Donald Trump und Xi Jinping werden bei ihren Handelsdifferenzen nur an sich denken. Der alte Kontinent muss daraus Konsequenzen ziehen, kommentiert Christian Gottschalk.
Malawi hat vor wenigen Tagen ein Exportverbot für alle Rohstoffe verhängt, um die verarbeitende Industrie im eigenen Lande zu stärken. Der afrikanische Staat verfügt über eine beachtliche Anzahl an Erzen und Metallen, darunter auch Seltene Erden. Anders als die chinesische Ankündigung, sich beim Export von eben jenen Seltenen Erden zurückzuhalten, hat diese Nachricht aus Malawi keine großen Wellen geschlagen.
Das Land ist klein, seine Durchsetzungsstärke gering. Deswegen will US-Präsident Donald Trump Ende der Woche auch nicht mit dem malawischen Präsidenten einen Deal abschließen, sondern mit dem chinesischen Kollegen Xi Jinping.
Begrenzter Einfluss aus Berlin und Brüssel
Man kann es gutheißen oder auch nicht – aber in der internationalen Politik ist Größe aktuell ein entscheidender Machtfaktor. Die Vereinigten Staaten und China, das sind die beiden größten Wirtschaftsmächte und wichtige Spieler auf der militärischen Bühne. Deutschland und Europa sind in den Augen Trumps und Chis zwar wichtiger als Malawi, aber eben keine Weltmächte. Darauf, was Xi und Trump aushandeln werden, ist der Einfluss aus Berlin und Brüssel sehr begrenzt. Doch die Folgen der Gespräche werden hier zu spüren sein. Dass Trump oder Xi auch nur ansatzweise europäische Interessen im Blick haben, das darf getrost bezweifelt werden. Jeder schaut erst einmal, wo er selbst bleibt.
Das gilt auch für den Streit, der hierzulande derzeit viel Aufregung verursacht, nämlich der um Seltene Erden. Das sind allerdings weder Erden noch sind sie selten. Vietnam und Brasilien haben zusammen so viel von den Metallen im Boden wie China. In Australien, Kanada und Skandinavien gibt es beachtliche Vorkommen, auch in Malawi und Deutschland sind sie vorhanden. So zu tun, als habe China eine Verpflichtung, die Welt mit dem Material zu versorgen, ohne das sich kein Windrad dreht und kein Auto fährt, ist unredlich. Nicht die Existenz des Rohstoffs ist das Problem, sondern ihn zu gewinnen. Dafür braucht es viel Chemie und noch mehr Wasser. In der Folge entsteht massive Verschmutzung.
Unangenehme Konsequenzen
China die Drecksarbeit machen zu lassen ist ein bequemer Weg. Der richtige – sich nicht in Abhängigkeiten zu begeben – hätte allerdings sehr unangenehme Konsequenzen. Würden die Metalle unter den hierzulande geltenden Regeln für Mensch und Natur abgebaut werden, wäre das extrem teuer. Die Preise für Produkte, die ohne Chips nicht funktionieren, würden explodieren.
Was also ist zu tun? Das Zauberwort heißt Recycling. Bisher ist die Quote der Rückgewinnung gering, die Probleme sind ähnlich vielschichtig wie beim Abbau der Metalle. Doch die deutsche und europäische Forschung hat Potenzial. Sie braucht allerdings anhaltende Förderung. Bei der KI-Industrie ist Europa dabei, dies zu erkennen. Bei der Recycling-Wirtschaft noch nicht. Notwendig ist beides, um in der Zukunft nicht zum Spielball anderer zu werden. Das wird enorme staatliche Hilfen voraussetzen. Sei es durch Investitionen in die Forschung oder durch gesetzliche Regeln zum Einsatz von recyceltem Material.
Eigenen Weg gehen
Dass weder China noch die USA ein vermehrtes Interesse daran haben, anderen hier einen Vortritt zu lassen, dürfte klar sein. Darauf muss Europa aber ebenso wenig Rücksicht nehmen wie es Xi und Trump bei ihrem Treffen auf europäische Interessen tun werden. Und nicht zu vergessen: Ebenso wichtig bleibt für die nähere Zukunft, Länder zu finden, die den begehrten Rohstoff schnell liefern können. Deutschland und Europa suchen schließlich nicht alleine. Größter Investor in die malawische Bergbauindustrie ist übrigens China.