingesetzt werden.

Weniger Gefallen findet Schoser an Serienseilen. Diese Arbeiten seien auf Dauer etwas monoton. Rainer Schoser, Vater, Firmenchef und Ausbilder, ist diese handwerkliche Orientierung wichtig. „Valentin arbeitet mit einem Auge fürs Detail“, lobt er.

Fast volle Punktzahl bei Zwischenzeugnis

Neben den guten fachlichen Leistungen – bei der Zwischenprüfung erreichte der Sohn 91 von 100 Punkten – zeichne ihn die Fähigkeit aus, selbst in stressigen Situationen den Überblick zu behalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Auch über die Arbeit hinaus sei Valentin engagiert, hebt Seilermeister Rainer Schoser hervor, etwa bei gemeinsamen Aktivitäten mit dem Team oder, zusammen mit seiner Schwester Franziska, als Betreuer der LinkedIn-Seite des Unternehmens. Von der näheren Zukunft hat Valentin Schoser klare Vorstellungen. Die anstehende Gesellenprüfung möchte er bestmöglich abschließen.

Danach steht die Meisterschule an. Zeit für seine Hobbys will er sich trotzdem nehmen. Der 20-Jährige wandert gerne und ist mit dem Rad unterwegs Zurzeit absolviert er die Ausbildung zum Skilehrer und ist Beisitzer im Skiclub Burladingen.