Immer mit vollem Einsatz: Selin Cep ist derzeit mit der türkischen Nationalmannschaft bei der U17-EM im Einsatz. Foto: Kara

Bevor sich Selin Cep auf ihre kommenden Aufgaben in Hossingen-Meßstetten und Steißlingen konzentrieren kann, darf sie aktuell bei der U17-EM ihr Können unter Beweis stellen.

Wenige Stunden vor dem Abflug nach Podgorica nimmt sich Selin Cep noch etwas Zeit, um einen Einblick in ihre Gefühlswelt zu geben. „Ich bin schon ziemlich aufgeregt“, gibt die (noch) 15-Jährige zu. In den vergangenen Wochen hatte sie sich in der türkischen Hauptstadt Ankara auf das kommende Turnier in Montenegro vorbereitet. Die U17-Europameisterschaft ist für die Burladingerin das erste große Turnier – und dementsprechend eine ganz besondere Erfahrung.

 

Debüt am Geburtstag

An ihrem 16. Geburtstag trat Cep mit der Türkei im ersten Gruppenspiel gegen Schweden an. Für die junge Rückraumspielerin war es im Grunde sogar ihr allererstes Länderspiel. Im August 2023 wurde sie erstmals vom türkischen Verband zu einem Lehrgang eingeladen. Seitdem gehörte sie immer wieder zum erweiterten Kader, doch erst seit mit der ehemaligen Nationalspielerin Serpil İskenderoğlu, die in der Saison 2006/07 sogar mal beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag stand, eine neue Trainerin übernahm, gehört die 16-Jährige zu den festen Größen des Teams. „Am Anfang habe ich mich schon etwas schwergetan – auch weil ich die Einzige aus Deutschland und mein Türkisch noch schlechter war“, erinnert sich die Burladingerin. Inzwischen fühlt sie sich aber immer wohler – und zeigt das auch auf dem Feld.

Trotz Pleite recht zufrieden

Cep war trotz der 24:30-Niederlage gegen Schweden im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrem Debüt: „Wir waren lange gut im Spiel und hätten mit weniger technischen Fehlern vielleicht sogar gewinnen können. Mit meiner eigenen Spielzeit und Leistung war ich eigentlich auch ganz zufrieden“, erzählt die frisch gebackene Nationalspielerin. Erwartungsgemäß war ihre Premiere im türkischen Dress ein emotionaler Moment: „Es war schon ein besonderes Gefühl, bei so einem Spiel auf der Platte zu stehen und die Hymne zu singen. Dass man gerade gegen ein anderes Land spielt und es um richtig viel geht, realisiert man in dem Moment noch gar nicht so wirklich.“

In jungen Jahren war schnell abzusehen, dass enormes Potenzial in Selin Cep steckt. Nicht nur im Handball spielte sie schon früh stark auf, auch im Fußball wurde sie in Auswahlmannschaften berufen. „Handball hat mir aber schon immer mehr Spaß gemacht, weil man einfach immer in Aktion ist“, erzählt sie. Nach ersten Schritten beim TSV Burladingen und der HSG Albstadt wechselte sie schließlich zur HSG Hossingen-Meßstetten, wo sie in der vergangenen Saison mit den B-Juniorinnen in der Bundesliga spielte. In der kommenden Spielzeit wird sie sowohl für die Meßstetter Damen in der Verbandsliga als auch für die A-Juniorinnen der SG Steißlingen in der Bundesliga im Einsatz sein.

Klatsche gegen Spanien

Im zweiten EM-Spiel gegen Spanien erlebte Selin Cep jedoch einen kleinen Dämpfer: „Ich hätte mir schon mehr Spielzeit gewünscht“, gibt die Burladingerin offen zu. Und auch als Team lief es für die jungen Türkinnen alles andere als gut, so dass am Ende eine deutliche 16:33-Niederlage zu Buche stand. „Wir haben einfach viel zu viele technische Fehler gemacht“, analysierte Cep den Auftritt ihres Teams.

Familie vor Ort

Abgesehen davon, dass sie in Montenegro erstmals internationale Handball-Luft schnuppert, ist die Europameisterschaft für Selin Cep aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes: „Meine Familie ist hier, um mich zu unterstützen – das bedeutet mir enorm viel.“ Ihre Eltern und ihre drei kleinen Schwestern sind für das Turnier angereist – quasi auf dem Weg zu dem Besuch ihrer im Süden der Türkei lebenden Großmutter. „Meine Eltern waren schon immer meine größten Supporter. Ich will sie unbedingt stolz machen“, meint Selin Cep und ergänzt lachend: „Mein Vater hatte früher gar nichts mit Handball am Hut, aber jetzt ist er zu einem richtigen Fan geworden.“

Letztes Vorrundenspiel gegen Dänemark

Im letzten Gruppenspiel gegen ein starkes Dänemark (Samstag, 12 Uhr) gilt es nun für Cep und ihre Mitspielerinnen, noch einmal Selbstvertrauen für die Zwischenrunde der Tabellendritten und -vierten zu tanken, um dort dann möglichst gut abschneiden zu können. Ein Weiterkommen in die Hauptrunde der Gruppensieger und -zweiten ist nicht mehr möglich. Doch egal, wie die Türkei das Turnier beenden wird: So schnell wird Selin Cep diese Europameisterschaft nicht vergessen.