Auf der Empore, in einem unkonventionell hergerichteten Haarstudio, werden Besuchern der Vesperkirche kostenlos die Haare geschnitten. Foto: Roland Stöß

Halbzeit bei der Vesperkirche – das feierten Gäste, ehrenamtliche Helfer sowie die Organisatoren mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Das Fazit zum bisherigen Verlauf der Veranstaltung fiel durchweg positiv aus. Zur zehnten Auflage der Aktion wurde in Ansprachen und Danksagungen der Wert dieser Veranstaltung deutlich. Vertreter des Vesperkirchen-Kernteams mit Bertram Bolz, Anika Hintzenstern, Sebastian Kirsch, Peter Böltz und Walter Zöller berichteten von einer täglichen Essensausgabe an 550 bis zu 600 Personen. Trotz des großen Andrangs herrscht stets eine entspannte Atmosphäre.

 

Sogar in den Stoßzeiten um die Mittagszeit gab es bislang wenig lange Wartezeiten oder Verzögerungen, wofür 250 ehrenamtliche Helfer aus allen Gesellschaftsschichten sorgten. Dabei waren bis zu 30 Prozent Schüler aus verschiedenen Calwer Schulen sowie angehende Konfirmanden. Für Bolz ein Fingerzeig, dass es sich „hier um eine Generationen übergreifende Veranstaltung handelt.“

Schüler des Hermann-Hesse-Gymnasiums brachten eine Popcornmaschine mit. Andere Schüler bastelten mit Interessierten Perlenketten. Stets beeindruckend war die Kuchenbar. 70 Personen lieferten das Gebäck. Der Fahrdienst hatte 25 bis 30 Fahrten zu organisieren. Zum ersten Mal wurde eine Fußpflege angeboten. Der Beratungsdienst wird intensiv genutzt. Ebenso der Seelsorgedienst.

Wie eine Tradition gehört zur Vesperkirche inzwischen das Angebot eines kostenfreien Haarschnitts. Dana, Babs, Giusy, Cioletta, Sandra und Nadja, sechs Friseurinnen der „Barber Angels“, arbeiteten nach ihrem selbst gewählten Motto „Zusammen sind wir weniger allein“ auf der Empore in einem unkonventionell hergerichteten Haarstudio im Akkord, um alle Menschen zu bedienen.

Rasch bildete sich eine lange Menschenschlange, um einen Zettel mit einer Nummer zu erhalten. Das Nummernsystem wurde im vergangenen Jahr angesichts des steigenden Bedarfs eingeführt. Heuer waren es 47 Menschen, die sich auf die Stühle der Barber-Angels setzten, berichtete Anne Keck vom Serviceteam.

„Unverlierbare Würde“

Der evangelische Pfarrer Georg Schwarz stellte in seiner Ansprache den Wert des Menschen und die „unverlierbare Würde“ in den Vordergrund. Schwarz fragte: „Was ist der Mensch?“ Er versteht „Würde als Zuspruch, nicht als Leistung.“ Oft teile man die Welt und die Menschen in Kategorien der Gegensätze ein. „Wie vor Gott sind hier in der Vesperkirche alle gleich.“

Diakon Bertram Bolz rechnete „zehn Jahre Vesperkirche“ um in 15 000 Maultaschen, annähernd 6000 Hacksteaks sowie circa 6000 Kuchen (bei 450 Kilogramm Kaffee), die den Gästen serviert wurden. Bolz blickte auf die Anfangszeit zurück, als Pfarrer Dieter Raschko, Sebastian Kirsch von der Erlacher Höhe und Andrea Krüger aus einer Idee diese große Bewegung entstehen ließen. Anfangs war es „nicht unbedingt eine Liebes-Liaison; doch in der Zwischenzeit ist sie aus der Stadtkirche nicht mehr wegzudenken.“

Dank an Sponsoren

Bolz dankte denen, die „mit Spenden die Vesperkirche möglich machen sowie der evangelischen Kirchengemeinde, dass die Vesperkirche hier stattfinden darf.“ Besonderen Dank galt den Firmen und Organisationen, „ohne die es die Vesperkirche nicht gäbe.“ Es brauche unzählige Helfer, die auch im zehnten Jahr unermüdlich und freundlich in ehrenamtlicher Art und Weise ihren Dienst tun, die ich gar nicht alle aufzählen kann.“

Bolz: „Genau das ist Vesperkirche: Viele Hände, viele Geschichten, viele Herzen.“ Menschen würden sich Zeit füreinander nehmen, wenn sie in Gemeinschaft leben und miteinander genießen. Die Idee lebe von Herzen. So wurde jeder Besucher mit einem kleinen Gebäck in Form eines flammenden Herzens beschenkt.

Leichter Rückgang

Ein weiteres Fazit: „Vermutlich ist die Zahl der Gäste, die nur eine kurze Mittagspause zur Verfügung haben, leicht zurückgegangen.“ Das bedeutet, dass die Spenden gerade von diesen Menschen fehlen. Die Spendenboxen hat man mit herzförmigen Luftballons noch sicht- und somit wahrnehmbarer gestaltet. So kann jeder Besucher im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen, dass die Vesperkirche nicht mit einem zu großen finanziellen Defizit abschließen muss.