Voller Einsatz: Lena Degenhardt im Trikot der Frauen-Nationalmannschaft des Deutscher Handballbund in der EM-Qualifikation gegen Belgien. Foto: IMAGO/HMB-Media

Die Handballerin Lena Degenhardt im Interview: „Es ist eine große Ehre, dieses Trikot zu tragen.“ Die Nationspielerin hat sich bei den „Flames“ etabliert.

Lena Degenhardt aus Albstadt hat sich bei den HSG Bensheim/Auerbach Flames als feste Größe im Rückraum etabliert. Nach einer bislang starken Bundesliga-Saison wurde die 26-Jährige von Bundestrainer Markus Gaugisch für die EM-Qualifikationsspiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft nachnominiert.

 

Im Interview spricht sie über ihre Rückkehr ins DHB-Team, die erfolgreiche EM-Qualifikation, ihre Entwicklung als Spielerin sowie ihre sportlichen Ziele und ihre Verbundenheit zur Heimat.

Lena Degenhardt, gebürtig aus Albstadt, hat sich in der 1. Bundesliga bei den HSG Bensheim/Auerbach Flames etabliert und gehört dort zu den festen Größen im Rückraum.

Markus Gaugisch überzeugt

Mit einer bislang starken Saison überzeugte sie und wurde deshalb von Bundestrainer Markus Gaugisch für die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele der Frauen-Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes nachnominiert. Im März feierte sie mit den Flames beim DHB-Pokal Final Four in Stuttgart den dritten Platz.

In der vergangenen Woche stand die 26-Jährige deshalb erneut im Kader des DHB-Teams. Ihr Länderspieldebüt feierte Degenhardt im April 2021 in den WM-Play-offs gegen Portugal. Zuletzt lief sie im März 2023 für den DHB auf und kommt bislang auf 19 Länderspiele und 14 Tore im Nationaltrikot.

Starke Form

Die deutschen Handballerinnen präsentierten sich dabei in starker Form: Mit einem souveränen 35:27 in Nordmazedonien und einem deutlichen 45:25-Erfolg gegen Belgien in Hamm machte das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch die EM-Qualifikation perfekt.

Doppelfunktion von Markus Gaugisch

Der 51-Jährige wird beim HBW Balingen-Weilstetten künftig zudem als Individualcoach arbeiten und Perspektivspieler aus Nachwuchs- und Profibereich individuell betreuen. Es war der sechste Sieg im sechsten Spiel, die Teilnahme an der Endrunde in Polen, Rumänien, Tschechien, der Slowakei und der Türkei (3. bis 20. Dezember) stand bereits zuvor fest. Auch Degenhardt konnte zufrieden auf die Länderspiele zurückblicken: In beiden Partien erhielt sie jeweils rund 20 Minuten Einsatzzeit und erzielte drei Treffer.

Der alten Heimat verbunden

Im Interview spricht die gelernte Industriekauffrau über ihre Rückkehr in die Nationalmannschaft, die aktuellen Länderspiele, ihre sportliche Entwicklung nach Stationen in Metzingen, Dortmund, Ludwigsburg und Bensheim, ihre sportliche Zukunft – sowie über ihre Verbundenheit zur alten Heimat.

Wie haben Sie Ihre Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft nach drei Jahren erlebt?

Lena Degenhardt: Ich habe ehrlich gesagt nicht mit einer Einladung gerechnet, habe mich über die Nachnominierung dann aber umso mehr gefreut und wollte die Chance unbedingt nutzen.

Was hat dieser Moment für Sie persönlich bedeutet?

Ja, es ist natürlich immer eine große Ehre, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden. Für mich ist es das Größte, dieses Trikot tragen zu dürfen. Gleichzeitig ist es auch eine Belohnung für die Leistungen, die man im Verein zeigt.

Wie haben Sie die EM-Qualifikationsspiele wahrgenommen – und wie zufrieden waren Sie mit Ihrer eigenen Leistung?

In Nordmazedonien war es eine große Halle, aber mit wenig Zuschauern. Das Heimspiel in Hamm gegen Belgien war dagegen schon etwas ganz anderes: eine ausverkaufte Halle, man steigt aus dem Bus aus und wird direkt von vielen Menschen empfangen, die jubeln, Autogramme und Fotos wollen. Auch die Stimmung in der Halle war richtig gut. Es hat einfach Spaß gemacht, dort zu spielen. Diese Aufmerksamkeit war schon beeindruckend. Insgesamt kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Gerade das erste Spiel am Mittwoch war eine besondere Situation, da ich im Vorfeld nur zwei Trainingseinheiten hatte. Man muss sich dann schnell auf neue Spielzüge und eine neue Abwehrtaktik einstellen, das ist viel Kopfarbeit und erfordert volle Konzentration. Insgesamt habe ich die Vorgaben, denke ich, gut umgesetzt.

