Fast ein Dreivierteljahr ist Sophie Bihl schon Oberndorfs City-Managerin. Was konnte sie seitdem bewirken? Und was hat sich in Sachen Leerstände getan?
Sie soll Oberndorf sichtbar machen und nach vorne bringen: Seit Juli 2025 ist Sophie Bihl Oberndorfs City-Managerin. Die Initiative ging vom Handels- und Gewerbeverein aus, der mit seiner ehrenamtlich tätigen Führungsriege an die Kapazitätsgrenzen gestoßen war. Der Gemeinderat hatte mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit zugestimmt, 60 Prozent der Kosten zu übernehmen. Jetzt informierte der HGV ihn, was sich seit der Einstellung von Sophie Bihl getan hat.
Bihl ist mit einem Stellenumfang von 25 Wochenstunden tätig. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit sei die Betreuung der Mitglieder, erklärte HGV-Vorsitzender Frank Bühler im Verwaltungsausschuss. Dazu zählten regelmäßige Besuche ebenso wie die Unterstützung des Einzelhandels, etwa bei Aktionen oder einem Sortimentswechsel, aber auch im Bereich Social Media, um das Angebot vor Ort sichtbarer zu machen.
Stolz auf die Mitgliederanzahl
Darüber hinaus habe Bihl sich um die Akquise neuer Mitglieder gekümmert. Mittlerweile habe man die Mitgliederzahl durch zehn neue 2025 auf insgesamt 115 steigern können, darunter zum Großteil alteingesessene Unternehmen. Zum Vergleich: Laut Imakomm Akademie – dabei handelt es sich um ein Institut für Marketing und Kommunalentwicklung – liege der Durchschnitt bei solchen Vereinen bei 38 Mitgliedern pro 10 000 Einwohner. Das würde für Oberndorf umgerechnet eine Anzahl von rund 56 bedeuten.
Im Oktober 2025 übernahm Bihl eine wichtige Rolle bei der Einführung des neuen „Oberndorf Gutschein“. Insgesamt wurden 2025 HGV-Gutscheine im Wert von rund 154 000 Euro verkauft, was eine Steigerung um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. „Das ist Geld, das in der Stadt bleibt“, hob Bühler hervor.
Fokus auch auf Arbeitgeber-Gutscheine
Bei den Arbeitgeber-Gutscheinen konnte sich der HGV sogar um fast 30 Prozent auf rund 94 000 Euro steigern. Den Gutschein gebe es als monatlichen Mitarbeiter-Benefit oder als Geschenk zu Anlässen wie Jubiläen oder Weihnachten. Sie seien bei mehr als 70 Stellen in Oberndorf einlösbar. 2026 wolle man das Thema Arbeitgebergutschein intensiv weiterverfolgen, so Bühler.
Eingelöst wurden 2025 Gutscheine im Wert von etwa 133 000 Euro (9,2 Prozent mehr als im Vorjahr). Auch Januar und Februar 2026 seien, was das Gutscheingeschäft angehe, gut angelaufen.
Sichtbarkeit erhöhen
Was die Sozialen Medien angehe – „dort sind die Käufer der Zukunft“ – so habe Bühl die Followerzahl des HGV auf Instagram von 700 auf mehr als 1100 Follower steigern können, was die Reichweite und Sichtbarkeit deutlich erhöhe. „Ziel ist es, die Menschen dafür zu sensibilisieren, den regionalen Handel zu unterstützen und bewusster vor Ort einzukaufen“, hieß es im Bericht der City-Managerin.
Auch Marketing und Design gehören zu Bihls Aufgaben, außerdem die Unterstützung der Planung verschiedener Veranstaltungen wie Frühlings- und Herbstfest.
Zum Thema Leerstände im Austausch
Ein Austausch mit der Stadt bestehe dabei nicht nur beim Thema Tourismus, sondern auch zu den Leerständen. So dokumentiere Bihl diese, gebe Informationen weiter und habe ein offenes Ohr für Interessenten, die sich in Oberndorf ansiedeln wollen, hieß es im Bericht. Auch stehe sie im Austausch mit der IHK, um neue Konzepte zu entwickeln.
FWV-Stadtrat Dieter Rinker bewertete die Bilanz positiv und erinnerte daran, dass Oberndorf ganz früher mal eine City-Managerin „alter Art“ gehabt habe und der Posten darauf lange unbesetzt gewesen sei. Er wollte wissen: Wie lange brauche man eine City-Managerin, und wo seien die Erfolgsgaranten in dem System?
Neue Mitglieder und Gutscheine seien besonders wichtig, meinte Frank Bühler. Leider sei insbesondere das Gutscheingeschäft aufwendig, weil man hinterher sein und Interessenten persönlich aufsuchen müsse. Diese Zeit habe man als Vorsitzender im Ehrenamt nicht, deshalb sei man froh, dass die City-Managerin dieses Thema so „beackern“ könne.
Das Potenzial ist groß
Adrian Hägele, ebenfalls Vorsitzender beim HGV, bat die Stadträte darum, vielmehr die Brille der Potenziale aufzusetzen. Man könne noch so viel mehr machen, habe aber die 25 Stunden als Beschäftigungsrahmen. Dabei gäbe es auch für 40 Stunden pro Woche noch genug zu tun, meinte Hägele.
Auf Thorsten Ades (CDU) Frage, welchen Fortschritt es beim Thema Leerstände gebe, meinte Hägele, man dürfe die bisherige Zeitspanne nicht vergessen. Außerdem sei es schwer, die Vorstellungen der Gebäudeeigentümer und die der Interessenten zusammenzubringen. Und mancher Leerstand sei auch schlichtweg kein Potenzial, weil erst einmal viel investiert werden müsste. „Wir bearbeiten das Thema“, versicherte Hägele, es sei nur sehr schwierig. Das zeige sich beispielsweise auch in Horb, wo das Pop-up-Store-Konzept bislang auf geringes Interesse stoße.
Was die Arbeitsanteile für die Stadt und den HGV betreffe – danach hatte Michael Haas (FWV) gefragt – so sagte Hägele, das lasse sich so einfach nicht sagen, da es projektabhängig sei. Klar sei aber auch: Wenn Sophie Bihl für den HGV unterwegs sei, dann gleichzeitig auch für die Stadt Oberndorf.
Die City-Managerin
Sophie Bihl
ist Mutter zweier Kinder, gelernte Handelsfachwirtin, war Filialleiterin im Handel und einige Jahre bei einem Unternehmen im Einkauf und Vertrieb tätig. Als City-Managerin ist die Bochingerin erste Ansprechpartnerin für Wirtschaftsthemen aller Art und Bindeglied zwischen dem HGV und der Stadt. Sie widmet sich aber auch den Themen Sichtbarkeit via Social Media und Marketing. Auf Instagram folgen Bihls Account @sophiiekate, der sich dem Thema „authentischer Alltag einer Mama“ widmet, mehr als 60 000 Menschen. Sie wurde mit einem Stellenumfang von 25 Wochenstunden eingestellt, vorerst befristet auf drei Jahre.