Die WM überzeugt mit filigranem Kunstradsport und emotionalem Radball. Die Mixtur stimmt also – und hätte gerade im Fernsehen ein größeres Publikum verdient, findet Redakteur Heiko Hinrichsen.
Stuttgart - Nach der pandemiebedingten Zwangspause im Vorjahr ist die Hallenradsport-WM von Stuttgart ein voller Erfolg gewesen. Kunstradsportler sowie Radballer verfügen über eine treue Fangemeinde. So wurden am abschließenden Sonntag 4500 der erlaubten 5000 Tickets in der Porsche-Arena abgesetzt. In zwei sogenannten Randsportarten ist das eine außergewöhnlich gute Bilanz.
Das deutsche Team räumt sportlich ab
Auch sportlich stimmte es. Nicht nur, weil sich im Hallenradsport mit dem filigranen Kunstradfahren sowie dem emotionsgeladenen Radball zwei unterschiedliche Disziplinen gut verbinden. Die Mischung stimmt. Während bei den Kunstrad-Vorführungen gebannte Stille herrscht, ist wenig später beim Radball der Teufel los. Fragt sich daher, warum gerade die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, die beide Sportarten früher ausführlich im Programm hatten, nicht mal live in Stuttgart vorbeigeschaut haben. Auch von ihrer Medaillenausbeute her haben die Deutschen mit sechs von sechs möglichen Goldmedaillen brilliert. Dieser Durchmarsch deutet aber auch auf die Probleme der Szene hin, die nicht olympisch ist und die es daher viel schwerer hat als andere: In vielen Ländern ist Hallenradsport ein Fremdwort.
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Mit dem fünffachen Einer-Weltmeister Lukas Kohl besitzt der Hallenradsport aber eine Galionsfigur, die sich für mehr Beachtung einsetzt. Kohl sieht den Teufelskreis aus der geringen medialen Präsenz, den dadurch fehlenden Sponsoren, deren Gelder wiederum der Förderung junger Athleten guttun würde. Nicht nur Kohl will als Mitglied des Präsidiums bei Athleten für Deutschland diesen Kreis durchbrechen. Es ist ein schwieriges, aber lohnendes Unterfangen.