Kai Häfner ist der drittbeste Torjäger der Liga – auf dem 36-Jährigen lastet beim TVB große Verantwortung, was wird aus Linkshänderkollege Achilleas Toskas? Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Kep

Der TVB Stuttgart rutscht mit 4:18 Punkten auf einen Abstiegsplatz und steht vor dem Heimspiel gegen GWD Minden stark unter Druck. Dennoch herrscht im Verein keine Unruhe.

„Die Tabellensituation ist besch. . ., das ist uns allen bewusst.“ Den Satz hatte Jürgen Schweikardt gesagt, als das Sonntagspiel Bergischer HC gegen die Rhein-Neckar Löwen (30:27) noch nicht beendet war. Danach rutschte der TVB Stuttgart in der Handball-Bundesliga sogar auf einen Abstiegsplatz. Unabhängig davon: Bei 4:18 Punkten ist der Druck vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag (19 Uhr/Porsche-Arena) gegen Aufsteiger GWD Minden gewaltig.

 

„Uns ist allen bewusst, dass wir dieses Spiel gewinnen müssen“, sagt Schweikardt, stellt aber klar: „Ich verspüre keine Unruhe, keine Hektik, weil unsere Leistungen in vielen Spielen gut waren und ich auch überzeugt bin, dass die Mannschaft diese Leistungsstärke in Punkte umsetzen wird.“

Dass beim TVB keine Panik ausbricht, hat seine Gründe. Im Gegensatz zu den Phasen, die zu den Trennungen der Trainer Roi Sanchez (nach 0:10 Punkten im September 2022) oder Michael Schweikardt (nach 2:16 Punkten im November 2024) führten, kassieren die Wild Boys keine Packungen mit über zehn Toren Unterschied. Statt sang- und klaglos unterzugehen, spielte das aktuelle Team von Trainer Misha Kaufmann gegen deutlich besser platzierte Teams oft bis in die Schlussphase auf Augenhöhe mit – und verlor am Ende knapp.

Trainer Misha Kaufmann: stets engagiert an der Seitenlinie. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Kep

Die vier Punkte durch die Unentschieden in Flensburg und gegen Frisch Auf sowie den Sieg gegen den Bergischen HC ergatterte der TVB, als die Personalsituation noch passabel war. „Wir waren gut im Strumpf, aber dann hat uns das Verletzungspech extrem gebeutelt“, sagt Kaufmann. Durch die zum Teil zeitgleichen Ausfälle zentraler Abwehrspieler musste der Schweizer in dieser Saison bereits 13 verschiedene Innenblockvarianten aufs Feld bringen.

Auch Keeper geben wenig Stabilität

Zeitweise halfen die Nachwuchskräfte Max Heydecke (18) und Linus Schmid (19) im Deckungsverbund aus. Auf eine Nachverpflichtung aus dem Ausland verzichtete der TVB, da bis auf Jonas Truchanovicius (Kreuzbandriss) keiner der Verletzten über Monate hinweg ausfällt. Die Abwehrproblematik verschärfte sich durch die Tatsache, dass auch die Torhüter Miljan Vujovic (22,85 Prozent gehaltene Bälle) und Daniel Rebmann (16,28 Prozent gehaltene Bälle) nicht zur Stabilität beitrugen. „Die Keeper sind Teil der Abwehr und damit auch dafür verantwortlich, dass wir nicht gut dastehen, aber eben nicht allein, weil es immer ein Zusammenspiel mit der Deckung ist. Genau daran müssen wir arbeiten“, sagt Schweikardt.

Zuletzt im Spiel beim ThSV Eisenach (24:28) konnten die Abwehrstrategen Toni Seradilla, Gianfranco Pribetic und auch Samuel Röthlisberger (der wegen eines Daumenbruchs allerdings sieben Wochen gefehlt hatte) alle wieder spielen. Die Deckungsleistung war bei 28 Gegentoren dann auch in Ordnung, doch ausgerechnet in dieser Partie zeigte der bisher gut funktionierende Angriff Schwächen. „Es ist tragisch, dass wir in Eisenach so viele Freie verwerfen, aber das ist eben der Fall, wenn du in einem negativen Fahrwasser drin bist, dann verlierst du enge Spiele, die du ansonsten für dich entscheiden würdest“, ist sich Schweikardt sicher.

Was wird aus Achilleas Toskas?

Getragen wird der Angriff von Rückraumass Kai Häfner, mit 93 Toren (davon 49 Siebenmeter) drittbester Torjäger der Liga. Auf dem 36-Jährigen lastet enorme Verantwortung, zumal er so gut wie keine Entlastung bekommt, da Linkshänder Achilleas Toskas offenbar nicht in das System des Trainers passt. Eine vorzeitige Trennung vom 21-jährigen Griechen oder ein Leihgeschäft würde deshalb nicht verwundern.

Lenny Rubin vor Rückkehr

Doch zunächst gilt die volle Konzentration dem Duell mit Minden, dem weitere „Muss-Heimspiele“ im Dezember gegen Wetzlar und Leipzig folgen. Mit Lenny Rubin dürfte am Donnerstag ein weiterer Spieler nach seiner Fußverletzung aufs Feld zurückkehren, damit fehlt nur noch Max Häfner (Mittelhandbruch). Mit dem Comeback des Spielmachers könnte es Anfang Dezember klappen.

Saison 2025/26

Ergebnisse
TVB – HSV Hamburg 33:36, SG Flensburg-Handewitt – TVB 29:29, TVB – Bergischer HC 35:28, SC Magdeburg – TVB 32:23, TVB – Frisch Auf Göppingen 28:28, VfL Gummersbach – TVB 33:26, TV Emsdetten – TVB (30:35/DHB-Pokal zweite Runde), TVB – MT Melsungen 29:31, TBV Lemgo Lippe – TVB 32:30, TVB – Füchse Berlin 30:36, Rhein-Neckar Löwen – TVB 38:34, TVB – SG Flensburg-Handewitt (29:36/DHB-Pokal-Achtelfinale), ThSV Eisenach – TVB 28:24.

Termine
TVB – GWD Minden (20. November, 19 Uhr), HC Erlangen – TVB (28. November, 19 Uhr), TVB – HSG Wetzlar (4. Dezember, 19 Uhr), TVB – SC DHfK Leipzig (7. Dezember, 19 Uhr), THW Kiel – TVB (10. Dezember, 19 Uhr), TSV Hannover-Burgdorf – TVB (14. Dezember, 16.30 Uhr), TVB – VfL Gummersbach (21. Dezember, 16.30 Uhr), MT Melsungen – TVB (26. Dezember, 17.30 Uhr). (jüf)