Mit dem Förderprogramm „Manufakturenstadt“ wurden Leerstände in der Kernstadt beseitigt. Die ersten Förderungen laufen jetzt aus. Ob die Stadt einsteigt. Wer weiter macht und und wer aufhört.
Überall muss gespart werden. Auch beim Handel? Horb hatte das Förderprogramm Manufakturenstadt aufgelegt. Die Förderperiode endet im August 2025. Was heißt das für die Manu-Stadt?
Aus dem Bundesförderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ wurde die Projektidee „Manufakturenstadt Horb am Neckar“ entwickelt. Der Bund gibt 240 000 Euro, Horb musste 80 000 Euro Eigenanteil bringen. Gefördert werden unter anderem Marketing und Konzeption. Für die Ladeninhaber gibt es Miet- und Bauzuschüsse für kleinere Schönheitsreparaturen. City-Manager Thomas Kreidler: „Wir haben zunächst einen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Gewinner haben 100 Prozent der Kaltmiete für zwei Jahre bekommen. Bedingung des Förderprogramms ist auch, dass die Eigentümer in der Miete 15 Prozent runtergehen.“
Doch schon im März laufen die ersten Förderungen aus. Steigt das Rathaus weiter ein in die Förderung, um die Geschäfte zu halten?
Horbs OB Peter Rosenberger: „Wir werden beim Bund nachfragen, ob wir das verlängern können. Wenn nicht, ist das eine freiwillige Aufgabe, die auf den Prüfstand in die Haushaltsstruktur-Kommission gehört. Wobei es uns guttäte, wenn diese Schaufenster belebt bleiben. Aber: Dass wir sechs Läden komplett durchfinanzieren und die Miete zuschießen – das wird nicht sein.“
City-Manager Thomas Kreidler: „Wir sind gerade dabei, nach anderen Fördermöglichkeiten zu suchen. Wobei das – ehrlich gesagt – angesichts der knappen Kassen überall wohl schwierig wird.“
Wer trotz der Unsicherheit weiter macht und wer nicht
Aufgeweckt: Das Awakee von Julia Hagenlocher
In der ehemaligen Kristall-Apotheke hat Julia Hagenlocher im August 2024 ihr „Awakee“ eröffnet. Das Sortiment: Second Hand für Kinder und Upcycling-Produkte. Hagenlocher: „Inzwischen habe ich den Laden auf das Obergeschoss erweitert. Auch, um den Einkaufsbereich für Kleinkinder und ältere Kinder zu trennen.“ Sie will auf jeden Fall auch nach dem Ende der Förderung weitermachen. Hagenlocher: „Ich werde nicht aufgeben.“
Die Resonanz der Kunden steigt. Ältere, die Sachen für ihre Enkel kaufen und junge Eltern. Hagenlocher: „Weil hier auch Kleidung angeliefert wird, ist lediglich das Parken ein kleines Problem. Ich habe inzwischen auch ein Upcycling-Produkt, das beide Zielgruppen anspricht: Die Luftballonhüllen.“ Drinnen der Luftballon, die Hülle macht es zum Stoffball. Hagenlocher: „Das kann man für Kleinkinder für die Motorik-Förderung nehmen, aber auch Senioren haben damit Spaß. Ideal auch für Pflegeheime.“
Babsy Rockrohr und ihr Sohn Dennis hören auf
Babsy Rockrohr hatte im März 2023 ihr B-Leben eröffnet. Nebenan war Inna Weibert mit selbst genähter Kindermode „Mylili. Aus persönlichen Gründen gab sie auf. Dann machte Rockrohrs Sohn Dennis hier sein „Fofutu“ auf – mit Kult-Retromode. Jetzt sagt Babsy: „Meine Förderperiode hört Ende März auf. Ich mache weiter – aber nicht hier in einem eigenen Laden. Weil mein Sohn Dennis arbeitet und ich ihn häufig vertrete, wird auch das Fofutu schließen.“
Der Grund, so Rockrohr: „Ich habe ein Sortiment, das man nicht täglich kauft. Ich habe zwar viele Stammkunden, aber an diesem Standort fehlt es leider an der Laufkundschaft, damit sich die Läden finanziell lohnen.“ Der Abschied fällt ihr schwer: „Der untere Marktplatz und Horb sind meine Heimat geworden. Aber es ist nicht rentabel.“ Sie will weiter verkaufen – online und über ihr Anwesen in Sulz.
Persönliche Gründe: Valerie am Marktplatz schließt
Sie war mit ihrem Mann Mirko im Sommer am Marktplatz in den ehemaligen Räumen der Metzgerei Reinhardt gestartet: Nicole Volckmann. Ein Sortiment mit Makramee, Keramik, Edelsalzen und Bio Sojawachs-Kerzen. Nach reichlichen Überlegungen und schweren Herzens schließt sie ihre Manufaktur, so City-Manager Thomas Kreidler: „Sie gibt aus persönlichen Gründen auf.“