Der Tourismus – hier die bei Besuchern beliebte Bergvogtei – ist für Neubulach ein wichtiges Standbein. Foto: Verena Parage

Die Stadt will bei Handel und Tourismus neue Wege gehen. Eine Jahrzehnte alte Kooperation beendet sie deshalb, möchte ein bestehendes Angebot im Gegenzug aber ausbauen.

1987, also vor fast 40 Jahren, fasste der Neubulacher Gemeinderat einen Beschluss. Die Stadt wollte damals etwas für den Tourismus tun, der damals noch Fremdenverkehr hieß. Das Gremium beschloss 1987 eine finanzielle Förderung, um die Übernachtungszahlen zu steigern. Die Stadt suchte nach lokalen Kooperationspartnern in der Branche, die sich auch mit Geld an dem Vorhaben beteiligen. Die Privatzimmer- und Ferienwohnungsvermieter waren mit dabei.

 

Später kamen Dienstleister und Einzelhändler dazu, weil auch sie Vorteile in der Belebung des Tourismus sahen. Die Kooperation lief über viele Jahre. Aktuell machen 51 Partner aus dem Bereich Dienstleistung und Einzelhandel sowie 13 Gastgeber mit. Knapp 7300 Euro nahm die Stadt zuletzt über diese Kooperation nein. Aber damit ist jetzt Schluss, wie Bürgermeisterin Petra Schupp jüngst im Gemeinderat erklärte.

Schneller Wandel

„Wir haben heute eine ganz andere Situation als damals“, so Schupp. Vor 40 Jahren habe es viel weniger touristische Infrastruktur gegeben. Auch könne die Stadt mit 7000 Euro jährlich heutzutage nicht viel ausrichten. „Der Bereich Tourismus ist ein sich sehr schnell wandelnder Sektor und es bedurfte in den zurückliegenden Jahren einiger Anpassungsmaßnahmen durch die Stadt Neubulach“, steht in der Sitzungsvorlage des Gemeinderates. Die Stadt investiere an vielen Stellen Geld in den Tourismus. So koste die anteilige Finanzierung der Konus-Karte Neubulach 10 000 Euro im Jahr. Dazu kämen weitere „kostenintensive Kooperationen mit Tourismusverbänden“. Und die Stadt habe Kosten für den Unterhalt und die Rezertifizierung von Wanderwegen.

Kooperation bleibt bestehen

Zur Kooperation gehörte ein jährliches Treffen zwischen Stadt und den Partnern, erzählte Schupp. Dabei sei man sich einig geworden, dass sich das das bisherige Modell der Kooperation überlebt habe. „Das Pferd ist tot geritten. Das sehen auch die Kooperationspartner so“, sagte die Bürgermeisterin. Man habe das Ende der Kooperation zum 31. Dezember beschlossen.

Allerdings wollen Stadt, Dienstleister, Einzelhändler und Gastgeber weiterhin zusammenarbeiten. Wie Schupp erklärte, hätten die Beteiligten ihr Augenmerk auf die Weiterentwicklung eines anderen bestehenden Angebots gelegt: auf den „Neubulach Gutschein“. Den gibt es bisher bei der Stadtverwaltung zu kaufen. Der Wert kann in Fünf-Euro-Schritten ausgewählt werden. Mehr als 40 Unternehmen nehmen diesen „Neubulach Gutschein“ an. Und er ist laut Bürgermeisterin Schupp ein Erfolgsmodell. In der Vorlage steht, dass über den Gutschein jährlich 30 000 Euro umgesetzt werden. „Aus Sicht der Stadt profitiert der Einzelhandel deutlich mehr von einer Verbesserung dieses Angebots, an dem er sich jedoch mittelfristig finanziell beteiligen muss“, heißt es dort zum Gutschein.

Mehr Flexibilität für Kunden

„Wir wollen den Gutschein elektronisch machen“, erklärte Schupp die Idee. Das wäre für Kunden flexibler. Bisher müsse der Gutschein bei einem Unternehmen komplett eingelöst werden. Eine Gutschein-Karte – die NeubulachCARD –soll den bisherigen Papier-Gutschein ersetzen. Ein entsprechendes Konzept sei bereit 2023 auf der Versammlung mit den Kooperationspartnern vorgestellt worden, steht in der Vorlage. Die Resonanz sei positiv gewesen. Eine Einführung sei im Frühjahr 2026 geplant.

Tamara Goltz (UWV) wollte wissen, ob die bisher ausgestellten Gutscheine ihre Gültigkeit behielten. „Ja. Vielleicht machen wir noch eine Umtauschaktion, bei der die Leute Geld bekommen, wenn sie zur NeubulachCARD wechseln“, so Schupp.

Der Gemeinderat entschied sich einstimmig für die Beendigung der bisherigen Kooperation und der Einführung der NeubulachCARD.