Mit unbändigem Willen: Niklas Holzäpfel (beim Wurf) und seine TSV-Teamkollegen Foto: Erwin Wasserbauer

Vom Rückstand zum Rausch: Handball-Oberligist TSV Altensteig hat sich mit einem Glanzauftritt gegen die SG H2Ku Herrenberg wichtige Punkte gesichert.

Zwischen Zweifel und Ekstase liegen im Sport manchmal nur zwei Halbzeiten. Der TSV Altensteig brilliert im Derby gegen die SG H2Ku Herrenberg mit einem verdienten 32:28-Heimsieg (13:14).

 

Zusammenhalt, Widerstand und der feste Wille, dieses Spiel nicht aus der Hand zu geben, trugen die Mannschaft durch einen Abend, der alles verlangte – und erst spät die Richtung wechselte.

Altensteig antwortet sofort

Herrenberg erwischte den besseren Start, doch Altensteig antwortete sofort. Tim Schweizer setzte früh Akzente (2:2, 4.), Tomislav Sudaric legte entschlossen nach und brachte den TSV kurzzeitig in Führung (3:2, 5.). Das Derby nahm sofort Tempo auf. Herrenberg konterte mit einem Lauf und zwang Altensteig wieder ins Hinterherarbeiten (4:7, 12.).

In der 13. Minute folgte der erste Einschnitt: Sudaric sah nach einem harten Zweikampf die Rote Karte. Ein Raunen ging durch die Halle. Doch statt einzubrechen, rückte Altensteig enger zusammen. Herrenberg blieb zwar knapp vorne, doch Altensteig ließ sich nicht einschüchtern.

Hannes Wagner übernahm Verantwortung, Paul Wagner hielt das Angriffsspiel stabil. Jeder Ball war umkämpft, jeder Meter erarbeitet.

Sekunden vor der Pause setzte Niklas Holzäpfel mit einem spektakulären Treffer den emotionalen Schlusspunkt der ersten Hälfte (13:14, 30.). Ein Tor wie ein Versprechen: Hier ist noch alles drin. Dieses Spiel ist noch lange nicht entschieden.

Schneller, wilder, intensiver

Nach dem Seitenwechsel wurde das Derby schneller, wilder, intensiver. Herrenberg hielt die Führung – musste sich dafür aber jeden Abschluss hart erarbeiten. Altensteig dagegen spielte mit offenem Visier und setzte mutig auf das Sieben-gegen-Sechs. Der Ausgleich durch Schweizer zum 20:20 (42.) wirkte wie ein Zündfunke. Von da an kippte die Dynamik.

Lob vom Gegner

Der TSV erhöhte den Druck und drehte innerhalb weniger Minuten die Partie. „Wir haben in der zweiten Halbzeit kaum Mittel gegen ihr Sieben-gegen-Sechs gefunden“, gab Gästeakteur Paul Lewe nach dem Spiel zu. „Altensteig hat das stark gespielt. Wir haben ihr Tempo nicht mehr kontrollieren können.“

Andy Dannenberg setzte mit zwei Treffern in Folge ein Ausrufezeichen (24:22, 48.). Jonathan Eckhard, Paul Wagner und Gabor Karap hielten den Vorsprung in der Schlussphase stabil (27:24, 54.). Hinten wuchs Felix „Teddy“ Bormann über sich hinaus. Parade um Parade gab der Mannschaft Sicherheit. Altensteig spielte als geschlossene Einheit – ruhig, wach und entschlossen.

Die Eichwaldhalle stand längst. Jeder Ballgewinn wurde gefeiert, jede Parade getragen, jedes Tor nach vorne geschoben. Mannschaft und Publikum verschmolzen zu einer Einheit, die dieses Spiel gemeinsam über die Ziellinie drückte.

Das sagt Coach Alex Hils

Herrenberg kam nicht mehr heran. In der Crunch-Time erhöhte der TSV mit kühler Konsequenz. Die letzten Minuten gehörten der Emotion. Mit dem 32:28 fiel die Entscheidung – und mit ihr die Anspannung eines Derbys, das bis zuletzt Kraft kostete.

TSV-Trainer Alex Hils sah vor allem den Charakter seiner Mannschaft: „Die Jungs haben heute gezeigt, was in ihnen steckt. Wir bleiben zusammen, auch wenn es schwierig wird – und genau so gewinnt man solche Spiele. Ich bin stolz auf die Art, wie wir das gelöst haben.“

Am Ende bleibt ein Sieg, der größer wirkt als zwei Punkte. Altensteig hat sich diesen Abend erkämpft – mit echtem Derbyherz.