Der Möttlinger Pfarrer Traugott Maisenbacher (von links), Eva Schaufelberger, Katrin Heeskens, Elfriede Heeskens, Christiane Hofer und Bürgermeister Roberto Chiari sind ein Teil der neugegründeten Steuerungsgruppe, wobei Maisenbacher durch einen anderen kirchlichen Vertreter abgelöst werden soll. Foto: Biermayer

Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung dafür entschieden, dass Bad Liebenzell Fairtrade-Stadt werden soll. Nun stand die Gründung einer Steuerungsgruppe an. Diese sammelte erste Ideen, wie das Konzept vor Ort umgesetzt werden kann.

Bad Liebenzell - Im Gemeinderat wurde zuletzt heftig über den Sinn und die Folgen der Teilnahme der Stadt an der FairTrade-Kampagne diskutiert. Letztendlich entschied sich das Gremium dafür, wenn auch mit zwei Gegenstimmen. Inzwischen trafen sich Interessierte nun zur Gründung einer Steuerungsgruppe im Parksaal des Rathauses.

Gekommen waren knapp 20 Leute. Es waren Vertreter der Kirchen, von Vereinen, der Wirtschaft und aus dem Gemeinderat vor Ort. Die CDU-Stadträte waren überraschend stark vertreten, kam doch aus ihrer Fraktion zum Teil heftiger Widerspruch gegen das Vorhaben. Sogar Maik Volz und Franziska Dürr (beide CDU), die beide gegen die Initiative stimmten, waren gekommen.

Geschäfte und Gastronomie mit im Boot

Katrin Heeskens erklärte den Anwesenden, welche Schritte die Kommune noch gehen müsse, um letztendlich das FairTrade-Siegel zu bekommen. Zuerst müsse es einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss geben. Dieser sei ja nun erfolgt, so Heeskens. Dazu müsse man eine Steuerungsgruppe gründen. Dafür sei das Treffen gedacht. Danach folge die Aufnahme von FairTrade-Produkten ins Sortiment von Handel und Gastronomie. Hier müssten mindestens je zwei Produkte in vier Geschäften und zwei Gastronomien nachgewiesen werden, um die Kriterien zu erfüllen. Das habe man in Bad Liebenzell aber schon, so Heeskens.

Danach folge die Beteiligung der Zivilgesellschaft. In mindestens einer Schule, einer Kirche und in einem Verein müssten ebenfalls je zwei FairTrade-Produkte angeboten oder genutzt werden. All dies müsse von einer Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden. Hier fordere FairTrade mindestens vier Artikel pro Jahr, wobei diese auch auf der stadteigenen Homepage erscheinen könnten, so Heeskens.

Für die Steuerungsgruppe, die zukünftig öffentlich tagen wird, wurden dann die Mitglieder ausgewählt. Für die Verwaltung erklärten sich Bürgermeister Roberto Chiari und Alexandra Nußbaumer von der Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell GmbH (FTBL) bereit. Als Vertreter der Zivilgesellschaft meldeten sich Mitinitiatorin Eva Schaufelberger und Christiane Hofer. Den Gemeinderat wird Katrin Heeskens (UL) vertreten. Auch Elfriede Heeskens ist als Vertreterin des Weltladens Teil der Steuerungsgruppe. Von den Kirchen fand sich auf die Stelle kein fester Vertreter. Wobei alle anwesenden Kirchengemeinden klar machten, dass sie das Vorhaben unterstützen. Sie wollen sich noch nach einem möglichen Vertreter umhören.

Die Steuerungsgruppe wird die Erfüllung der Kriterien überwachen und dann den Antrag zur Zertifizierung als FairTrade-Stadt stellen. Zudem koordiniert sie den Austausch zwischen allen Beteiligten und die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu wird sie sich etwa alle zwei Monate treffen.

Viele Ideen

Ein erstes Brainstorming zu möglichen Projekten fand gleich statt. Die Idee einer stadteigenen Schokolade oder eines Kaffees, wie es das schon in anderen Kommunen gibt, wurde ins Spiel gebracht. "Es war ein superintensiver Austausch", war Katrin Heeskens nach dem Treffen zufrieden. Man habe viele tolle Ideen gesammelt. Ganz Konkretes gebe es aber noch nicht. Vor allem habe das Brainstorming bei vielen die Angst genommen, dass mit der Kampagne ein zu großer Aufwand verbunden sei. Viele Kriterien erfülle man ja ohnehin schon. Und die lasse man sich jetzt zertifizieren.