Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Handball Eine echte Frage der Ehre

Von
Jeder hat seine Aufgabe: Die Abteilungsleiter des 150-köpfigen Helferteams freuen sich schon auf den Altensteiger S-Cup. Foto: Geideck Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn heute Abend der Sparkassen-Cup des TSV Altensteig beginnt, dann ist das für das Helfer-Team um Reinhard Krebs fast wie Weihnachten. Für sie ist der Einsatz an der Theke, vor den Mannschaftskabinen und am Steuer keine wirkliche Last, sondern eine echte Frage der Ehre.

Das Nähkästchen ist riesig, aus dem Reinhard Krebs so plaudern kann. Unglaubliche Geschichte haben sich in den Jahrzehnten angesammelt, in denen der Altensteiger das renommierte Handball-Turnier hinter den Kulissen begleitet. Geschichten aus der Anfangszeit, als die Mannschaften noch im Jugenddorf in Mehrbettzimmern übernachtet haben und die Sause fest zum Programm gehörte. "Da war Halligalli", grinst Krebs. Heute sei das Auftreten der Mannschaften zwar wesentlich professioneller geworden, doch das Menschliche ist weiter ein wichtiger Bestandteil des S-Cups. Etwa im vergangenen Jahr, als sich Erlangens Keeper Nikolas Katsigiannis 20 Minutnen lang mit Krebs’ fünfjährigen Enkel unterhielt. "Der hat dafür sogar das Essen ausfallen lassen und meinem Enkel ein Trikot geschenkt", schwärmt Krebs.

Keine Frage: Der Altensteiger S-Cup ist ein ganz besonderes Handballturnier. Denn dass Jahr für Jahr Spitzenmannschaften gespickt mit lauter Nationalspielern in den Schwarzwald kommen, hat nicht in erster Linie mit Geld, sondern mit der besonderen Atmosphäre zu tun. "Wir zahlen hier ja nicht wer weiß die Antrittsgelder. Das können wir als kleiner Verein auch gar nicht", betont Krebs.

Ein kleines Unternehmen

150 Helfer sind beim S-Cup im Einsatz. Oft sind es ganze Familien. "Der Vater übernimmt eine Schicht, die Mutter macht einen Salat, der Sohn hilft beim Aufbau", erklärt Krebs. Es ist fast schon ein kleines Unternehmen, das er da führt. Vor drei Jahren wurde es auf breitere Beine gestellt und sozusagen Abteilungsleiter eingeführt. Manuela Behnke und Tanja Seeger leiten das Catering-Team, Elke Albrecht kümmert sich um die Kasse und die Verwaltung, den Aufbau managen Klaus Stoll und Andre Dannenberg. Maren und Britta Seifert – die Töchter von Turnier-Vater Dirk Seifert – übernehmen die sportliche Leitung, Julian Reihme, Duska Ceran, Sabrina Keppeler sorgen für die Werbung und Harry Hauser für den Internet-Auftritt. "Das ist einfach auch erforderlich", sagt Krebs, "zu zweit schafft man das nicht mehr."

Denn es sind echte Mammutaufgaben, die ab heute wieder drei Tage lang auf das 150-köpfige Helferteam zukommen. Allein 30 Liter Currywurst-Soße müssen angerührt werden – Rezept natürlich geheim. Jede Nacht werden die Trikots der teilnehmenden Mannschaften gewaschen. "Das ist ein kleiner Service, den wir anbieten", erklärt Krebs, "und das kann man gar nicht genug schätzen, denn das ist wirklich ein Nachteinsatz. Inzwischen haben wir schon Wäscher, die ihre Wunschmannschaften haben, von denen sie die Trikots waschen wollen."

Und natürlich muss auch mal ein Sonderwunsch erfüllt werden. "Wir hatten mal ein rumänisches Team dabei, die wollten unbedingt Fleisch ohne Salz und Pfeffer", erinnert sich Krebs, "da mussten wir erst mal schauen, wo wir das herbekommen."

