Letzte Handgriffe werden derzeit im Lidl-Neubau auf der Gänsmatt vorgenommen. Foto: Anja Bertsch

Mit der Eröffnung des Lidl-Neubaus in Gündenhausen am Donnerstag findet eine langwierige Geschichte ihr Finale. Zeitweilig trafen sich Stadt und Discounter sogar vor Gericht.

Beinahe doppelt so groß wie der bisherige Markt kommt der Lidl-Neubau auf der „Gänsmatt“ in Gündenhausen daher: Etwa 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche dazu 800 Quadratmeter Nebenfläche und 150 Parkplätze sind entstanden.

 

Abriss und Neubau

„Mit einem neuen Filialauftritt macht Lidl den Einkauf noch schneller, einfacher und angenehmer. Neueste Technik und ökologische Bauweise sparen Energie und setzen Maßstäbe im nachhaltigen Filialbau“, wirbt Lidl in einer Mitteilung zum Neubau.

Abriss und Neubau gingen zackig über die Bühne: Anfang Mai hatte die bisherige Lidl-Filiale ein letztes Mal geöffnet – eine Woche später waren von dem Gebäude kaum mehr als meterhohe Holz- und Schuttberge sowie metertiefe Aushubgruben übrig. Die Arbeiten für den Neubau und die Neugestaltung des Areals liefen seither beinahe rund um die Uhr, sodass sich das mehr als 10 000 Quadratmeter große Grundstück an der Bahnlinie nach fünf Monaten rundum aufpoliert präsentiert.

Der Abriss ging schnell. Foto: Anja Bertsch

Aus für Thomas Philipps

Im Zuge dessen endete indes die Ära „Thomas Philipps Sonderposten“ in Schopfheim, das seinen Standort jahrelang in direkter Lidl-Nachbarschaft, vor allem aber auf dem Lidl-eigenen Grundstück hatte: Für den Schnäppchen-Markt war in den großformatigen Neubauplänen Lidls kein Platz mehr – er musste weichen. Das Gebäude wurde Anfang Juli ebenfalls abgerissen.

Die monatelange Suche nach einem Alternativstandort in Schopfheim blieb vergeblich; fündig wurde Thomas Philipps letztlich in Rheinfelden, wo der Markt Ende Oktober eine Filiale eröffnete.

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die zwischenzeitlich abgerissene Thomas Philipps-Filiale in Schopfheim. Foto: Anja Bertsch

Lange Vorgeschichte

Dem zügigen Bauablauf ging eine langwierige Vorgeschichte voraus, bei der sich Stadt und Lidl zeitweise vor dem Verwaltungsgericht gegenüberstanden: Bereits 2019 war Lidl mit dem Plan an die Öffentlichkeit getreten, im bestehenden Markt die Verkaufsfläche auf knapp 15 000 Quadratmeter beinahe verdoppeln zu wollen.

Bis vor Gericht

Die Stadt Schopfheim, die Baurechtsbehörde im Landratsamt und auch das Regierungspräsidium in Freiburg versagten allerdings unter Berufung auf den Bebauungsplan die Zustimmung. Lidl zog daraufhin vor Gericht und bekam 2021 vom Verwaltungsgericht Freiburg in gewisser Weise recht: Teile der Bebauungspläne seien nicht rechtskonform – der Absage fehle damit die Grundlage, so das Urteil.

Das Unternehmen hätte seine Pläne damit ohne Weiteres direkt umsetzen können – signalisierte aber, dass es eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt anstrebe. In der Folge erarbeiteten die Akteure gemeinsam einen neuen Bebauungsplan, der dem Discounter wie auch weiteren Geschäften auf der Gänsmatt – inbesondere dem ebenfalls dort ansässigen Rewe – die Erweiterung erlaubte und Mitte 2024 verabschiedet wurde.