Markus Baur neben seiner Tochter Chiara bei einem Fußballspiel der Stuttgarter Kickers im Gazi-Stadion – seit Mittwoch ist der frühere Weltmeister wieder im Handball-Geschäft. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Frisch Auf Göppingen hofft an diesem Donnerstag nach 7:21 Punkten in der Bundesliga auf die Wende gegen den HSV Hamburg. Kann der neue Trainer Markus Baur schon Impulse setzen?

Es soll äußerst emotional zugegangen sein, als sich Hartmut Mayerhoffer am Mittwoch um die Mittagszeit auf der Geschäftsstelle von der Mannschaft von Frisch Auf Göppingen verabschiedete. Zuvor hatten die Verantwortlichen des Handball-Bundesligisten erst dem Trainer und dann den Spielern ihre Entscheidung mitgeteilt.

 

Dass es ihnen nicht leicht fiel, zeigt schon allein die Tatsache, dass der Daumen erst nach der erneuten Pleite am vergangenen Sonntag beim Bergischen HC und der Negativbilanz von 7:21 Punkten endgültig nach unten ging. „Was Hartmut Mayerhoffer extrem auszeichnete, ist die stets vorbildliche Zusammenarbeit mit der Mannschaft und dem gesamten Team sowie die Loyalität zum Verein“, teilte Geschäftsführer Gerd Hofele mit. Zudem habe sich der Coach vor allem aufgrund der Erfolge in der vergangenen Saison mit der Qualifikation für den Europapokal einen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Doch nun war im schnelllebigen Profigeschäft der Kredit aufgebraucht. „Durch die jüngsten Ergebnisse in der Liga war der Trainerwechsel unauausweichlich“, so Hofele.

Dass Mayerhoffer, der 2018 von der SG BBM Bietigheim nach Göppingen gekommen war, am Dienstag beim 34:24 in der European League gegen das zweitklassige Team von Tatran Presov noch auf der Bank saß, lag daran, dass die Verhandlungen mit dem Nachfolger noch nicht abgeschlossen waren. Dieser Nachfolger heißt Markus Baur. Er leitetet bereits am Mittwochnachmittag das Training. „Ich freue mich sehr, Trainer bei dem Handball-Traditionsverein in Baden-Württemberg zu sein. Ich brenne darauf und habe den Ehrgeiz, den Verein und die Mannschaft in eine andere Tabellenregion zu bringen“, sagte der 51-Jährige, neben dem auch Benjamin Matschke (zuletzt HSG Wetzlar) ein heißer Kandidat war.

Baur, Europameister von 2004 und Kapitän der Weltmeister-Mannschaft von 2007, trainierte in der Bundesliga bereits den TBV Lemgo und den TuS N-Lübbecke, in der Schweiz war er für Pfadi Winterthur und die Kadetten Schaffhausen tätig, von 2012 bis 2016 betreute der gebürtige Meersburger zudem die Junioren-Nationalmannschaft. Seit seinem Rauswurf beim TVB Stuttgart 2018 war der frühere Spielmacher ohne Trainer-Engagement. Er arbeitete seitdem für ein Immobilienunternehmen aus Fellbach als Projektleiter im Bereich Sport und Gesundheit. Diesen Job kündigte er nun für die neue Aufgabe bei Frisch Auf. Weiterhin fungiert er als Co-Kommentator bei großen Handballturnieren für das ZDF, so auch bei der WM im kommenden Januar in Polen und Schweden.

Zunächst aber wird seine komplette Konzentration Frisch Auf gelten: Baur wird bereits an diesem Donnerstag (18.05 Uhr/EWS-Arena) im Heimspiel gegen den Tabellen-Zehnten HSV Hamburg auf der Bank sitzen und versuchen, die Wende herbeizuführen. „Markus Baur hat uns in den Gesprächen voll überzeugt, und wir sind ihm dankbar, dass er unseren Club in einer schwierigen und angespannten Lage übernimmt“, sagte Aufsichtsratschef Claus Mai und ergänzte: „Wir sind sicher, dass er mit einer anderen Ansprache und mit seiner Persönlichkeit, als einer der größten Handballer Deutschlands, die nötigen Impulse setzen wird und auch zu einer Aufbruchstimmung beiträgt.“

Premiere gegen HSV

Baurs Premiere als Frisch-Auf-Trainer gegen den HSV bringt pikante Duelle: So gibt es ein Wiedersehen mit Torwart Johannes Bitter, den er genauso wie Tobias Schimmelbauer beim TVB Stuttgart trainierte und mit dem er 2007 als Teamkollege den WM-Titel holte. Ebenfalls gemeinsam Weltmeister wurde Baur mit dem aktuellen HSV-Coach Torsten Jansen,dem damaligen Linksaußen der deutschen Nationalmannschaft.

Nach der Schlüsselpartie gegen den HSV stehen für Frisch Auf im Jahr 2022 noch zwei Europapokalspiele gegen die Kadetten Schaffhausen auf dem Programm (6. Dezember/daheim und 13. Dezember/auswärts) sowie die Bundesligaspiele bei den Rhein-Neckar Löwen (11. Dezember), gegen die TSV Hannover-Burgdorf (18. Dezember) und beim SC Magdeburg (26. Dezember). Danach lässt sich auch ein erstes Zwischenfazits von Baurs Arbeit bei Frisch Auf ziehen.