Sarah Kunz traf in der Fremde viermal für den VfL Nagold. Foto: Heiko Hofmann

Abhaken, nach vorne schauen. So fällt im Normalfall die Reaktion auf eine Niederlage aus. Das jüngste Auswärtsspiel des VfL könnte dagegen ein anderes Nachspiel haben.

SG TG Altdorf/DJK Ettenheim – VfL Nagold 29:24 (16:10). Die Heimmannschaft siegte. Das ist nicht wirklich ungewöhnlich im Handball. Und der Trainer der Nagolder Verbandsliga-Handballerinnen Markus Renz macht deutlich: „Unter diesen Umständen hat die SG TG Altdorf/DJK Ettenheim verdient gewonnen, das steht außer Frage.“

 

Knackpunkt ist allerdings seine Formulierung „unter diesen Umständen“. Denn aus VfL-Sicht waren die Umstände in diesem Auswärtsspiel zumindest fragwürdig. „Ich fühl mich da schon ein wenig verarscht“, wählt Renz wenig freundliche Worte.

Das ist der Stein des Anstoßes

Der Stein des Anstoßes: Es geht um die Frage nach dem Harz. In der Ettenheimer Halle herrscht – auch online offiziell einsehbar – absolutes Haftmittelverbot. Gespielt aber wurde mit Haftmittel. Sehr zur Überraschung des VfL Nagold.

Das Problem der Nagolder: Sie haben erst vor Ort von dem Haftmitteleinsatz erfahren. Für Markus Renz ein klarer Nachteil für sein Team. „Wir bereiten uns auf harzfreie Spiele anders vor als mit Haftmittel. Da lege ich mein Training drauf aus, auch die Taktik wird darauf ausgelegt.“

Wie reagiert der VfL?

Während der gastgebende Verein die Thematik offensichtlich anders sah, und letztlich auch die Schiedsrichter die Haftmittelbenutzung zuließen, überlegt der VfL Nagold nun offiziell Einspruch einzulegen. „Ich muss mich schon darauf verlassen können, was im Netz steht“, sagt Renz.

Oder wenigstens hätte der Heimverein den VfL rechtzeitig darüber informieren können. Beides war aber offensichtlich nicht der Fall.

Wieviel nun wirklich an der Haftmittelthematik lag? Das lässt sich schwer sagen. „Bei uns läuft der Ball mit Harz einfach nicht so schnell“, erklärt Renz. Die Gegnerinnen lobt er dagegen für ihr Spiel. „Die wirkten athletischer, und da kamen auch gute Würfe.“ Eine hohe Durchschlagskraft bescheinigt Renz der SG.

Schwacher Start

Jedenfalls startete der VfL Nagold schwach in die Partie. Nach fünf Minuten lag man mit 2:5 hinten. Dann kämpften sich die VfL-Frauen zurück, schafften in der zwölften Minute den 6:6-Ausgleich. Vor allem in den letzten fünf Minuten der ersten Hälfte schlichen sich bei Nagold einige unglückliche Aktionen ein, die die SG gnadenlos zu nutzen wusste. Mit 16:10 für die Gastgeberinnen ging es in die Pause.

Das sagt Renz

Durchaus mit etwas Stolz blickt Renz auf die Leistung seines Teams in der zweiten Hälfte. „Da haben die Mädels Moral gezeigt. Da hat die Einstellung gestimmt“, freut er sich. Die Folge: Nagold war absolut ebenbürtig und rückte den Gegnerinnen von Minute zu Minute mehr auf die Pelle.

Zehn Minuten vor dem Ende netzte VfL-Top-Scorerin Aline Rau zum 22:23-Anschluss aus Nagolder Sicht ein. Zweimal hatte das Team danach die Chance zum Ausgleich. Doch die SG wusste dem Nagolder Drang zu begegnen. Acht Minuten vor dem Ende stand dann eine heiß diskutierte Schiedsrichter-Entscheidung im Mittelpunkt des Geschehens.

Das war der Knackpunkt

Die Unparteiischen werteten eine Abwehraktion der Nagolderinnen als Foul und nicht als Stürmerfoul. Die Folge: Siebenmeter für die Gastgeberinnen, und gleich zwei Zeitstrafen gegen den VfL Nagold – eine gegen die beteiligte Spielerin, die andere gegen die Bank.

„Das war der Knackpunkt“, sagt Renz. Mit nur noch vier Feldspielerinnen war damit der Offensivdrang des VfL Nagold gestoppt, und die Gastgeberinnen zogen wieder davon.

Der VfL Nagold unterlag schließlich mit 24:29, kann aber für sich reklamieren, die zweite Hälfte für sich entschieden zu haben.

Die Aufstellung

VfL Nagold: Julia Völpel und Nele Sautter im Tor, Aline Rau (7), Alena Wolf (6), Sarah Kunz (4), Sofia Thomaidou (3), Aileen Hofmann (2), Janina Koch (1), Alisa Kübler (1), Luisa Eipper, Luisa Harr, Nina Kiefer und Lena Roller.

Schiedsrichter: Achim Dumkow und Daniel Lehmann