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Handball Keeper sollen im Tor bleiben

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Andreas Wolf, deutscher Nationaltorwart, schaut dem Ball nach. Leere Tore im Handball könnten bald Geschichte sein. Foto: Michael

An das Bild von leeren Handball-Toren haben sich die Zuschauer mittlerweile gewöhnt. Vielen internationalen Spitzentrainern ist die taktische Variante, den Torwart aus dem Spiel zu nehmen, jedoch ein Dorn im Auge.

Schon die Einführung der Sieben-gegen-Sechs-Regel vor Olympia 2016 wurde von großer Skepsis im Welt-Handball begleitet. Vier Jahre danach regt sich offener Widerstand gegen das taktische Mittel, den Torwart jederzeit durch einen Feldspieler ersetzen zu können. In einer Umfrage des Magazins "Handballwoche" unter 38 internationalen Top-Trainern im Männer- und Frauenbereich votierte die große Mehrheit für die Abschaffung der Regel.

Zu den scharfen Kritikern gehören die Bundestrainer Alfred Gislason (Männer) und Henk Groener (Frauen). "Ich glaube nicht, dass der Handball attraktiver wurde. Im Gegenteil! Die Regel macht das Spiel viel langsamer", sagte Gislason.

Der 60 Jahre alte Isländer muss es wissen, steht er doch seit mehr als 20 Jahren an der Seitenlinie. "Trainer verlieren besonders in der Abwehr ihre taktischen Varianten", meinte Gislason, "und wenn sich nichts ändert, wird sich in zehn Jahren niemand mehr daran erinnern, wie Handball eigentlich gespielt wurde, nämlich Sechs gegen Sechs mit vielen unterschiedlichen Varianten in Abwehr und Angriff."

Durch die Möglichkeit, den Torwart bei Ballbesitz aus dem Spiel zu nehmen und dafür einen Feldspieler zu bringen, werden vor allem abwehrstarke Teams wie Deutschland benachteiligt. Zwei-Minuten-Zeitstrafen bedeuten für die angreifende Mannschaft kaum noch einen Nachteil, weil sie die Unterzahl ausgleichen kann. Zudem haben einige Teams wie der EM-Sechste Portugal das Sieben-gegen-Sechs-Spiel mittlerweile perfektioniert und agieren im Angriff fast das gesamte Spiel über in Überzahl.

Wie Gislason macht sich auch Groener dafür stark, die Uhr im Handball-Regelwerk zurückzudrehen. "Je schneller man diese Regel abschafft, desto besser ist es!", sagte Groener. "Die Räume wurden enger, das Spiel wurde langsamer. Und: Die Treffer ins leere Tor sind sehr unattraktiv für die Fans."

Der 59 Jahre alte Handball-Fachmann sieht einen weiteren negativen Aspekt. "Noch gravierender sind die vielen Verletzungen von Torhütern, denn die sind bei der Rückkehr auf das Feld nur auf den Ball fixiert und versuchen mit allen Mitteln, ein Tor zu verhindern", mahnte er.

Zu den Unterstützern der Initiative gehören auch die Bundesligatrainer Filip Jicha vom Rekord-Champion THW Kiel und Maik Machulla vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt. Für eine Beibehaltung der Regel sprachen sich unter anderen Dänemarks Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen und Kroatiens Coach Lino Cervar aus.

Beim Weltverband IHF stößt der Protest offenbar auf offene Ohren. "Wir werden uns die Argumente sehr intensiv anschauen", sagte der Vorsitzende der IHF-Trainer- und Methoden-Kommission, Dietrich Späte. Für Groener steht fest: "Wenn alle Mannschaften Sieben gegen Sechs spielen, werden weniger Zuschauer zum Handball kommen, weil andere Sportarten für sie dann attraktiver sind."

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