Fast fünf Jahre hat die Sanierung des Progymnasiums Tailfingen (PGT) gedauert; im Sommer sind Schüler und Lehrkräfte aus dem Exil im Gollé-Haug-Gebäude zurückgekehrt. Am Mittwoch hat die offizielle Einweihungsfeier stattgefunden.
In der Einladung war nicht vom PGT die Rede, sondern vom „Gebäudeteil I am Schulzentrum Lammerberg“: Im Zuge der Sanierung von Progymnasium und Lammerberg-Realschule soll ein Schulzentrum Lammerberg mit einer gemeinschaftlich genutzten Infrastruktur entstehen; dass die Realschule aus baurechtlichen Gründen nicht mehr saniert werden kann, sondern abgerissen und neu gebaut werden muss, ändert daran nichts.
Bei der Einweihungsfeier zur Halbzeitpause der Sanierung war konsequenterweise auch die Schulleitung der Realschule mit von der Partie, dazu etliche der zurzeit ins Gollé-Haug-Gebäude ausquartierten Schülerinnen und Schüler – sie trugen zusammen mit den Progymnasiasten ihren Teil zum musikalischen Begleitprogramm bei. Eröffnet wurde es von einem Xylofonorchester und einem Dutzend Schülerinnen und Schülern, die die Festgäste in ebenso vielen Sprachen willkommen hießen – der Lammerberg ist polyglott; eine Lehrkraft steuerte als dreizehntes Idiom die Gebärdensprache bei.
Danach hatte der Oberbürgermeister das Wort. Roland Tralmer ließ in seiner Festrede noch einmal die Vorgeschichte Revue passieren, – samt den Nackenschlägen wie Corona, Energiekrise, Teuerung und unliebsamen Überraschungen. Etwa denen, dass die Realschule nicht sanierbar ist, der Untergrund voll von nicht dokumentierten Katakomben war und die Bodenplatte des oberen Schulhofs komplett erneuert werden musste. Immerhin, das Ergebnis könne sich sehen lassen, befand der OB: Modern sei das neue Haus und ästhetisch ansprechend – das ideale Lernumfeld für Albstadts Jugend, ein „Ort des Wissens, des Wachstums und der Inspiration“.
„Die Lernumgebung ist der dritte Pädagoge“
Ellen Butzko-Willke, Vertreterin des Regierungspräsidiums Tübingen, erinnerte sich in ihrer Rede an ihre eigene Schulzeit, an den Geruch von PVC und Kreide und an die grauen Klassenzimmerwände der 1970er-Jahre. Mittlerweile wisse man um die Bedeutung der Lernumgebung – „der Raum ist der dritte Pädagoge neben Lehrern und Eltern“ – und sei vom klassischen Frontalunterricht abgekommen: Angesichts einer Schülerschaft, die immer heterogener werde, müsse Schule, mehr noch als früher, flexibel, der Unterricht individuell angepasst und die Lernlandschaft multifunktional sein. Das neue Schulzentrum werde diesen Anforderungen auf exemplarische Weise gerecht.
Das findet auch Hans-Ulrich Kilian – der Chef des Planungsbüros Kilian + Partner wies allerdings gleich zu Anfang darauf hin, dass er es mit einem äußerst dankbaren Objekt zu tun gehabt habe. Schon die Kollegen, die das PGT Ende der 1960er-Jahren errichteten, hätten eine Flexibilisierung des Schulunterrichts vorausgeahnt und die räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen. An ihre Konzepte habe man anknüpfen können. „Sie haben sehr modern gedacht.“
Das Thema Turnhalle steht noch im Raum
Christine Fischer, die Rektorin der Lammerberg-Realschule, freut sich auf ein „neues, zeitgemäßes Lernen“, trauerte freilich en passant der aus finanziellen Gründen aus dem Bauprogramm gestrichenen Turnhalle nach und hofft nun auf adäquaten Ersatz – und auf ein termingerechtes zweites Einweihungsfest im Jahre 2028, wenn der Neubau ihrer Schule bezugsfertig sein soll.
Auf recht persönliche Weise sprach Stephan Maulbetsch abschließend das leidige Thema Baukosten an. Der PGT-Rektor erinnerte sich daran, wie er als Fünfjähriger einen Schokohasen für die Oma gekauft hatte und wie schockiert er angesichts der wenigen verbliebenen Spargroschen war. So ähnlich sei es jetzt wohl auch den Albstädter Gemeinderäten gegangen – wobei an Albstadts prekärer Finanzsituation nicht allein das Schulzentrum Lammerberg schuld sei.
Leicht konsternierte Blicke erntete er für die Bemerkung „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“ – der Gaul hat immerhin 33 Millionen Euro gekostet.