Es gelang. Wie eigentlich immer. Denn beim S-Cup mitzuhelfen, ist für viele eine echte Frage der Ehre. "Uns macht das stolz, dass Altensteig so ein Turnier austrägt", sagt Elke Albrecht. Es gibt sogar einen Engländer, der einst als HBW-Balingen-Fan zum S-Cup kam und dem das Turnier so gut gefiel, dass er jedes Jahr nur zum Helfen anreist. Er ist dafür zuständig, dass die Mannschaften immer genug und das richtige Trinkwasser haben. "Unser Wasser-Sommeiller", lacht Krebs.

Guter Ruf

Die Rührseligkeit hinter den Kulissen hinterlässt Spuren. Wenn der S-Cup etwa auf einen 1. August fällt – der Schweizer Nationalfeiertag – und eine Mannschaft aus der Eidgenossenschaft teilnimmt, bekommen die Spieler von Krebs nach Schweizer Tradition ein paar Packungen Feuerwerk in die Hand gedrückt. Wichtige Details, die das Turnier so beliebt machen. Auch die HSG Wetzlar entschied sich, in diesem Jahr erneut nach Altensteig zu kommen anstatt zu einem Turnier in Hessen zu fahren. "Denen gefällt es bei uns", freut sich Krebs.

Auch den FC Porto lockte der gute Ruf des S-Cups in den Schwarzwald. Sein Trainer Magnus Andersson erinnerte sich noch aus seiner Zeit in Deutschland an Altensteig. Er verbindet das Turnier mit einem Traininglager. Und natürlich: Wenn die ersten hochkarätigen Teams zugesagt haben, fällt es dem TSV Altensteig leichter, weitere zur Teilnahme zu motivieren. Besonders froh ist Krebs daher, mit dem HBW Balingen und dem TVB Stuttgart zwei hochklassige Stammgäste zu haben: "Das sind unsere Zugpferde."

Unter Dauerstrom

Auf den Sport können sich allerdings nur die Zuschauer konzentrieren. Krebs und sein Team stehen hingegen drei Tage lang unter Dauerstrom. "Manchmal sehen wir das Endspiel, aber sonst bekommen wir von den Spielen nicht viel mit. Man hat ja keine Ruhe", meint Tanja Seeger.

Während der S-Cup am heutigen Freitag erst um 18.30 Uhr mit dem Spiel zwischen Frisch Auf Göppingen und dem TSV Altensteig beginnt, stehen die Helfer schon um 12 Uhr auf der Matte. Es beginnt dann die erste Zwölf-Stunden-Schicht. "Das letzte Essen geht eine halbe Stunde vor Mitternacht raus", weiß Manuel Behnke. 500 Essen werden an den drei Tagen allein für die Mannschaften zubereitet. "Viele gehen nur zum schlafen nach Hause und sind am nächsten Morgen schon wieder im Einsatz", verdeutlicht Krebs.

Stolz sind die Abteilungsleiter auf ihren Nachwuchs. Vor allem aus der A- und B-Jugend des TSV Altensteig packen viele Spieler mit an. Ihnen will Krebs mit seinem Team die Leidenschaft weitergeben, damit der S-Cup weiterlebt – denn das Turnier sei aus Sicht von Elke Albrecht gerade für den Nachwuchs wichtig: "Die Begegnungen mit den Handball-Profis vergessen die Kinder und Jugendlichen nicht. Die reden noch Jahre später davon."

Andekdoten erzählen

Erst am Montag können die Helfer wieder durchatmen. Dann treffen sie sich im Vereinsheim in der Jahnstraße zur Nachbesprechung und klären ab, was man im kommenden Jahr besser machen könnte. "Davon leben wir das nächste Mal", unterstreicht Tanja Seeger, die sich jetzt schon freut: "Am besten ist immer, wenn jeder seine Andekdoten erzählt, die er über das Wochenende so erlebt hat." Und somit wird das Nähkästchen, aus dem man über den S-Cup so gut plaudern kann, wohl schon am Montag wieder ein ganzes Stück größer sein.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.