Deutschlands junger Rückraumspieler Renars Uscins (am Ball) liefert gegen Spanieneine Galavorstellung ab. Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Handball-EM geht nach der Vorrunde nun so langsam, aber sicher in die heiße Phase. Wir haben bei Könnerinnen und Könnern dieser actionreichen Sportart nachgefragt.

In diesen Tagen blickt die Sportwelt in den Norden. Schließlich findet bis zum 1. Februar in Dänemark, Schweden und Norwegen die Europameisterschaft der Handballer statt. Wird das Starensemble der Dänen einmal mehr seiner Favoritenrolle gerecht? Oder gelingt sogar Deutschland nach dem Zittern in der Vorrunde nun der große Coup? Unser Freier Mitarbeiter Mirko Bähr hat sich bei Handball-Expertinnen und -Experten aus der Region umgehört.

 

Igor Bojic (Ex-Trainer der Red Sparrows, 2. Bundesliga, aus Lörrach): „Dänemark ist für mich Favorit Nummer eins, auch wenn sie doch einmal ein schlechtes Turnier spielen müssen. Aber das wird beim Heimturnier wohl nicht passieren.

Den Deutschen drücke ich die Daumen. Die meisten Jungs spielen in der besten Liga der Welt, da ist viel individuelle Klasse vorhanden. Wobei ich bisher zu viele Einzelaktionen gesehen habe. Da muss noch mehr als Kollektiv kommen, und zwar in allen Spielbereichen und den Kleingruppen.

Überraschungen gibt es bei einer EM keine. Da gibt es keine großen Außenseiter. Das ist bei einer WM anders, wenn auch Uruguay oder Australien mitmachen. Mein Lieblingsspieler ist Johannes Golla, unglaublich, was das für ein Kapitän und Kämpfer ist. Für mich ist er der beste Kreisspieler der Welt.

Auch weil ich derzeit ohne Trainerjob bin, hoffe ich, so viele Spiele wie möglich zu sehen und dabei auch etwas dazuzulernen.“

Lars Spieß, ehemaliger Juniorennationalspieler aus Brombach und aktueller Co-Trainer beim TV Großwallstadt: „Meine Antwort auf die Favoritenfrage ist unspektakulär: Dänemark. Warum? Weil sie die vergangenen Jahre alles gewonnen haben, was es zu gewinnen gibt. Die Dänen haben mit Abstand die beste Mannschaft zusammen, auch in der Breite.

Ich schaue nicht alle Spiele, aber versuche schon, so viele wie möglich mitzunehmen. Auch die der Deutschen, die haben mit guten Leistungen im Vorfeld gegen Kroatien auf sich aufmerksam gemacht. Bisher war das Auftreten am Ende zwar erfolgreich, aber noch nicht überragend. Deutschland ist eine Turniermannschaft, das Halbfinale ist machbar. Und wenn man dann schon mal dort ist, dann ist auch eine Medaille drin.

Ich persönlich bin Fan von Julian Köster. Er ist extrem wichtig für das Team, in der Abwehr und auch im Angriff. Er ist trotz seines noch jungen Alters schon ein echter Leader. Ich finde es sehr spannend, ihm zuzusehen.“

Neele Orth , Bundesliga-Spielerin der HSG Bensheim/Auerbach aus Grenzach-Wyhlen: „Ich sehe Dänemark und Frankreich wieder ganz vorne mit dabei. Die beiden Nationen sind schon seit Jahren Topteams auf ganz hohem und konstantem Niveau. Aber auch Schweden und Deutschland können meiner Meinung nach um den Titel mitspielen.

Ich traue dem deutschen Team nun sehr viel zu. Nach Olympiasilber sind die Erwartungen enorm gestiegen und die Hoffnung auf den Titel groß. Mit dem jungen und ambitionierten Team können die Deutschen durchaus bis ins Finale kommen.

Miro Schluroff hat, wie ich finde, für seine erste EM schon viele gute Akzente gesetzt und auf sich aufmerksam gemacht. Die deutschen Spiele schaue ich alle an und in der K.o.-Phase mit Sicherheit dann alle Partien, egal, wer da gegeneinander antritt.“

Patrick Gempp, Kreisläufer des Zweitligisten TV Großwallstadt aus Weil am Rhein: „Wenn es normal läuft, dann ist Dänemark der Top-Favorit, und zwar eindeutig. Die Dänen werden es machen. Aber zu den Kandidaten zähle ich auch Deutschland. Der DHB hat eine Topmannschaft zusammen und deshalb traue ich ihr das Finale zu, und zwar gegen Dänemark. Und dann mal schauen: An einem guten Tag können sie das auch gewinnen. Auch Frankreich und Norwegen werden vorne dabei sein.

Eine Überraschung kann hoffentlich der Schweiz gelingen. Sie hat ein paar gute Jungs zusammen und ist in der Lage, auch einmal eine große Nation zu ärgern.

Persönlich freue ich mich auf die Auftritte vom Omar Ingi Magnusson oder Gisli Kristjansson. Was die auf die Platte bringen, ist doch bewundernswert. Sie sind Weltklasse, wie ein Mathias Gidsel. Ich habe das kürzlich erst im Pokal hautnah miterleben dürfen.“

Max Rinderle, Co.-Trainer der Füchse Berlin aus Zell im Wiesental: „Favorit ist natürlich Dänemark. Die Jungs spielen zu Hause und besitzen die meiste Qualität im Kader. Wobei: Frankreich und Schweden sind vermutlich in der Lage, die Dänen an einem Tag zu ärgern. Übrigens: Deutschland kann das auch.

Den Deutschen ist nun eine Menge zuzutrauen. Sie haben einen breiten und jungen Kader und können so auch nach sechs bis sieben Spielen noch relativ frisch sein. Ich würde mich freuen, wenn unsere Jungs, also Nils Lichtlein und Matthes Langhoff, Akzente setzen könnten.

Überraschungen sind bei einer EM oft schwer, aber ich traue den Isländern mit ihren vielen Fans im Rücken doch einiges zu. Persönlich schaue ich natürlich gerne unseren Spielern von den Füchsen zu. Sonst freue ich mich auf die Costas aus Portugal und auf Dika Mem. Ich versuche, alle Partien mit Beteiligung unserer Spieler anzusehen.“