Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim feiern mit ihrem großen Gönner Eberhard Bezner (mit der Schale) die dritte deutsche Meisterschaft nach 2017 und 2019. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Die Bietigheimer Handballerinnen haben wettbewerbsübergreifend 51 Siege hintereinander eingefahren. Mit dem DHB-Pokal-Sieg am kommenden Wochenende in der Stuttgarter Porsche-Arena können sie die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte krönen.

Möglicherweise weiß nicht jede Spielerin aus dem Starenensemble der SG BBM Bietigheim, woher der Verein kommt und welche Reise er hinter sich. Also zeigte Sportdirektor Gerit Winnen den Bundesliga-Handballerinnen vor dem Endturnier um die European League am 14./15. Mai zur Sicherheit ein SG-Trikot vom entscheidenden Zweitligaaufstiegsspiel in Bensheim 2013.

 

Prompt sicherte sich die SG BBM nach der bereits Anfang Mai souverän eingefahrenen dritten deutschen Meisterschaft auch den ersten europäischen Titel der Vereinsgeschichte. Und nun? „Jetzt stehen wir vor einer Jahrhundertchance“, sagt Winnen, der seit 2012 im Amt ist.

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Mit dem DHB-Pokal-Sieg am kommenden Wochenende beim Olymp Final Four in der Stuttgarter Porsche-Arena wäre das historische Triple perfekt. Dann hätte das Team wettbewerbsübergreifend 53 Siege in Folge gefeiert. Noch nie zuvor gelang einer deutschen Profimannschaft eine solche Serie. Bisheriger Rekordhalter war das Footballteam der Schwäbisch-Hall Unicorns mit 50 Siegen in Folge. Die SG BBM – der Club der Unersättlichen. Natürlich hat kein anderes Team in der Liga eine dermaßen hohe Qualität im Kader. Spielerinnen wie Kim Naidzinavicius, Xenia Smits, Karolina Kudlacz-Gloc, Danick Snelder oder Julia Maidhof verkörpern Extraklasse, mit Kelly Dulfer und Inger Smits kamen vor der Saison vom damaligen deutschen Meister Borussia Dortmund zwei weitere ganz entscheidende Säulen noch hinzu.

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Doch diese unbändige Gier nach Erfolgen lässt sich nicht allein mit dem Können einzelner Stars erklären. Es gehört mehr dazu. „Meine Mannschaft kann Erfolge ganz schnell abhaken, ganz schnell wieder Spannung aufbauen und sich mit einer gewissen Lockerheit wieder aufs Gewinnen freuen“, sagt Trainer Markus Gaugisch. Dabei stellen seine Spielerinnen ihre Einzelinteressen hintan. „In jedem anderen Team würden sie 60 Minuten spielen, bei uns nur 50, vielleicht auch nur 20 oder zehn. Nur durch die damit verbundene entsprechende Belastungssteuerung können wir unser Mammutprogramm bewältigen“, betont Gaugisch.

Hunger nach Erfolg

Egal, wie hoch die Einsatzzeiten sind, der Hunger nach Titeln verbindet alle: „Auf der Autogrammkarte steht am Ende deutscher Meister und Europapokalsieger, nicht die Anzahl der Spielminuten oder Tore“, verdeutlicht Gaugisch.

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Er selbst gibt dem Team das taktische Rüstzeug mit auf den Weg. Vor allem die Leistung in der Abwehr, die viel mit Arbeit, Wille, Laufbereitschaft zu tun hat und das Tempospiel möglich macht, ist unter seiner Regie „nahe der Perfektion anzusiedeln“, so Winnen. Gaugisch ist für den ehemaligen Bundesliga-Rechtsaußen der Hauptgarant für diese Ausnahmesaison.

Bezner Vater des Projekts

Der Vater des kompletten Projekts aber ist ein anderer: Eberhard Bezner, der handballaffine Seniorchef des Bekleidungsunternehmens Olymp. Der 86-Jährige ist der Mann, der seit dem Abstieg in die zweite Liga 2011 die finanziellen Voraussetzungen schafft. „Ohne ihn wäre der Handball in Bietigheim weder bei den Frauen noch bei den Männern und der Jugend so hochklassig möglich“, sagt Winnen.

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Die Ziele gehen im Unternehmen und im Verein nicht aus. In der neuen Saison will die SG BBM auch in der Champions League eine bedeutende Rolle spielen. Das war nach den deutschen Meisterschaften 2017 und 2019 (jeweils unter dem dänischen Trainer Martin Albertsen) nicht der Fall. „In der Königsklasse tummeln sich Teams wie Györ, Kristjansand, Esbjerg oder Metz mit einer unfassbar hohen Qualität, dennoch ist es mein Antrieb, mehr Spiele zu gewinnen, eine Chance aufs Viertelfinale zu haben, die Qualifikation für das Final Four in der Champions League wäre der absolute Knaller“, sagt Gaugisch.

Trainersuche läuft bereits

Schließlich will sich der 48-Jährige im Juni 2023 bestmöglich von der SG BBM verabschieden – um sich dann nicht mehr in der Doppelrolle, sondern vollumfänglich um die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zu kümmern. Wer sein Nachfolger wird? Gerit Winnen sondiert mit Weitblick bereits den Markt – und sagt: „Es ist mein Job, den nächsten Volltreffer zu landen.“

Final Four in der Stuttgarter Porsche-Arena

Halbfinale

Samstag, 28. Mai 15 Uhr: VfL Oldenburg – Buxtehuder SV17.30 Uhr: Thüringer HC – SG BBM Bietigheim

Spiel um Platz drei
Sonntag, 29. Mai, 12.30 Uhr

Finale
Sonntag, 29. Mai, 15 Uhr

Fernsehen
Alle Spiele werden im SWR-Livestream übertragen.

Tickets
Karten sind über Ticketmaster und Easy Ticket erhältlich.