Die erste Halbzeit gegen den SV Leonberg/Eltingen war aus Sicht des VfL Nagold zum Vergessen. Doch die zweite Hälfte kann den Nagolderinnen Mut machen.
Die Geschichte dieses Nagolder Auswärtsspiels könnte schnell erzählt sein. 18:7 legte der SV Leonberg/Eltingen in der ersten Hälfte des Spiels vor. Damit war die Sache eigentlich klar: Leonberg würde seiner Favoritenrolle mehr als gerecht werden und das Spiel deutlich gewinnen. Punkt. Aus.
Bemerkenswerte Ereignisse
Soweit zu den Fakten auf dem Papier. Doch im Verlauf des Spiels ereigneten sich ein paar Dinge, die bemerkenswert sind. Zum Beispiel, wie ungewöhnlich schlecht die Nagolder Handballerinnen in die Partie gestartet sind. Nur sieben Tore in 30 Minuten zu erzielen, das ist heftig, deutete sich aber schon nach wenigen Minuten an.
Leonberg legte effektiv los, der beste Angriff der Verbandsliga sorgte nach drei Minuten schon für eine 3:0-Führung. Nagold dagegen hatte in den ersten Minuten das Wurfpech gepachtet und fand auch in der gegnerischen Keeperin einen starken Widerpart.
Der Ball will nicht ins Tor
Jedenfalls wollte der Ball beim VfL einfach nicht ins Leonberger Tor. Nach neun Minuten hatte der VfL nur drei Treffer erzielt, erst zehn Minuten später gelang das vierte Tor. Zur Pause waren es nur sieben Treffer. Die Gastgeberinnen dagegen hatten da bereits 18-mal getroffen. Aus VfL-Sicht eine Halbzeit zum Vergessen.
Nagolds Coach sieht Rot
Ganz anders die zweiten 30 Minuten, oder besser gesagt die letzten 20 Minuten. Leonberg erwischte zunächst nämlich wieder den deutlich besseren Start und baute bis zu 39. Minute den Vorsprung auf 23:9 aus. Dann sorgte Nagolds Coach für Aufregung. Nach einer Verwarnung folgte wenige Sekunden später dessen Disqualifikation, also die Rote Karte und eine Blaue Karte hinterher – was einen sogenannten Bericht zur Folge hat.
Der Grund: Nach der Verwarnung hatte sich Renz zu einer „beleidigenden Armgeste“ in Richtung Schiedsrichter hinreißen lassen. Diese griffen sofort zur Rot/Blauen Karte. Und Renz muss nun mindestens mit einem Spiel Sperre rechnen. Da bereits wenige Minuten zuvor VfL-Rückraumspielerin Alena Wolf nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe ebenfalls Rot gesehen hatte, hätte das der Zeitpunkt sein können, an dem das Nagolder Team komplett einbricht. Doch das Gegenteil war der Fall.
Furiose Schlussminuten
Die Nagolder Frauen lieferten äußerst bemerkenswerte 20 Schlussminuten ab. Das Team rückte zusammen, und zeigte Kampfgeist bis zum Schluss. Da herrschte blindes Verständnis in der Mannschaft, die sich kurzerhand selbst aufstellte – und die letzten 20 Minuten dafür sorgte, dass das Debakel nicht noch größer wurde, Nagold sogar rein zählerisch das letzte Spieldrittel für sich entscheiden konnte.
Auf Augenhöhe in Halbzeit 2
Direkt nach der Roten Karte für Renz erzielte der VfL innerhalb von zwei Minuten drei Tore in Folge. Letztlich „gewannen“ die Mädels diese letzten 20 Minuten sogar mit 9:7, und auch der Blick auf die zweite Halbzeit insgesamt fällt nicht so trübe aus: Nur mit 11:12 musste sich der VfL Nagold hier geschlagen geben.
„Die Einstellung hat gepasst“
„Wir sind einfach schlecht in das Spiel gestartet“, macht Coach Markus Renz deutlich. Hinzu kam ein wenig Wurfpech. „Und dann ist es eben schwer, auswärts gegen ein gutes Team wieder ranzukommen.“ Trotz seiner unrühmlichen Disqualifikation blickt Renz dann doch lieber auf Hälfte zwei: „Die war gar nicht so schlecht!“ Die Mädels hätten den Kopf nicht hängen gelassen und gekämpft. „Da hat die Einstellung gepasst. Da hat die Moral gepasst“, lobt Renz. Die Roten Karten wären womöglich der Wachrüttler gewesen. „Das sah alles wieder besser aus.“
Nun müsse sein Team die zweite Halbzeit als „Testspiel für die Vorbereitung für nächste Woche sehen“. Dann ist in Nagold Tabellenführer Bietigheim zu Gast. Hoffentlich wieder mit der üblichen Nagolder Zuschauerkulisse. Denn die war in Leonberg mit nur rund 60 Gästen doch etwas enttäuschend. Im Hinspiel in Nagold waren 250 Fans in der Halle. Dieser Vergleich geht also klar an den Aufsteiger aus Nagold.
SV Leonberg/Eltingen – VfL Nagold 30:18 (18:7)
VfL Nagold: Julia Völpel und Denisa Ciornei im Tor, Luisa Eipper (6), Sophie Reime (3), Aileen Hofmann (3), Sarah Kunz (2), Alisa Kübler (2), Tirza Theurer (1), Janina Koch (1), Alena Wolf, Lisa Weiß, Aline Rau und Marlen Dengler.