Für Otto Köhler (am Ball) stehen im Januar die Asienmeisterschaften an. Foto: Köhler

Otto Köhler ist im Nationalkader der australischen Handballmannschaft. Für den Sulzer kam die Nominierung unerwartet – nun steht das erste große Turnier bevor.

Im Juni erst war Otto Köhler nach Australien gezogen, wo er Luftfahrtmanagement studiert. Gleichzeitig war dem leidenschaftlichen Handballer, der zuvor für die HSG Neckartal aktiv war, klar, dass er schnell wieder in einer Mannschaft spielen will. Nach einigen Monaten im Team der Queensland University ist der 20-Jährige nun für die Australische Nationalmannschaft nominiert und wird im Januar in Kuwait an den Asiatischen Meisterschaften teilnehmen.

 

Dass er überhaupt berücksichtigt werden konnte, lag daran, dass er in Sydney geboren wurde und eine australische Mutter hat. Somit hat er beide Nationalitäten. Ab seinem dritten Lebensjahr war Köhler allerdings in Sulz verwurzelt – besuchte hier Kindergarten, Grundschule und Gymnasium, war im Musikverein, spielte Fußball und Handball bei der HSG Neckartal. Nach seinem Abitur verbrachte er zwei Monate in Australien und kann sich vorstellen, auch nach dem Studium in „Down Under“ zu leben.

Neben den beruflichen Aussichten hat dies auch mit den neusten sportlichen Entwicklungen zu tun. Denn nachdem der 20-Jährige nun im Kader ist, träumt er von der größten Sportwettkampfveranstaltung überhaupt. „2032 sind in Brisbane Olympische Spiele. Mit 27 Jahren wäre ich in einem top Alter als Handballer. Ich denke, wenn ich mich weiter entwickle, dann besteht eine Chance, dass ich dabei sein könnte.“

Heimaturlaub wartet

Ein „verrückter“ Gedanke für Köhler, der bis vor wenigen Wochen noch nicht einmal ernsthaft über die Nationalmannschaft nachgedacht hatte. Nun stehen für den Rückraumspieler aber zuallererst die Asiatischen Meisterschaften an. Nach seinem Heimaturlaub über Weihnachten und Silvester geht es mit dem Team nach Kuwait. Eine Woche Trainingslager steht dort an, bevor das Turnier Mitte Januar startet.

Für Köhler fühlt sich diese Vorstellung immer noch unwirklich an. Denn der 20-Jährige hatte erst am 30. November erfahren, dass er bei den Asiatischen Meisterschaften dabei ist. Zuvor war er zweimal bei einem Camp des Nationalteams dabei. Im November hatte er mit der Mannschaft der Queensland University die Nationen Meisterschaften gewonnen. „Dort habe ich dann erfahren, dass mein Name im Bezug auf die Kaderauswahl gefallen sei“, erzählt der 20-Jährige. Danach hieß es: abwarten. Kurz darauf war verkündet worden, dass er wirklich im Team ist. Zuletzt war der Student nun bei seinem dritten Camp in der australischen Hauptstadt Canberra. „Ich kann es irgendwie selbst noch nicht richtig glauben“, lacht der Sulzer.

Nicht vergleichbar

Dass es wirklich soweit kommen würde, darüber hatte der Student vor seiner Abreise aus Deutschland mit seinen Handball-Kumpels der HSG noch Witze gemacht. Dort hatte Köhler Bezirksoberliga und Kreisliga gespielt. „Handball in Australien ist nicht mit dem Handball in Deutschland oder Europa vergleichbar“, erklärt der 20-Jährige, dass es alles andere als ein Nationalsport ist. „Was glaub ihr, warum ich es in die Nationalmannschaft geschafft habe?“, sagt Köhler schmunzelnd.

Für das Turnier im Januar ist der Sulzer einfach nur glücklich, dabei zu sein. „Dort gibt es Spieler, die sicher viel länger auf dem Radar der Coaches waren und jetzt kommt da irgendeiner aus Deutschland und schafft es direkt ins Team. Deshalb bin ich auch erstmal einfach nur froh über jede Minute Spielzeit, die ich vielleicht bekommen werde. Egal bei welchem Spielstand ich aufs Feld komme“, blickt er voraus.

Erstes Duell gegen eins der besten Teams

Härtester Gegner wird sicherlich Japan sein. Auf das Team trifft Australien auch direkt im ersten Spiel. Neben den Japanern gehört Katar zum Favoritenkreis. Diese hatten die letzten Asienmeisterschaften gewonnen. Das Turnier dient auch als Qualifikation für die kommende Weltmeisterschaft, die 2027 in Deutschland ausgetragen wird. Ob Australien hier aber dabei sind wird, ist sehr unwahrscheinlich. 2015 hatte sich Australien zuletzt für eine WM qualifiziert. Allerdings wurde dem Team der Platz wieder entzogen und ausgerechnet an Deutschland übergeben. Eine Teilnahme für das Team aus „Down Under“ wäre nur möglich, wenn Köhler und Co unter die ersten vier Mannschaften bei den Asienmeisterschaften kommen würden.