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Handball Lena Degenhardt muss in Zwangsurlaub

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Gerne hätte Lena Degenhardt nach überstandener Verletzung mit den "TuSSIES" aus Metzingen weiter in der Handball-Bundesliga gespielt – doch die Saison wurde abgebrochen. Foto: Eibner

Aus. Schluss. Vorbei. Dies sind nicht etwa die Worte eines abmoderierenden Fußballkommentators. Dies sind immer öfters die Worte von Offiziellen diverser Sportligen, die zunehmend den Spielbetrieb ihrer Sportart nicht mehr nur aussetzen, sondern ganz abbrechen.

So auch geschehen am Mittwoch vergangener Woche, als die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) endgültige die Reißleine zogen und die Saison 2019/2020 für die Mannschaften der ersten und zweiten Bundesliga für beendet erklärten.

Mittendrin ist die Albstädterin Lena Degenhardt, die seit dieser Saison im Diensten des TuS Metzingen in der Handball-Bundesliga am Ball ist.

"Die Situation fühlt sich komisch an. Ich komme gerade aus einer Verletzung. Da ist es schade, dass ich jetzt nicht mehr spielen kann. Dennoch finde ich, dass die HBF richtig reagiert hat", verrät Degenhardt, deren Alltag sich nun abrupt verändert.

Normalerweise würde die 20-jährige ein- bis zweimal täglich zum Training gehen, stattdessen hält sie sich nun im heimischen Straßberg auf der schwäbischen Alb fit. "Ob joggen oder radeln, Hauptsache Bewegung. Und eine Langhantel habe ich auch daheim", so Degenhardt. Wie lange das nun so bleibt? "Wir werden vier bis fünf Wochen aussetzen, dann wird uns der Verein informieren, wann und wie es weitergeht".

Nicht nur für Lena Degenhardt kommt die Zwangspause ungelegen; auch ihr Team hätte gerne den guten Lauf fortgesetzt. Mit Platz drei läuft es rund. Erst Ende Februar gelang es, den ungeschlagenen Tabellenführer Borussia Dortmund vor heimischer Kulisse mit 28:24 zu bezwingen. Eine Woche später gewannen die "TuSSIES" im Derby gegen Frisch Auf Göppingen. Erfreulich für Degenhardt: Nach dreieinhalbmonatiger Verletzungspause aufgrund anhaltender Probleme mit der Patellasehne stand sie wieder im Kader. "Obwohl es noch nicht für Spielminuten gereicht hat, war ich froh, zurück zu sein. Und jetzt ist alles vorbei", ärgert sich die Rückraumspielerin.

Den Ursprung ihrer Karriere verbindet die Handballerin mit der HSG Albstadt. Dort verbrachte sie ihre sportliche Handball-Jugend und stellte sich früh neuen Herausforderungen: So kam der Wechsel zum VfL Pfullingen bereits mit 16 Jahren. Es folgten Stationen in Herrenberg (2. Liga) und Nellingen (1. Bundesliga). Dabei folgte jeweils ein Karriereschritt nach dem anderen: "Ich hatte schon früh Anfragen von Bundesligaclubs, aber ich wollte zu Vereinen, in denen ich mich als Führungsspielerin entwickeln und viel Spielzeit bekommen konnte. Die Ligazugehörigkeit war damals noch zweitrangig".

Parallel zum stressigen Trainingsalltag absolvierte Degenhardt 2017 ihr Abitur am Ebinger Gymnasium. Durch die vielen Übungseinheiten fiel es ihr manchmal schwer, sich auf den Lernstoff zu konzentrieren: "Ich war nicht die beste Schülerin, habe aber alles trotzdem gut hingekriegt", bilanziert die Straßbergerin.

Beschwerlich war auch ihr täglicher Weg zum Training. Nach der Schule tuckerte die Sportlerin täglich mit der Bahn zum Training. Bis zu ihrem Ziel nach Herrenberg musste sie zwei- bis dreimal umsteigen. "Das war schon eine stressige Zeit, zumal wir spät am Abend trainierten". Da die Rückreise nach dem Training mit der Bahn zu später Stunde nicht mehr möglich war, wurde sie von ihrer Mutter abgeholt. "Bis wir dann zu Hause waren, war es meist kurz vor Mitternacht. Für diesen Einsatz meiner Eltern bin ich sehr dankbar. Anders wäre das in dieser Zeit nicht gegangen", so Degenhardt. Doch die Strapazen haben sich gelohnt: 2017 wechselte Degenhardt zum TV Nellingen und erfüllte damit ihren Traum von der Bundesliga. Dort ballerte sie sich prompt in ihrer zweiten Saison mit 120 Toren auf Platz zehn der Torschützenliste. So war es nur logisch, den nächsten Karriereschritt vorzunehmen. Die Albstädterin unterschrieb beim TuS Metzingen einen Zweijahresvertrag.

Seit dem Wechsel hat sich vieles verändert. Handball steht mehr denn je im Fokus ihres Lebens. Neun Trainingseinheiten pro Woche, dazu kommen weite Fahrten. "An die Trainingsumfänge und Intensitäten musste ich mich erst gewöhnen." Trotz der Umstellung findet sie sich gut zurecht, wohnt mit Mitspielerinnen in einer WG in Metzingen. "Das Zusammenleben klappt gut. Wir unterstützen uns gegenseitig beim Kochen und Putzen", erzählt die 20-jährige.

Ebenfalls gut läuft es beim Thema Nationalmannschaft: Erst im November des vergangenen Jahres gab der Handball-Verband bekannt, dass Degenhardt neben sieben weiteren Spielerinnen zum elitären Talentpool des deutschen Frauen-Handball zählt. Selbstbewusst formuliert sie: "Ich möchte eines Tages in der A-Nationalmannschaft spielen und bei einer WM oder EM dabei sein, das zählt für mich."

Für Deutschland durfte sie bereits in der Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft Länderspielluft schnuppern. So nahm Degenhardt 2016 an der U18-Weltmeisterschaft teil, ein Jahr darauf folgte die Teilnahme bei der U19-Europameisterschaft in Slowenien. Zuletzt war die Straßbergerin in Ungarn für den DHB am Ball, wo sie mit dem Adler auf der Brust 13. wurde.

Schließlich folgte sogar die Nominierung zum Regionallehrgang der A-Nationalmannschaft. Der DHB versammelte im Januar 2019 die besten deutschen Spielerinnen an verschiedenen Orten, um mehr Trainingstage im Kreis des Nationalteams zu generieren und gleichzeitig Reisestrapazen zu vermeiden. So war Degenhardt plötzlich mittendrin: "Das war eine spannende Erfahrung. Ich konnte mir von meinen Vorbildern viel abschauen und lernen", resümiert die Handballerin.

Neben den sportlichen Zielen will die bodenständige Athletin aber auch ihre berufliche Zukunft vorantreiben. "Im Herbst ist der Beginn einer Berufsausbildung beim Sponsor des TuS geplant. Ich habe da bereits ein Praktikum gemacht. Das hat mir gefallen". rund 20 Stunden soll sie dann wöchentlich arbeiten, um noch genügend Zeit für das Training zu haben. "Falls überhaupt irgendwann mal wieder Training stattfindet", witzelt Degenhardt. Schließlich kann ein bisschen Humor in der aktuellen Situation nicht schaden.

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