Die Handball-Trainer, -Funktionäre und -Spieler aus den Vereinen der Region trauen der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft so einiges zu
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft startet am Donnerstag gegen Österreich in die Europameisterschaft, die in Dänemark, Norwegen und Schweden ausgetragen wird.
Das Team von DHB-Bundestrainer Alfred Gislasson zählt nach den starken Auftritten in den Testspielen gegen Vize-Weltmeister Kroatien (32:29; 33:27) neben Top-Favorit Dänemark, Kroatien und Frankreich zu den Medaillenanwärtern. Doch wie ist die Einschätzung bei den Handball-Trainern, -spielern und -Funktionären der Vereine in der Region? Wir haben sie dazu befragt.
Junge Mannschaft, die über Qualität verfügt
„Ich glaube, der DHB-Auswahl ist bei der EM einiges zuzutrauen. Es ist eine sehr junge Mannschaft, die dennoch über Qualität verfügt. Viele der jungen Spieler haben regelmäßig Spielpraxis auf internationaler Ebene und sind in der Bundesliga Leistungsträger. Ich erwarte zudem eine stabilere Abwehr als in den Turnieren zuvor, mit vielen Spielern, die variabel auf vielen Positionen einsetzbar sind.Am Ende geht es aber immer über die Dänen, die neben dem Heimvorteil auch die beste Mannschaft der Welt haben und wohl nur an einem schlechten Tag zu besiegen sind. Ein Ergebnis unter den Top-4 ist mit Sicherheit ein Ziel der Mannschaft“, sagt Michael Huber, Trainer des Verbandsligisten HSG Rottweil.
„Aus meiner Sicht gehen die Erwartungen diesmal mit einer gesunden Mischung aus Optimismus und Realismus einher. Die Mannschaft hat in den vergangenen Turnieren gezeigt, dass sie sich weiterentwickelt hat – vor allem in Sachen Tempo, Variabilität im Angriff und defensive Stabilität.Wenn alles zusammenpasst – also kein Verletzunspech und die nötige Konsequenz in den entscheidenden Phasen – ist ein Einzug ins Halbfinale absolut realistisch. Gerade gegen die Topnationen wird entscheidend sein, wie konstant wir über 60 Minuten auftreten und ob es gelingt, einfache Fehler zu minimieren, denn Spiele auf diesem Niveau entscheiden sich oft an Kleinigkeiten. Wichtig ist, dass die Mannschaft mutig auftritt, an ihre Stärken glaubt und als Einheit agiert. Wenn das gelingt, kann die DHB-Auswahl jeden schlagen“, traut Martin Burkart, der Coach des südbadischen Bezirksoberligisten SG Hornberg/Lauterbach/Triberg dem DHB-Team so einiges zu.
Vorbereitungsspiele machen Hoffung
Gleiches gilt auch für Jochen Kilguß von der HB Kinzigtal, der sagt: „Die letzten Vorbereitungsspiele unserer Mannschaft machen Hoffnung. Das Team hat sich gesteigert, vor allem die Defensive war über weite Strecken sehr stabil. Auch in der Offensive scheint eine positive Entwicklung stattzufinden, man kann mehr rotieren, was im Laufe des Turniers sehr wichtig sein wird. Die sicherlich nicht leichte Vorrundengruppe sollte in der aktuellen Form zu meistern sein. Allerdings kann das Erreichen der Zwischenrunde nur das Minimalziel sein. Das eigentliche Ziel muss aber Halbfinale lauten! Toll wäre es, wenn sich das Team dann noch eine Medaille erspielen würde.“
Seine Frau Katrin Kilguß ergänzt: Als Fan begeistern mich gerade die Jungen im Team – Uscins, Späth, Lichtlein, Fischer, Grgic und Co. Das hat Zukunft und macht einfach Spaß!“
Auch bei der SG Dunningen/Schramberg ist die Vorfreude auf die EM und das deutsche Team groß. „Natürlich hofft man als begeisterter Handballer sehr darauf, dass die deutsche Mannschaft bei der Handball-Europameisterschaft weit kommt. Der Kader der deutschen Mannschaft lässt diese Hoffnung durchaus zu.
Hervorragende Stimmung innerhalb des Teams
„Auch das, was man aus den Medien hört, spricht für eine hervorragende Stimmung innerhalb des Teams, was einen selbst sehr positiv stimmt“, sagt Dominik Fix, der Trainer des Landesligateams, und fügt an: „Wenn es jedoch um Titel und Medaillen geht, kommt man realistisch betrachtet kaum an Dänemark vorbei. Diese Mannschaft spielt Handball auf einem unglaublichen Niveau: technisch nahezu perfekt, hervorragend ausgebildet, mit enormer Spielfreude und gespickt mit Weltstars.
Dennoch könnte es bei dieser Europameisterschaft die eine oder andere Überraschung geben, was das Turnier für Zuschauer und Handballfans umso spannender macht. Die Vorfreude ist auf jeden Fall groß, und vielleicht ist es ja tatsächlich möglich, wenn der gewisse „Vibe“ in der Mannschaft und im Umfeld entsteht, an einer Sensation zu schnuppern und den Erfolg von 2016 zu wiederholen.“
Auch Angelo Broghammer, der SG-Leiter und selbst Spieler, sieht den Auftritten des DHB-Teams optimistisch entgegen. „Der jungen und teils international noch unerfahrenen Mannschaft traue ich einiges zu. An einem guten Tag können wir auch die großen Mannschaften wie Dänemark und Frankreich ärgern.
Finaleinzug erscheint möglich
Aus der Gruppenphase kommen wir als Gruppensieger heraus. Ab dann wird es extrem schwer werden. Sollten wir aber doch in der Hauptrunde Frankreich oder Dänemark schlagen und gegen keinen der anderen Teams patzen, sehe ich den DHB-Kader sogar nicht nur im Halbfinale, sondern zugleich auch im Finale. Da die Hauptrunde aber nicht schwerer sein könnte ist von Platz fünf bis zum Titel alles möglich.“
Seine Funktionärskollegin Marina Häsler, Vorständin des TSV Dunningen und ebenfalls selbst Spielerin, sagt: „Ich freue mich auf eine spannende EM mit vielen engen Spielen und hoffe auf eine starke Platzierung der deutschen Mannschaft. Die überzeugenden Leistungen in den beiden Vorbereitungsspielen gegen Kroatien haben die Erwartungen weiter steigen lassen. Mit einem Weltklasse-Torhüter wie Andreas Wolff im Tor bin ich extrem gespannt auf die Spiele und traue den Jungs sogar den Europameistertitel zu.
EM als Anreiz für Kinder und Jugendliche
Außerdem hoffe ich, dass die EM den Handballsport bei Kindern und Jugendlichen noch sichtbarer macht und Lust darauf weckt, selbst ins Training zu kommen und Handball einfach mal auszuprobieren – oder bei den Kids, die bereits in unserem Verein aktiv sind, den Ehrgeiz und die Disziplin fördert, sich sportlich weiterzuentwickeln. Gerade im Alter zwischen 13 und 18 Jahren können wir immer gut Verstärkung gebrauchen.“