Wie ordnen Sie die perfekte EM-Qualifikation mit sechs Siegen aus sechs Spielen ein?

Es war auch der Anspruch, die letzten beiden Spiele trotz bereits gesicherter Qualifikation noch zu gewinnen. Es ist einfach wichtig, mit einem guten Gefühl aus so einer Phase herauszugehen.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Bundestrainer Markus Gaugisch im DHB-Team?

Natürlich ist die Zusammenarbeit sehr gut. Man bekommt direkt fachliches Feedback und weiß genau, woran man arbeiten kann. Ich war schon einmal ganz am Anfang bei einem Lehrgang beim Bundestrainer dabei. Wir kennen uns auch von dem ein oder anderen Bundesliga-Spiel, das er besucht hat.

Wie hat sich Ihr Spiel in den vergangenen Jahren entwickelt?

Ich würde sagen, mit den Jahren wird man logischerweise erfahrener. Mein Spielstil ist nach wie vor sehr körperlich, das war schon immer so und ist auch geblieben. Vielleicht bin ich im Laufe der Zeit etwas cleverer im Spiel geworden und treffe bessere Entscheidungen, aber grundsätzlich ist mein Stil ähnlich geblieben.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Zukunft gesetzt?

Ich lege meinen Fokus jetzt voll auf den Verein und die Liga und möchte dort meine bestmögliche Leistung abrufen. Mit den Playoffs steht uns ein hartes Halbfinale gegen Dortmund bevor, das werden zwei, vielleicht sogar drei intensive Spiele. Unser Ziel ist natürlich der Einzug ins Finale, auch wenn wir wissen, dass es schwer wird und Dortmund der Favorit ist. Trotzdem wollen wir alles reinhauen und wissen auch, dass wir grundsätzlich in der Lage sind, sie zu schlagen.

Besonderes Spiel gegen den Ex-Verein?

Dadurch, dass wir in dieser Saison bereits dreimal gegen Dortmund gespielt haben, hat sich das ein Stück weit relativiert. Natürlich ist es immer noch ein besonderes Gefühl, in dieser Halle zu spielen, aber das erste Mal war sicher das emotionalste und komischste. Inzwischen ist es eher ein normales Auswärtsspiel geworden. Persönlich versuche ich das Thema EM erstmal auszublenden und den Fokus komplett auf die Playoffs zu legen.

Welche Rolle spielen Ihre Eltern auf Ihrem Weg als Profi?

Ohne meine Eltern wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich heute stehe. Sie haben mich von Anfang an immer unterstützt,auch mit den vielen Fahrten und dem ganzen Aufwand, der damit verbunden war. Sie stehen nach wie vor voll hinter mir und spielen für meinen Weg eine sehr wichtige Rolle.

Wenn Sie einmal frei haben: Wie schwäbisch ist Ihr Alltag noch, oder sind Sie schon komplett im Hessen-Modus angekommen?

Ich bin ja schon seit vielen Jahren nicht mehr in der Heimat und spiele mittlerweile im Ausland des Schwabenlands. Ich habe mich also gut angepasst, aber Spätzle esse ich natürlich immer noch gern.

Vermissen Sie Albstadt noch – und was verbindet Sie heute noch am meisten mit Ihrer Heimat?

Auf jeden Fall meine Familie. Allerdings bin ich inzwischen gar nicht mehr so oft zu Hause, weil die Strecke ja auch zweieinhalb bis drei Stunden beträgt und durch Training und Spiele der Zeitplan eng ist. Da lohnt sich eine Fahrt manchmal auch nicht für nur einen Tag. Aber an erster Stelle steht für mich definitiv meine Familie.

Zum Schluss: Was treibt Sie jeden Tag aufs Neue an?

Auch wenn nicht jede Trainingseinheit immer gleich viel Spaß macht, sind es am Ende genau die Highlights im Jahr, Spiele wie im Pokal oder besondere Partien, für die man Handball spielt. Das motiviert einen, immer das Beste zu geben. Natürlich gibt es auch mal Phasen oder Wochen, die schwierig sind, aber grundsätzlich macht es mir einfach Spaß. Viele meiner Freundinnen sind auch im Team, und genau dieses gemeinsame Arbeiten und tägliche Miteinander macht es für mich besonders.