„Wenn ich hier arbeite, merke ich, dass ich etwas bewegen kann“, spricht Louisa Müller über ihr Engagement in Sulz. Und hat auch Ihr eigenes Musik-Album im Fokus.
„Ich lehne ein System ab, das Milliarden in Aufrüstung steckt, während soziale Bereiche chronisch unterfinanziert sind“, erklärt Louisa Müller auf die Frage, ob sie zwischen Bundesfreiwilligendienst und Wehrdienst wählen wolle.
Seit September ist sie für ein Jahr Teil des Halle-16-Teams und möchte diese Zeit gar nicht mehr missen. „Wenn ich hier arbeite, merke ich, dass ich etwas bewegen und bewirken kann“, kommt sie auf das Gefühl der erlebten Selbstwirksamkeit zu sprechen.
Konzerte sind absolute Highlights
Denn Louisa ist immer mit dabei. „Von Ausstellungen aufbauen bis zu den wuseligen Nachmittagen bei den „Halle16 Kids“, verschiedensten Veranstaltungen – ob Workshops, Konzerte oder Karaoke“, zählt sie nur einige auf. Immer gebe es etwas Neues, kein Tag sei wie der andere.
„Als kleiner Musik-Nerd waren natürlich sämtliche Konzerte meine absoluten Highlights – dieser Moment, wenn der Sound die Halle füllt und alles zusammenkommt“, schwärmt sie von der gemeinschaftlichen Atmosphäre. Doch sei es auch unglaublich bereichernd, neue Dinge für sich zu entdecken.
Fantastische Menschen treffen
„Man lernt extrem schnell, wie Vorurteile im Nu wegschmelzen können“, beschreibt sie die Kreativ-Angebote der Halle. Mal komplett aus der eigenen Komfortzone auszubrechen und sich selbst auszuprobieren – ist die Hemmschwelle erst einmal überwunden – verändere auch die eigene Sichtweise.
Und die Artist Residency von Carlota und Madonna sei für sie eine wirklich traumhafte Zeit gewesen, die sie sehr genossen habe. „Ich hatte Kontakt zu wirklich fantastischen Personen, an die ich sonst vermutlich nie geraten wäre“, sagt Louisa im Rückblick auf das Event.
Gemeinschaft statt Isolation
Doch egal, welche Veranstaltung gerade ist – „man kommt garantiert immer in Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen“, hält sie fest. Als eher introvertierter Mensch hätte sie nie gedacht, wie prägend dieser Austausch sein könne.
Auch die Karaoke-Sessions, „dieses ungezwungene, bequeme Miteinander“, sei etwas gewesen, was ihr nach der Isolation der Corona-Jahre massiv gefehlt habe. „Um es in ‚Gen-Z Sprache‘ auszudrücken: Die Halle 16 ist einfach ein ‚cozy, down to earth, safe space‘ für mich geworden“, bringt Louisa es auf den Punkt.
„Ein Ort, zu dem ich gehöre“
Und sagt: „Ich glaube, unsere Gesellschaft braucht mehr Räume wie die Halle 16, in denen Menschen füreinander da sind.“ Denn schließlich lehre der Umgang mit den unterschiedlichen Menschen in der Halle 16, auch selbst offener, geduldiger und empathischer zu sein.
Für sie heiße das auch, Verantwortung zu übernehmen und auch in stressigen Situationen ruhig und lösungsorientiert zu bleiben. „Ich habe hier einen Ort, zu dem ich gehöre“, erläutert sie die enge persönliche Bindung zu ihrer Wirkungsstätte.
Direkte Solidarität leben
Die Arbeit helfe ihr auch, neue Stärken kennenzulernen, die so im schulischen Umfeld wahrscheinlich nie ans Licht gekommen wären. „Man nimmt viel praktisches Know-how mit, sei es bei der Gestaltung, Planung oder der Technik.“
Für sie bedeute gesellschaftlicher Dienst, Menschen direkt zu unterstützen und Solidarität zu leben. Und deshalb wäre ihre Entscheidung stets ziviles Engagement statt Militär – „an jedem Tag, immer wieder.“ Und wie wird es für sie nach der Zeit in der Halle 16 weitergehen?
Das erste Album kommt
„Der Blick auf den Arbeitsmarkt ist leider echt ernüchternd“, lautet ihr bitteres Fazit. Überall werde vom Fachkräftemangel geredet – „aber wer möchte diese Fachkräfte denn ausbilden?“, fragt sie. Gleichzeitig habe sie das Gefühl, als Berufseinsteigerin schon alles perfekt beherrschen zu müssen.
Besonders in der Medienbranche sei der Druck enorm. Doch trotz der unsicheren Aussichten hat Louisa eines fest im Blick: „Ab September werde ich mich definitiv mehr darauf konzentrieren, mein eigenes Album zu finalisieren“, erklärt die junge Musikerin.