Die Wortführerin der Protestierenden: Tina Czerwonka am Mikrofon im Großen Sitzungssaal Foto: Eyrich

Etliche Albstädter Bürger haben in der ersten Gemeinderatssitzung nach den Ferien ihrem Ärger über die Schließung der Hallenbäder Luft gemacht. Ihre Forderung: Wenigstens eines muss wieder öffnen.

Albstadt - Bereits bei ihrer Ankunft vor dem Rathaus in Ebingen waren die Gemeinderäte von Transparenten begrüßt worden: "Rettet das Seepferdchen!" stand da unter anderem zu lesen, "Die Kinder ›baden‹ es aus" und "Schwimmen – ein Privileg in Albstadt". In der Tat waren es vor allem Kinder und Mütter, die da protestierten, und ihre Forderung war unmissverständlich: Es müsse möglich sein, auch in diesem Winter zu erschwinglichen Preisen in Albstadt zu schwimmen. Wohlgemerkt nicht zum profanen Freizeitvergnügen, sondern aus therapeutischen oder aber pädagogischen Gründen: Kinder im Grundschulalter müssten schwimmen lernen und das Gelernte anschließend üben können, damit es sich festige – erhielten sie die Gelegenheit dazu nicht, seien Badeunfälle vorprogrammiert, schlimmstenfalls auch solche mit tödlichem Ausgang.

Das bedeutet nicht, dass die Protestierenden die Notwendigkeit von Energiesparmaßnahmen nicht anerkennen würden – Tina Czerwonka, ihre Wortführerin in der Bürgerfragestunde, welche die Ratssitzung eröffnete, war weit davon entfernt, Maximalforderungen zu stellen: Eines von drei Albstädter Hallenbädern soll wieder geöffnet werden, welches, das ließ Czerwonka offen – die Alternative Badkap verwarf sie: Spätestens nach der Erhöhung des Gaszuschlags auf zehn Euro pro Kopf und Eintritt könne sich keine normale Familie mehr diesen Luxus leisten. Der per se kein Luxus sein dürfe: Bei manchen Albstädtern sei Schwimmen medizinisch indiziert – und, so weit es die Kinder angehe, eine unverzichtbare und im Zweifelsfall überlebenswichtige Kulturtechnik.

Schulschwimmen gibt es weiterhin

Der Oberbürgermeister hielt dagegen: Noch sei im neuen Schuljahr keine Stunde Schwimmunterricht ausgefallen, dank dem Badkap und der Landessportschule, die Kapazitäten zur Verfügung stellten. Zwar widersprach Czerwonka – an der Schule ihres Kindes werde kein Schwimmunterricht erteilt! – aber woran das liegen könnte, ob die Schule etwa keinen Bedarf angemeldet habe, das ließ sich für den Moment nicht eruieren, und vom Grundsatz her hielt der Oberbürgermeister seine Behauptung aufrecht: Albstadts Schüler hätten weiterhin die Möglichkeit, schwimmen zu lernen.

"Der Energiefresser schlechthin"

Nicht im Verein, konstatierte darauf Helmut Wacker vom TSV Ebingen – auf die Vereine sei niemand zugekommen. Natürlich nicht, erwiderte Konzelmann, die Vereine seien selber groß und müssten sich halt von sich aus um ihre Wasserstunden kümmern. Auch Wackers Argument, das Blockheizkraftwerk im Hallenbad Ebingen verfeuere doch weiterhin Gas und liefere Strom und Wärmeenergie, da komme es doch auf einen Verbraucher mehr oder weniger nicht an, ließ Konzelmann nicht gelten. Es komme sehr wohl darauf, wenn ausgerechnet das energetisch nicht sanierbare Hallenbad Ebingen mit seiner denkmalgeschützten Glasfront – "der Energiefresser schlechthin" – dieser Verbraucher sei. Soviel sei klar: Sollte tatsächlich wieder ein Hallenbad geöffnet werden, "dann ist es ganz bestimmt nicht Ebingen".

Aber vielleicht ein anderes: In zweieinhalb Wochen, verriet der Oberbürgermeister, werde der Aufsichtsrat der Albstadtwerke wieder tagen, und dann werde auch die Frage, ob ein Hallenbad wieder öffnen dürfe, auf der Agenda stehen. Dass die Antwort auf die Frage "ja" lauten werde, versprach Konzelmann nicht.