Die Stipendiaten des Vereins für die Schwarze Kunst präsentieren ihre Arbeiten, die auf der achtwöchigen Walz entstanden sind noch bis 6. November. Foto: Haubold

Was sie auf ihrer achtwöchigen Walz erlebt haben, präsentierten junge Buchdrucker in der Offizin. Der Verein für die "Schwarze Kunst" lud zur Ausstellungseröffnung der druckgrafischen Werke seiner Stipendiaten ein.

Alpirsbach - Der Druck mit Bleilettern wirkt heute unmodern, doch als künstlerische Fingerfertigkeit hat diese Technik für die Liebhaber des alten Handwerks große Bedeutung. So auch für die Stipendiaten des Dresdner Vereins "Schwarze Kunst", der in Alpirsbach seine Mitgliederversammlung abhielt und eine Ausstellung auf den Weg brachte.

Ähnlich der Handschrift des Mittelalters

Wie sich das Handwerkszeug der Drucker und Schriftsetzer verändert hat, zeigt die Sammlung in der historischen Druckerei Alpirsbach. Die Stipendiaten markieren hier einige Etappen der Buchdruckkunst. Sie präsentieren noch bis 6. November in der Offizin ihre Arbeiten, die auf ihrer achtwöchigen Walz im Bleisatz gesetzt und im Buchdruck realisiert wurden.

Gastgeberin Maite Kilgus, Vorsitzende der gut 50 Mitglieder des Vereins "Alpirsbacher Offizin" eröffnete die Werkschau, die mit ihren vielen Feinheiten des Gestaltens, Druckens und Setzens in der Manier Gutenbergs, des Erfinders des Druckens, in vergangene Epochen entführt. Anne König, Professorin für die Betriebswirtschaftslehre der Druck- und Medienbranche an der Beuth Hochschule für Technik Berlin gab zunächst Einblicke in die alte Form des Setzen und Druckens. Der sogenannte Wiegendruck aus dem 14. und 15. Jahrhundert sei geprägt durch "gebrochene Schriften, die Ähnlichkeit mit der Handschrift des Mittelalters aufweisen", erklärte die Fachfrau. Bücher, Werbeschriften oder Aushänge zum Motto "Frauen im grafischen Gewerbe" sind auf den Wänden im Obergeschoss der Offizin zu sehen. Die Berliner Gewerkschafterin Paula Thiede, bekannt als "Die Bogenanlegerin" wird hier ebenso thematisiert wie die "Herrin der Letter" von Sophia Langer, die den Lebensweg der Tübinger Druckerin Magdalena Morhart in ihrem Historien-Roman aufzeigt.

Jedes Mitglied habe sich mit einem Thema beschäftigt, so König. Ziel des Vereins sei es, jungen Menschen in den wesentlichen Berufen oder auch während ihres Studiums einen Zugang zu traditionellen Druckwerkstätten zu ermöglichen.

Malerische, farbenfrohe Kunst in Büchern

Beim Gang durch die Ausstellung können die Besucher die Entwicklung in der Drucktechnik sehen: Die tiefschwarze Schrift mit den klassischen Balken in der Werbetypographie der 1970er Jahre wechselt sich mit den Schrägsätzen ab, die man eher in den 1940er Jahren anwandte. Was sofort auffällt, ist die Abstraktion bei einigen Bildern, die malerisch mit Farbe glänzen. Aber auch außergewöhnliche Plakate, das "Büchlein über die Speis" und der Sündenfall aus dem ersten Buch Moses, "Genesis 3" von Stipendiatin Theresa Wedemeyer zeugen von der Kunst des historischen Drucks.

"Wir setzen und machen Druck", sagte Buchgestalter und Typograph Rudolf Paulus Gorbach, der unter den Aspekten Typographie und Technik nicht nur detailliert in die Ausstellung einführte, sondern auch gleich die Arbeiten der jungen Stipendiaten beurteilte und ihnen Tipps mit auf den Weg gab. Die Voraussetzung, um weiterzukommen sei da, lobte der Buchdruckmeister schließlich. Er forderte: "Bleiben Sie dran, machen Sie es noch besser".

Die Ausstellung ist immer Samstags und Sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.