Mit der Halle 16 gibt es in Sulz einen Raum für Kunst und Kultur, der experimentell und gemeinwohlorientiert genutzt wird. Eintrittsgelder würden dem entgegenstehen, sagt das Team.
„Wir wollen Kunst und Kultur für möglichst viele Menschen erlebbar zu machen und diesen Zugang nicht nur einem gut betuchten Bildungsbürgertum zu überlassen“, erklärt Anna Sophie Klaussner das Konzept der Halle 16.
Und damit Kultur nicht zum Luxusgut werde, verlange man auch keinen festen Eintritt. „Jede und jeder beteiligt sich nach seinen oder ihren Möglichkeiten – einige der Halle 16-Community geben regelmäßig höhere Spendenbeiträge, um ein Defizit auszugleichen“, erläutert sie.
„Wir wollen alle reinlassen“
In seiner Rede zum Haushalt Anfang Dezember hatte Stadtrat Stefan Link (AfD) – neben dem Bau eines kommunalen Schutzraums für Krisenzeiten – angeregt, die Halle könne den Eintritt für ihre Veranstaltungen als Selbstfinanzierung einplanen „wie andere Vereine in Sulz“.
Dem steht man in der Halle kritisch gegenüber. „Eintritt heißt, dass nur bestimmte Leute rein dürfen, wir wollen aber alle reinlassen“, wird dort der inklusive Standpunkt für alle deutlich gemacht. Auch sei so mehr Flexibilität möglich. „Es gibt Menschen, die kommen nur für die erste Hälfte einer Veranstaltung, oder sie kommen später, da sie noch eine Verpflichtung hatten“, nennt Klaussner ein anschauliches Beispiel. Mit Eintritten sei das nicht mehr machbar.
Fördergelder für Sulz
Dabei werde während der Veranstaltungen und auch in den Ankündigungen deutlich gemacht, dass man die Spendengelder der Besucher benötige, um Mindesthonorare für die Künstler zahlen zu können. Darüber hinaus stelle sich auch die Frage, ob man durch Tickets tatsächlich mehr Besucher oder mehr Einnahmen bekommen würde. „Bei gleichen Einnahmen hätten wir wahrscheinlich weniger Besucher“, schätzt sie.
Und macht stattdessen eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung auf. So sei die Förderung der Stadt die Grundlage für weitere Förderungen. „Durch das Geld der Kommune – etwa fünf Prozent des Jahresbudgets – kommt weit mehr Geld nach Sulz, ungefähr die Hälfte des Fördervolumens, was direkt der Stadt und allen Bürgern zugutekommt“, hält sie fest.
Menschen kommen zusammen
Denn mit dem bestehenden Konzept habe man einen Ort der Begegnung geschaffen, der verschiedene Gruppen in Sulz zusammenführt und zum Gemeinwohl beiträgt. „So erreichen wir auch diejenigen, die sonst nicht ins Museum oder auf Konzerte gehen könnten“, benennt sie einen gesellschaftlichen Effekt.
Denn das führe dazu, dass sich in der Halle auch sehr unterschiedliche Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet treffen und regelmäßig austauschen könnten. „Auch das ‚Laufpublikum‘, das einfach so vorbeischneit, um hereinzuschauen, was in der Halle los ist oder Hilfe beim Knopfannähen braucht, gehört zum ganz normalen Halle-Alltag“, beschreibt sie das bunte Miteinander.
Anpacken und Mitmachen
Im Sommer kämen oftmals neugierige Camperinnen dazu, die schauen wollten, wer die tolle Gitarrenmusik spiele, die sie an ihrem Stellplatz hörten. „Das Schöne ist, jeden Tag miterleben zu dürfen, wie viel durch Ehrenamt bewegt werden kann“ , findet Klaussner.
Das fasziniere und motiviere immer wieder aufs Neue, weiterzumachen. Denn diese Mentalität des Mitanpackens, gemeinsam etwas für kulturelle und künstlerische Bildung zu schaffen, sei etwas ganz Besonderes. Ihre Sorge: „Wenn wir Eintritte verlangen, ist sie das nicht mehr.“
Als einen weiteren Pluspunkt sieht sie die soziale und präventive Jugendarbeit, die durch die Community stattfindet. „Das ist auf lange Sicht nur gut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Sulz“, lautet ihre Einschätzung.