Die Künzelsauer machen 2024 gut 500 Millionen Euro weniger Gewinn. Die Kosten steigen, die Konjunktur im Land lahmt – und dennoch sieht das Management einen Lichtblick.
Der weltgrößte Befestigungs- und Montagespezialist, der im April nicht nur 80-Jahr-Jubiläum, sondern auch den 90. Geburtstag von Firmenpatriarch Reinhold Würth feiern konnte, sieht noch keine Besserung für das Wirtschaftsumfeld, aber immerhin erste hoffnungsvolle Anzeichen.
„Turbulent, undenkbar, ja geradezu verrückt“, kommentierte Robert Friedmann, der seit zwei Jahrzehnten den Schraubenhersteller als Sprecher der Konzernführung lenkt, die vergangenen Wochen und Monate. „Die Welt steht Kopf“, sagte er mit Blick auf Rechtsruck, weltweit steigende Militärausgaben oder etwa Zölle und machte deutlich, dass Würth als Familienunternehmen auch in schwierigen Zeiten am Personal festhalte. Besonnenes Handeln sei die oberste Pflicht.
„Bundesregierung muss schnell in Umsetzung kommen“
„Je stürmischer es um uns herum ist, desto mehr bewahrt Professor Würth die Ruhe“, sagte er. Von der Familie erfahre man die nötige Stabilität und Verlässlichkeit. Jetzt gehe es darum, dass die neue Bundesregierung schnell in die Umsetzung komme.
Die Aussicht auf Wachstum im Geschäftsjahr 2025 sei Experten zufolge trüb. Würth allerdings ist im ersten Quartal leicht gewachsen. „Würth wächst weiter“, sagte Friedmann. „Wir sehen die gute Entwicklung der Gesellschaften im Bereich Chemie, die im ersten Quartal 2025 an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen konnten, als Lichtblick für 2025.“
2024 zeigten sich bei Würth vor allem in Deutschland, dem mit 39 Prozent Umsatzanteil größten und wichtigsten Einzelmarkt, Bremsspuren. Hier ging der Umsatz um 3,9 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro zurück, während die Auslandsgesellschaften ein leichtes Plus von 1,2 Prozent verzeichneten. Der Konzernumsatz war zwar leicht im Minus, aber immer noch über 20 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis dagegen brach um mehr als ein Drittel auf 940 Millionen Euro ein, ist damit aber immer noch das viertbeste in der Unternehmensgeschichte.
Zu schaffen machte Würth neben Kostensteigerungen vor allem für Personal, Energie, Fracht und Verpackung auch die schwache Konjunktur in der verarbeitenden Industrie. Zudem wurde das Ergebnis durch hohe Zukunftsinvestitionen – vor allem in die IT-Infrastruktur, in Lagerkapazitäten und die Produktion – und daraus resultierende Abschreibungen belastet.
In Südeuropa, dem zweitwichtigsten Markt von Würth, legte der Umsatz vor allem durch den Zukauf des Elektrogroßhändlers IDG 01 in Italien zu und liegt nun bei über 3,1 Milliarden Euro. Insgesamt gab Würth im vergangenen Jahr fast eine halbe Milliarde Euro für Zukäufe aus. Auch die USA sind ein wichtiger Markt für Würth mit rund elf Prozent Umsatzanteil.
Der Elektrogroßhandel ist mit 4,1 Milliarden Euro Umsatz (plus 8,1 Prozent) nach wie vor der größte Bereich der Würth-Gruppe und profitiert unter anderem mit Komponenten für Solaranlagen. Der am stärksten wachsende Bereich ist die Chemiesparte mit einem Plus von 11,7 Prozent auf 898 Millionen Euro. Den größten Einbruch mit minus 17,7 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro verzeichnete die Elektroniksparte. Würth Elektronik eiSos, einer der größten europäischen Hersteller von elektronischen und elektromechanischen Bauelementen, verzeichne aktuell vor allem in Asien und Nordamerika steigende Auftragseingänge und zähle zu den Frühzyklern der Würth-Gruppe. „Bereits im ersten Quartal 2025 stieg hier der Auftragseingang überdurchschnittlich an. Das stimmt uns zuversichtlich, dass der europäische Markt nachzieht“, sagte Friedmann.
Von den weltweit knapp 88 400 Beschäftigten – rund 1350 sind vor allem durch Zukäufe dazugekommen – arbeiten 44 900 im Vertrieb. In Deutschland sind gut 27 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Das Familienunternehmen ist mit über 400 Gesellschaften und mehr als 2800 Niederlassungen in 80 Ländern vertreten und erreicht weltweit mehr als vier Millionen Kunden. Das Eigenkapital der Würth-Gruppe ist um 5,4 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro gestiegen und bildet nach Unternehmensangaben die Basis für die finanzielle Stabilität des Konzerns.