Ein neuer Schlag für die Hechinger Altstadt: Das Schuhhaus Schoy schließt nach 28 Jahren seine Pforten. Der Räumungsverkauf läuft an. Der nächste Leerstand droht.
Aus allen Hechinger Ecken dröhnen Aufbruchsignale für die Innenstadt. Große Hoffnungen ruhen auf dem neuen, aufwendig möblierten und autobefreiten Marktplatz, der am 2. Mai in eine viereinhalbmonatige Probezeit startet. Doch es gibt auch Nachrichten, die die Euphorie dämpfen: Gleich ums Eck, in der Goldschmiedstraße vis-à-vis von der Stiftskirche, macht demnächst ein alteingesessener Einzelhändler für immer die Türen seines Ladengeschäfts zu. Herbert Lindner schließt Ende Mai die Hechinger Filiale seines Schuhhauses Schoy.
„Ich weiß, das ist nicht schön für die Stadt“, sagt Lindner. „Und als alter Hechinger tut mir dieser Schritt auch weh.“ Aber, so bittet er um Verständnis für seine Frau und sich: „Wir haben jetzt das Alter, um es etwas ruhiger angehen zu lassen.“ 68 Jahre alt, will sich Lindner mit seinem Team künftig ganz auf das Schuhgeschäft im benachbarten Bisingen konzentrieren – nachdem er schon vor drei Jahren die Filiale in Balingen geschlossen hat. Im Übrigen möchten sich die Lindners mehr Freizeit gönnen. Die Enkel halten den Opa und die Oma ja auch auf Trab.
Anfang am Unteren Turm
28 Jahre lang hat es die Hechinger Niederlassung des Schuhhauses Schoy gegeben. Angefangen hat Herbert Lindner am Unteren Turm auf der Ladenfläche des ehemaligen Bekleidungshauses Kohler. Vor zwölf Jahren ist er mit seinem Schuhhaus in die Goldschmiedstraße umgezogen.
„Es war eine tolle Zeit hier“, blickt Lindner auf knapp drei Jahrzehnte am Standort Hechingen zurück. „Wir haben viele schöne Aktionen gemacht, und wir hatten tolle Kunden.“ Die teilweise einen längeren Weg auf sich nahmen, um in der Zollernstadt Schuhe zu kaufen. Das Schuhhaus Schoy ist bekannt für seine große Auswahl an Nordic-Walking- und Wanderschuhen, an Outdoor-Ausrüstung und auch an Besonderheiten auf dem Bequemschuh-Sektor. „Wir haben viele Kunden aus dem Kreis Rottweil und dem Kreis Tübingen“, berichtet Lindner.
In Bisingen geht es weiter
Künftig werden sie die Eichgasse in Bisingen ansteuern müssen, um dem gewohnten Sortiment zu begegnen oder Neues zu entdecken. Die Schuhe, die im jetzt in Hechingen anlaufenden Räumungsverkauf mit Preisreduktionen von 20 bis 70 Prozent übrig bleiben, werden jedenfalls ins Stammhaus wandern. Die lange Zeit als Geschäftsmann in Hechingen, so versichert Herbert Lindner, werde ihm in bester Erinnerung bleiben. Über Jahre hinweg hat er sich als stellvertretender Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins engagiert und unter anderem daran mitgewirkt, den Tischlein-deck-dich-Markt auf die Beine zu stellen, der eine bleibende Attraktion für die Innenstadt ist.
Den Walkern bleibt er treu
Weil Walking-Schuhe sein Metier sind, hat er passenderweise auch eine sehr gut frequentierte Freizeitgruppe aufgebaut: die HZ-Genusswalker, die er nach wie vor und auch in Zukunft zusammen mit Hilde Laub leiten wird. Immer dienstags um 18.30 Uhr treffen sich die Walker an wechselnden Orten, um gemeinsam eine genussvolle Runde in der schönen Natur rund um Hechingen zurückzulegen. Bis zu 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind bei diesen Anlässen am Start. Gerne hätte Lindner auch die Marktplatz-Belebung aktiv begleitet. Er zeigt sich überzeugt davon, dass das Konzept „gute Chancen“ bietet. Aus den genannten privaten Gründen wird er aber nur noch die ersten vier Wochen des Versuchs vor Ort miterleben.
Hoffnung auf Nachmieter
Und was wird dann aus der Ladenfläche Goldschmiedstraße 1? Ein neuer Leerstand mitten in der Altstadt? Vorerst vermutlich ja. Hoffnung macht aber, dass sich erste Interessenten für eine Nachmiete schon bei Lindner erkundigt haben. Das Plus, das er außer der guten Lage für den Standort sieht: „So eine große Verkaufsfläche findet sich in der ganzen Oberstadt nirgends.“