Das Aquasol ist Sole- und Freizeitbad. Das neue Kombibad wird wohl nur noch ein Freizeitbad sein. Foto: Alt

Tradition, Heilwirkung, Identität: Die Rottweiler Sole hat für viele große Bedeutung. Doch nun steht sie vor dem Aus. Und hinter den Kulissen wird heftig diskutiert.

Was Rottweiler Hund und Fasnet sind, war lange auch die Rottweiler Sole – ein Aushängeschild Rottweils mit langer Tradition. Doch nun steht die Sole offenbar vor dem Aus.

 

Seid Bekanntwerden der Pläne für einen Komibad-Neubau als Ersatz für das Aquasol, angedockt ans bestehende Freibad, ist klar: Die Stadt und die ENRW als Badbetreiber planen ohne ein Solebecken. Und das sorgt bei den Salzwasser-Fans weithin für Unverständnis.

Wie die beiden Geschäftsführer der ENRW, Holger Hüneke und Stefan Kempf, im Februar in einer Sitzung des Rottweiler Gemeinderats vorstellten, spiele bei der Entscheidung gegen ein Solebecken neben den kalkulierten Neubaukosten von etwa 40 Millionen Euro auch das Ende der Fördererlaubnis für die Rottweiler Sole eine Rolle.

Diese wird am stillgelegten Bahndamm unweit des Salinenmuseums mit Hilfe von Wasser aus dem Erdreich an die Oberfläche gepumpt. Etwa 1500 Kubikmeter Sole pro Jahr werden dort von der ENRW für das verbliebene Innen-Solebecken des Aquasols entnommen. Das Außenbecken ist seit 2021 dauerhaft geschlossen.

Die zuständige Genehmigungsbehörde für die Soleförderung ist das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beim Regierungspräsidium Freiburg. Weil es sich bei der Soleförderung um ein Bergbaurecht handelt, muss dieses regelmäßig überprüft und neu beantragt werden, wie die ENRW auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt.

Das Problem: Für die Rottweiler Sole läuft die wasserrechtliche Erlaubnis dieses Jahr aus. Die Hauptbetriebszulassung ende „nach aktuellem Stand“, so die ENRW, Mitte 2027. Um den Betrieb des Solebeckens zu gewährleisten befinde sich ein Antrag auf eine befristete Verlängerung derzeit im Verfahren. Solange das Aquasol noch in Betrieb ist, soll auch das Baden im dortige Solebecken möglich sein.

Das sagt der Förderverein Salinenmuseum

Von einem Ende der Erlaubnis der Soleförderung wäre auch der Förderverein Salinenmuseum betroffen. Dieser nutzt die Sole für die Museumsarbeit, für Workshops und pädagogische Angebote. „Ohne Sole werden wir unsere Arbeit dazu überarbeiten müssen“, schreibt der Verein auf Nachfrage. Ein wichtiges Thema der Ausstellung des Museums sei etwa auch die heutige Bedeutung und Nutzung der Sole in Rottweil.

Das Aus für die Rottweiler Sole habe bei der jüngsten Versammlung des Vereins für Diskussionen gesorgt. Der Förderverein sehe sich in einer „gewissen Verpflichtung“ seinem Vorgängerverein, dem Solebadverein, gegenüber. Dieser war es, der die entscheidenenden Weichen für den Bau der Solebecken im Aquasol stellte. Der Verein, der 1975, gegründet worden war und schnell um die 1500 Mitglieder hatte, setzte sich sehr engagiert für die Förderung der Sole zu Gesundheitszwecken ein.

500.000 D-Mark an Stadt übergeben

„Um die Voraussetzungen für eine neue Tiefenbohrung zu schaffen, hatte der Verein das Gelände Unteres Bohrhaus vom Land Baden-Württemberg und 1975 die Schürfrechte für die Soleförderung erworben. Diese wurde auf eine Nutzung der Sole in Bade- und Kuranlagen beschränkt“, so der Verein. 1990 erkannte das Landratsamt die „Solebohrung Rottweil“ der damaligen Stadtwerke – heute ENRW – als Staatliche Heilquelle an, wie in einem Heft der Gesellschaft für Naturkunde Baden-Württemberg (Band 162/2006) in dem Artikel „Die Solebohrung Rottweil 1986 und dei Solebohrungen der ehemaligen Saline Wilhelmshall-Rottweil – eine geologische und hydrogeologische Dokumentation“ zu lesen ist.

Für den Bau des heutigen Sole- und Freizeitbads sammelte der Solebadverein sehr erfolgreich Spenden. Am Ende konnten 500.000 D-Mark, das gesamte Gelände wie auch die Schürfrechte an die Stadt Rottweil abgegeben werden. Nach der Fertigstellung des Aquasols wurde der Solebadverein 1985 aufgelöst und der Förderverein Salinenmuseum Rottweil gegründet. Mit großem ehrenamtlichen Engagement erinnert der Verein an die Geschichte der Salzgewinnung in Rottweil und pflegt die dazugehörigen Gebäude und Anlagen auf dem Gelände. Dass nun ein Kombibad gänzlich ohne Rottweiler Sole gebaut werden soll, sei bei den Mitgliedern des Vereins nicht gut angekommen.

Kritik an Planungen

„Bei unserer Jahreshauptversammlung wurde viel diskutiert, und es herrschte allgemeines Unverständnis zum Umgang mit dem Thema Sole beziehungsweise dem neuen Kombibad ohne Solebecken und mit anderen Einschränkungen – alles ohne die Bürger miteinbezogen zu haben“, so der Verein. „Der gesundheitliche Aspekt und die Heilwirkung der Sole scheinen durch die Streichung eines Solebeckens gänzlich ignoriert bei der Neuplanung. Die finanziellen Grenzen sind für die meisten klar. Dass nicht schon früher investiert wurde, als die Kosten noch überschaubarer waren, ist für viele unverständlich“, lautet die Kritik.

Dabei habe ein Sole- und Freizeitbad sicher eine höhere touristische Anziehungskraft als nur ein kombiniertes Hallen- und Freibad. Es sei für alle Altersstufen interessant und für Menschen mit Handycaps und gesundheitlichen Problemen sehr wichtig, „egal ob sie aus der Region kommen oder als Touristen in Rottweil sind“. Testturm und Hängebrücke seien nicht alles. Die Landesgartenschau 2028 sei als touristisches Thema zeitlich begrenzt.

Solefrage bislang ungelöst

Wie es mit der Soleförderung weitergeht ist derzeit offen. Die ENRW schreibt auf nachfrage, dass ein Solebad grundsätzlich auch durch den Einsatz von Salztabletten möglich wäre. Der Aufwand für den Bau und die technischen Anlagen sei allerdings erhöht. Die Kosten für den Einsatz von Sole beziffert die ENRW nicht genau. Er liege im mittleren fünfstelligen Bereich.