Statt den Auftrag für einen neuen Hubboden im Hallenbad zu vergeben, sah sich der Gemeinderat mit der Notwendigkeit einer Sanierung des ganzen Beckens konfrontiert.
In der jüngsten Sitzung sollte der Auftrag für einen neuen Hubboden im Hallenbad vergeben werden. Simon Rittig vom Bauamt informierte den Gemeinderat über erhebliche Lecks im Becken, die im Zuge des Ausschreibungsprozesses für den Hubboden entdeckt wurden und die er mit einigen Fotos belegte. Es tritt Wasser aus der Lauffläche rund um das Becken aus.
Vor der Gemeinderatssitzung habe am 11. September noch mal eine Begehung mit dem Ingenieurbüro Richter + Rausenberger stattgefunden, erläuterte Rittig. „Die Technik ist ok, das Becken jedoch ist mittelfristig nicht sicher. Die Beckensanierung wird früher oder später gemacht werden müssen.“ Deshalb: „Wenn eine Sanierung ansteht, brauchen wir jetzt keinen neuen Hubboden.“
Erste Kostenschätzung
Für eine grundlegende Beckensanierung stellte Rittig 1,2 bis 1,4 Millionen Euro inklusive einem neuen Hubboden in den Raum. Das Hallenbad ist etwa 50 Jahre alt, und bisher gab es außer den üblichen Wartungen keine Sanierungen. Auch der aktuelle Hubboden ist so alt, ordnete Rittig ein.
Auf Nachfrage von Jürgen Walz bestätigte Rittig, dass zum jetzigen Zeitpunkt die Standsicherheit des Beckens nicht gefährdet ist. Trotzdem: „Wir hätten wir vorgeschlagen, die Sanierung anzustoßen“.
“Mir blutet das Herz“
„Mir blutet das Herz bei den Kosten. Aber wenn wir nicht sanieren, haben wir später ein noch größeres Volumen und die Technik ist auch noch hin“, sagte Paul Binder. Die Bedeutung des Hallenbads sei sicher nicht umstritten, „und wenn ein neues Becken wieder 50 Jahre hält, ist das sicher die bessere Lösung“.
Nicht entscheiden geht nicht
„Überrascht hat es uns nicht. Gefallen tut es uns auch nicht. Nicht zu entscheiden, wird nicht möglich zu sein“, sagte Bürgermeister Rüdiger Klahm zu der neuen Situation und auch dazu, wie mit dem Ausschreibungsergebnis mit einem günstigsten Bieter und der Vergabeentscheidung, die aus Fristgründen zwingend in der Sitzung getroffen werden müsste, umgegangen werden sollte. Er sehe die DLRG als einen Teil der Nutzer, wichtiger noch sei das Hallenbad für die Schüler und den Schwimmunterricht als Hauptnutzer. „Die Zahlen sind bitter. Wenn wir jedoch nichts machen, wird’s in zwei oder drei Jahren noch bitterer“, so der Schultes.
Bei einer Sanierung den Hubboden rauszulassen, damit es günstiger wird, dachte Alexander Herzog an. „Ohne Hubboden ist eine Anfängerausbildung nicht mehr möglich“, gab Binder zu bedenken, und wenn das Bad durchgängig nur 1,50 Meter tief wäre, würden Erwachsene darin nicht schwimmen wollen.
Diskussion im Gremium
Die weitere längere Diskussion drehte sich dann um Grundsätzliches. Soll jetzt nur der Hubboden erneuert und bei einer späteren Sanierung weiterverwendet werden? Oder soll die Sanierung auf den Weg gebracht werden? „Wir müssen uns klar werden, was wollen wir für ein Bad?“, forderte Rainer Kömpf dazu auf, „unsere Gedanken zu sortieren.“ Er sei überzeugt, „dass mittel- bis langfristig solche Investitionen und Betriebe nur interkommunal betrieben werden können“. Es müsse möglich sein, zu prüfen, wie die Nutzer angemessen beteiligt werden können und ob das Hallenbad auch in eine andere Trägerschaft überführt werden könnte.
„Kann man nicht eine GmbH machen?“, fragte Wolfgang Bauer. Es kristallisierte sich heraus, dass die Mehrheit für die Aufhebung der Ausschreibung war und dann auch für die Sanierung sowie grundsätzlich den Erhalt des Hallenbads in seiner jetzigen Funktion für die verschiedenen Nutzer. „Die Kosten sind enorm, klar,“ sagte Jörg Nonnenmann, „aber wenn in 50 Jahren nur kleinere Reparaturen nötig waren, ist das doch auch was“.
Auch für Philipp Jourdan „ist es eine ganz normale Sanierung“ nach dieser Zeit, die umgerechnet auf eine Nutzung von weiteren 50 Jahren etwa 30 000 Euro pro Jahr ausmache. „Für die Sanierung von Kanälen geben wir 400 000 Euro im Jahr aus.“
Ausschreibung aufgehoben
Das formale Vorgehen und die Formulierung eines Beschlusses wurde dann noch kontrovers diskutiert. Schließlich zitierte Amei Fischer eine KI-Antwort zum Vergaberecht. Bei drei Enthaltungen wurde beschlossen: „Die Ausschreibung wird aus wichtigem Grund aufgehoben“. Der neue Hubboden hätte knapp 230 000 Euro gekostet.
Rittig ist zuversichtlich, „dass wir mit der Firma KBE aus Wilhelmshaven (sie war günstigste Bieterin in der Ausschreibung) ein gutes Gespräch haben werden. Sie begleitet uns schon lange bei Wartung und Reparaturen“. Ob es Förderungen für die Sanierung gibt, müsse geklärt werden.
Das Thema Beckensanierung wird in einer der kommenden Sitzungen den Gemeinderat beschäftigen, oder wie Rainer Kömpf vorgeschlagen hat, vielleicht in einer extra Zusammenkunft des Gremiums.