Eine erste Visualisierung: So könnte das Rottweiler Kombibad aussehen. Foto: alt

Metallstützen, die die Becken abstützen, und maroder Beton – die Ära Aquasol ist besiegelt. Und für den Wegfall des Solebeckens beim neuen Kombibads gibt es einen Grund.

„Wir sind dringend gehalten, hier tätig zu werden. Wir wissen, dass hier Baufälligkeit eingetreten ist.“ OB Christian Ruf fand am Mittwochabend in der Sitzung des Rottweiler Gemeinderats deutliche Worte. Es geht um um die Zukunft der Rottweiler Bäderlandschaft. Und diese soll – so die Planung – mit einem Kombibad am Freibadstandort gesichert werden. Der Spatenstich ist schon in Sichtweite.

 

Um den Neubau eines Hallenbads kommt man nicht herum. Eine Sanierung des bestehenden Baus – „völlig ausgeschlossen“, so Ruf. Steht das neue Bad, soll auch das Freibad saniert werden.

Abschied von der Sole

Gleichwohl – für den Neubau am Freibad wird man nicht aus dem Vollen schöpfen können. 40 Millionen Euro stehen zur Verfügung – dafür ist kein Badeparadies zu haben. Drei Becken sind geplant – ein 25-Meter-Schwimmbecken mit fünf Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken mit 120 Quadratmetern, ein Kleinkindbecken (30 Kubik) sowie ein Sauna- und Gastronomiebereich.

Was es nicht geben wird: ein Solebecken, einen Rutschenturm – und im Freibad soll nach dessen Sanierung das 50-Meter-Becken auf 25 Meter gekürzt werden. Da war die Enttäuschung bei manchem, der unsere Berichterstattung hierzu im Vorfeld der Sitzung gelesen hatte, wohl groß. Denn die Räte und auch OB Ruf selbst hatte wohl der eine oder andere Anruf erreicht.

Auch, wenn man sich von der Sole sicher verabschieden muss – 2027 läuft die Genehmigung für die Soleförderung aus – so ganz festgezurrt sind die Planungen noch nicht. Ein Rutschenturm kann ergänzt werden, wenn Geld da ist. Das 50 Meter-Becken im Freibad ebenso, wie aus der Diskussion mitzunehmen war.

Förderung wird dringend benötigt

Der OB nahm die Anwesenden nochmals mit in den Entscheidungsprozess, der zum Großteil bisher in nichtöffentlichen Sitzungen, Klausurtagungen und in den Büros der ENRW als Bäderbetrieb stattgefunden hatte. Man habe sich bewusst gegen eine „Schuhschachtel“ – sprich ein reines Sportbad – entschieden. Für die geplante Laufzeit des Neubaus von 50 bis 60 Jahren sei das Kombibad, also die Verschmelzung aus bestehendem Freibad und neuem Hallenbad, die günstigere Variante.

Das Gelände um das Rottweiler Freibad veränder sich mit dem Neubau des Aquasols. Foto: Alt

Mit Sorgen blicken Stadt und ENRW allerdings schon jetzt auf die Fördersituation. Das Förderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ sei „heillos überzeichnet“, so Ruf. Auch für den Bau der neuen Campussporthalle hofft man auf Gelder aus diesem Topf.

Auf die Frage von Jörg Hügel (Grüne), was man im Fall einer Absage mache, antwortete Ruf: „ Unser politische Signal lautet: Wir brauchen die Förderung dringend.“

Die Mängelliste ist lang und umfassend

Auf der anderen Seite sind die erhofften acht Millionen aus der Förderung auch der Motor, der die Kombibad-Planungen nun auf Touren bringt. Bis 2031 muss die Maßnahme (inklusive Abriss altes Bad) abgerechnet sein. „ 2031 ist ja quasi demnächst“, meinte Holger Hüneke, einer der beiden ENRW-Geschäftsführer.

Er nahm die Ratsrunde mit in die lange Mängelliste des aus den 60er Jahren stammenden Aquasols, bei dem man schon ein Jahr nach der Bauabnahme über Undichtigkeiten gestritten habe.

Die Solebecken seien 1985/86 dazugekommen. Umfassend saniert habe man zuletzt 2019, abgesehen von den jährlichen Erneuerungen. Die Bilder, die Hüneke dabei hat, sind erschreckend. Sie zeigen den Bereich, den der Aquasol-Besucher nicht zu Gesicht bekommt. Zahlreiche Sprieße stützen die Schwimmbecken von unten und an den Seiten. Sie stehen zwischen der Badewassertechnik. Mittlerweile sei dies schon die zweite Generation.

Spatenstich 2028

Stefan Kempf, kaufmännischer Geschäftsführer der ENRW, stellte den zeitlichen Ablauf vor. Mit dem nötigen Vorlauf für die ganzen Vorplanungen und Vergaben soll im Landesgartenschaujahr 2028 der Spatenstich fürs neue Aquasol erfolgen. Weil da „ordentlich Druck drauf sei“, könne man keinen großen Architekturwettbewerb ausloben und auch für Bürgerbeteiligung sei keine Zeit. Ein Umstand, der Harald-Armin Sailer (FDP) gefiel. „Von meiner Seite ein absolutes Go“, meinte er.

Die enge Taktung begrüßte OB Ruf sehr. Dennoch dürfe man nicht am Bedarf vorbeiplanen. Diese Meinung teilte auch Peter Schellenberg (FWV), der dafür plädierte, einen aus Bürgern, Vereinsvertretern und den Schulen bestehenden Beirat zu berufen und – wie Monika Hugger (CDU) vorschlug – einen Förderverein zu gründen. Dies sei auch im Hinblick auf Extrawünsche wie dem Bau eines neuen Rutschenturms notwendig. „Was vorgestellt wurde, ist der machbare Rahmen. Wenn’s mehr sein soll, geht das nur über bürgerschaftliches Engagement“, machte Hugger deutlich.