Die HSG Rottweil (Nico Singer) musste sich in Waiblingen geschlagen geben. Foto: Bernd Müller

Nach einer 11:7-Pausenführung kam die HSG Rottweil in der turbulenten zweiten Halbzeit mit zahlreichen Zeitstrafen, einer langen Spielunterbrechung und schwindenden Kräften aus dem Konzept. Selbst eine dreifach Überzahl konnte man nicht nutzen.

VfL Waiblingen II – HSG Rottweil 26:21 (7:11). Doch eine turbulente zweite Halbzeit mit zahlreichen Zeitstrafen, einer langen Spielunterbrechung und schwindenden Kräften brachte die Gäste aus dem Konzept.

 

Trotz der angespannten Personalsituation – Rottweil reiste nur mit 12 Spielern an – fanden die Gäste gut ins Spiel. Nach dem 0:1-Rückstand durch einen Siebenmeter von Waiblingen drehte die HSG die Partie mit zwei schnellen Toren von Manuel Franzmann und Kajetan Beyer zum 2:1. In den folgenden Minuten entwickelte sich ein zähes Ringen, in dem Rottweil sich defensiv stabil präsentierte. Beim Stand von 4:6 (16. Minute) nahm Waiblingen eine Auszeit, konnte den Spielfluss der HSG aber nicht stoppen.

Nur sieben Gegentore zugelassen

Gabriel Schweizer und Tim Weber bauten die HSG-Führung weiter aus. Bis zur Halbzeitpause blieb der Gast das dominierende Team, ließ nur sieben Gegentore zu und ging mit einer verdienten 11:7-Führung in die Kabine. „Die erste Halbzeit war optimal. Unsere Abwehr hat super gearbeitet, und genau das wollten wir so umsetzen“, lobte HSG-Trainer Michael Huber sein Team.

Nach dem Seitenwechsel erwischte Rottweil zunächst den besseren Start. Zwar musste die HSG verletzungsbedingt auf Tim Singer verzichten, jedoch erhöhte Nico Singer auf 12:7 auf fünf Tore Vorsprung.

HSG Rottweil kann dreifache Überzahl nicht nutzen

Dann kam es zur vielleicht spielentscheidenden Szene: Waiblingen kassierte innerhalb weniger Sekunden drei Zeitstrafen, und der Trainer der Gastgeber sah nach zwei persönlichen Strafen die „Blaue Karte“. Plötzlich standen nur noch drei Waiblinger Feldspieler auf der Platte – eine Überzahlsituation, die Rottweil für die vermeintliche Vorentscheidung hätte nutzen müssen.

Gast verliert den Faden

Doch stattdessen verlor die HSG völlig den Faden. Zu allem Überfluss kam es zu einer weiteren kuriosen Situation: Aufgrund fehlender Ordner zogen sich die Schiedsrichter für etwa zehn Minuten in die Kabine zurück und drohten mit einem Spielabbruch. Eine Unterbrechung, die vor allem die HSG Rottweil aus dem Rhythmus brachte. „Das war eine extrem seltsame Situation. Wir waren ohnehin schon aus dem Tritt, und dann kam diese lange Pause, in der wir völlig den Fokus verloren haben“, erklärte Huber.

VfL findet besser ins Spiel

In den folgenden Minuten fand Waiblingen besser ins Spiel. Ein 3:0-Lauf der Gastgeber brachte sie beim 12:10 (37.) wieder in Schlagdistanz. Spätestens als Waiblingen in der 39. Minute erstmals zum 13:13 ausgleichen konnte, wurde deutlich, dass sich das Spiel zu drehen begann. „Eigentlich hätte das der perfekte Moment sein müssen, um das Spiel endgültig zu entscheiden. Aber anstatt die Überzahl zu nutzen, haben wir uns total verunsichern lassen“, so Huber.

Gastgeber nutzen Unsicherheit der HSG

Der VfL Waiblingen II zeigte sich entschlossener und nutzte Rottweils Unsicherheiten gnadenlos aus. Innerhalb weniger Minuten drehten die Hausherren das Spiel und bauten ihre Führung bis zur 50. Minute auf 19:14 aus. Die HSG-Männer hatten in dieser Phase kaum noch Antworten, auch weil die Kräfte nachließen und die Wechselmöglichkeiten fehlten.

Die letzten fünf Minuten gehörten dann ganz den Gastgebern. Waiblingen setzte sich Tor um Tor ab, während Rottweil offensiv kaum noch Lösungen fand. Am Ende stand eine 21:26-Niederlage, die sich die HSG vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit selbst zuzuschreiben hatte. Trotz der Niederlage bleibt die HSG Rottweil Tabellenführer und hat die Meisterschaft weiter selbst in der Hand. „Die verlorenen Punkte sind hart, aber wir haben noch vier Spiele, davon drei Heimspiele. Jetzt gilt es, die Fehler zu analysieren und sicherzustellen, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert“, so Huber.

Wiedergutmachung angestrebt

Eine schnelle Gelegenheit zur Wiedergutmachung gibt es bereits am Samstag, wenn der TV Spaichingen in Rottweil zu Gast ist. Dann will die HSG nicht nur zurück in die Erfolgsspur, sondern auch beweisen, dass sie mit Drucksituationen besser umgehen kann. HSG Rottweil: Steffen Franz, Christoph Endres - Tim Singer, Patrick Müller (1), Nico Singer (4), Tim Weber (2), David Eglof (5), Gabriel Schweizer (2), Timo Hildebrand (5), Maximilian Lutz, Kajetan Beyer (1), Manuel Franzmann (1).