Metzingens Trainerin Miriam Hirsch, Neckarsulms Zugang Antje Döll und die neue Frisch-Auf-Spielmacherin Haruno Sasaki (v.li.) stehen vor einer besonderen Saison. Foto: imago

Nach dem Aus der HB Ludwigsburg ist Handball-Württemberg nur noch mit TuS Metzingen, Frisch Auf Göppingen und Sport-Union Neckarsulm in der Frauen-Bundesliga vertreten. Ein Überblick.

Der Rückzug der HB Ludwigsburg hat zur Folge, dass die Handball-Bundesliga der Frauen mit nur elf Teams in die neue Saison startet. Der positive Aspekt: Es kommt mehr Spannung in den Kampf um Meisterschaft und DHB-Pokal. Einen sportlichen Direktabsteiger gibt es nicht, der Letzte der Playdowns spielt in der Relegation gegen den Zweitliga-Zweiten. Wie gehen die drei verbliebenen württembergischen Erstligisten mit der neuen Situation um?

 

TuS Metzingen „Es ist schon eine kleine Katastrophe, wenn das Aushängeschild wegfällt, und es zeigt, auf welch wackligen Füßen der Frauenhandball steht“, sagt Metzingens Geschäftsführer Ferenc Rott. Auf dem Spielfeld musste sein Team auch bereits einen Rückschlag hinnehmen: Im DHB-Pokal setzte es bei Zweitligist TG Nürtingen ein 35:37. Aus der Traum, den Cupsieg von 2024 zu wiederholen – und das schon in der ersten Runde.„Eine peinliche Niederlage, das kann nicht unser Anspruch sein“, ärgerte sich Rott.

Nun soll in der Liga alles besser werden. Los geht es mit zwei Auswärtsspielen bei Vizemeister Borussia Dortmund (Samstag, 19 Uhr) und beim Vorjahres-Dritten HSG Blomberg-Lippe (6. September, 17 Uhr). Erst am 13. September (19.30 Uhr) folgt gegen den BSV Sachsen Zwickau das erste Heimspiel. Die Paul-Horn-Arena ist am zweiten Spieltag belegt, deshalb musste das Heimrecht getauscht werden. Überhaupt die Spielstätte in Tübingen – dort tragen die TusSies nun alle ihre Heimspiele aus. Besser gesagt: Müssen sie. Da die Öschhalle (Fassungsvermögen 1050) bei den neu vereinbarten Hallenstandards weder das Kriterium Kapazität (mindestens 1500) noch das der zwei Längstribünen erfüllt.

1500 Zuschauer nötig

Um gut über die Runden zu kommen, benötigt Metzingen in Tübingen 1500 zahlende Besucher, so Rotts Kalkulation. Der Manager ist optimistisch: „Das Potenzial im Einzugsgebiet der Region Tübingen und im Zollern-Alb-Kreis ist da, wenn wir gute Unterhaltung bieten, schaffen wir das.“ 

 

Sport-Union Neckarsulm Auch Trainer Thomas Zeitz spricht vor dem Auftakt am Freitag (19.30 Uhr) gegen die HSG Bensheim-Auerbach „von einer Antiwerbung für den deutschen und württembergischen Handball, wie sie schlimmer nicht hätte sein können“. Dennoch versucht er, aus dem Ludwigsburger Fiasko das Beste zu machen. Mit der Verpflichtung von Nationalspielerin Antje Döll ist seinem Club das bereits gelungen. „Zeitz: „Antje gibt uns handballerisch und von der Persönlichkeit her enorm viel. Sie war zehn Tage bei uns und wurde gleich zur Vize-Kapitänin gewählt.“

Die bisherige Ludwigsburger Starspielerin Xenia Smits auch noch zu bekommen, war trotz ihrer Schwester Munia, die Spielführerin in Neckarsulm ist, für die Sport-Union nicht möglich. „Xenia will mit Metz die Champions League gewinnen, mal schauen, was in zwei, drei Jahren ist“, sagt Zeitz mit einem Schmunzeln.

Vierkampf um Titel

In der neuen Runde rechnet der 51-Jährige mit einem spannenden Titelrennen: „Es gibt keine Übermannschaft mehr. Deshalb wird es so offen sein wie selten in den vergangenen 15 Jahren.“ Dem BVB, dem Thüringer HC, Blomberg und Bensheim traut er die größten Meisterschaftschancen zu. Da es nun keinen Direktabsteiger gibt, glaubt er, dass die Kellerkinder befreiter aufspielen werden und es dadurch mehr Überraschungen geben wird.

Frisch Auf Göppingen Trainer Nico Kiener musste nach dem Ausfall des für Samstag geplanten Spiels gegen Ludwigsburg den Trainingsplan umstellen, los geht es nun erst am 6. September (18 Uhr) in Bensheim. Er trägt es allerdings mit Fassung: „Kontinuität gibt es bei unserem Spielplan ohnehin nicht.“ Dass mit der HBL auch ein „internationaler Pfeiler weggebrochen ist“ enttäuscht ihn, man müsse aber auch die gute Arbeit der anderen Vereine sehen, die Lust auf Leistungssport haben.

Zuschauerkrösus Frisch Auf

Frisch Auf gehört dazu. Kein anderer Bundesligist lockte im Vorjahr mehr Zuschauer an (2321 Zuschauer im Schnitt). Es wird seriös gewirtschaftet. Es gab Angebote an die Ludwigsburgerinnen Nicole Roth und Lena Degenhardt, sie zog es aber nach Blomberg und Bensheim. Prominentester Neuzugang ist daher die japanische Spielmacherin Haruno Sasaki (30), die aus Dortmund kam. Mit ihr soll die Play-off-Teilnahme erreicht werden – ein Ziel, das Frisch Auf mit seinen zwei verbliebenen württembergischen Nachbarn verbindet.

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