Das Hallenbad am Bisinger Schulzentrum bietet Badegästen ein Rundum-Wohlfühlpaket. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, wie komplex der Betrieb der Anlage tatsächlich ist.
Chlorgeruch, 220 000 Liter sauberes Wasser und warme Umgebungsluft – all’ das bietet das Hallenbad beim Bisinger Schulzentrum. Was dafür nötig ist, Schwimmbegeisterten ein tolles Badeerlebnis zu bieten, offenbart der Technikraum unter der Schwimmhalle: Unzählige Leitungen und Pumpen, große Becken und Filteranlagen weisen dort auf ein komplexes Unterfangen hin: „Das ganze Wasser ist in ständigem Kreislauf“, sagt Kurt Hense, Hausmeister am Schulzentrum Bisingen. Seit acht Jahren kümmert er sich auch um reibungslose Abläufe unter dem Schwimmbecken – das gehört dazu:
Schwallwasserbehälter und Filteranlage
Beim Planschen kann schon mal ein bisschen Wasser über den Beckenrand schwappen. Das verschwindet jedoch keinesfalls im Nirgendwo, sondern gelangt in den großen Schwallwasserbehälter im Technikraum. Wie Kurt Hense berichtet, werden dort erste gröbere Schmutzteile herausgefiltert. Das Wasser gelange dann in einen weiteren kleineren Filter, bevor es in die kesselförmige große Filteranlage gepumpt werde. Schichtweise angehäufte Kohle und Sand im Behälter sorgen dafür, dass das Wasser die Anlage geklärt verlassen und über Leitungen im Boden des Schwimmbeckens zurückgepumpt werden kann, erklärt Hense den Weg des Wassers.
Der große Filter mit einem Preis von 30 000 Euro müsse alle acht Jahre ausgetauscht werden – dieses Jahr sei es wieder soweit.
Chlorreinigung und richtiger pH-Wert
„Das Chlor reagiert, sobald Schmutzstoffe im Wasser sind“, erläutert der Hausmeister die Funktion des eigentlich giftigen Granulats. Im Schwimmbecken seien aber so geringe Mengen vorhanden – 0,45 Milligramm pro Liter – dass es dem Menschen nicht schade. Stattdessen habe es eine neutralisierende Wirkung, Keime und Bakterien würden abgetötet. Alle Leitungen im Technikraum sind aus Kunststoff. Metalleitungen würde das Chlor nämlich zum Rosten bringen, so Hense.
Neben der richtigen Menge an Chlor, das dem Wasser zugegeben werde, sei auch ein optimaler pH-Wert von 7 wichtig. Der sei dann erreicht, wenn das Wasser neutral – also weder sauer noch alkalisch – sei. Um dies zu regulieren, erhalte das Wasser gegebenenfalls einen Laugen- oder Säurezusatz, wie Hense zeigt. Doch was, wenn einmal etwas schief geht – wird es dann gefährlich für die Badegäste? Hense gibt Entwarnung: „Das ist ein sehr träges System.“ Es brauche also lange, bevor etwas Gravierendes passiere. Auch die Kontrolle der Messwerte über verschiedene Displays und das Handy, drei Wasserproben täglich und Ersatzpumpen stellten eine gleichbleibend gute Wasserqualität sicher, so der Hausmeister.
Hohe Wasser- und Lufttemperatur
Mit 29 Grad Wassertemperatur ist es im Bisinger Hallenbad wohl wärmer als bei Olympia – gleichzeitig frisst die Wassererwärmung aber auch die meiste Energie am Schulzentrum, wie Kurt Hense betont. Über Pufferspeicher werde Wasser erwärmt und dann ins Becken geleitet, das System heize bei Bedarf dann einfach nach. Auch außerhalb des Wassers ist es sommerlich warm – 30 Grad misst die Luft in der Halle, die in einer großen Lüftungsanlage im Nebenraum aufbereitet wird.
Rückspülung und Betriebskosten
Trotz derlei aufwendiger Reinigungsprozesse wird ein Teil des Wassers im Schwimmbecken zwei Mal pro Woche mit frischem Wasser ausgetauscht. Die 8000 bis 10 000 Liter werden bei der sogenannten Rückspülung von der Filteranlage direkt in den Kanal geleitet. „Das ist ein sehr sehr großer finanzieller Aufwand für die Gemeinde“, findet Hense.
Aber: „Bisingen will eine Stadt werden“ und dafür brauche es eben Anreize wie ein Hallenbad. Jährliche Unterhaltskosten in Höhe von rund 160 000 Euro und Personalkosten von rund 16 000 Euro – so die Zahlen aus 2023 vom Fachbereich Finanzwesen der Gemeindeverwaltung – sichern laut Hense immerhin auch ein Stück Lebensqualität, die das Hallenbad den Bisinger Bürgern beschere.