Mammutprojekte sind in der St. Georgener Innenstadt gestartet und stehen noch an – trotzdem sehen die Finanzen der Bergstadt zum Halbjahr überraschend gut aus. Dennoch: „Wir schwimmen nicht im Geld“, betont Bürgermeister Michael Rieger.
Der „Rote Löwen“ soll noch in diesem Jahr eröffnet werden, die umfassende Erneuerung des Marktplatzes samt der darunterliegenden Tiefgarage läuft auf Hochtouren und auch bei der Rathaussanierung drückt die Stadtverwaltung auf die Tube – mehrere Großprojekte belasten in diesem und auch in den kommenden Jahren den städtischen Geldbeutel. Das zeichnete sich bereits in dem Haushaltsplan ab, den der Gemeinderat Ende des vergangenen Jahres beschloss: Ein Minus von rund zwei Millionen Euro, eine voraussichtliche Kreditaufnahme von 1,5 Millionen Euro – mit diesen Zahlen plante man für 2023.
Zum Halbjahr sieht es nun deutlich besser aus, wie Stadtkämmerin Blanka Amann kürzlich in einer Sitzung des Gemeinderats darlegte. Um gut 2,6 Millionen Euro verbessert sich das ordentliche Ergebnis voraussichtlich im Vergleich zur Planung – damit dürfte St. Georgen im laufenden Jahr schwarze und nicht, wie ursprünglich geplant, rote Zahlen schreiben.
Klosterweiher-Sanierung läuft wie „nebenbei“
Ein Grund zur Freude für Bürgermeister Michael Rieger, der sich in der Sitzung mit der aktuellen Finanzlage mehr als zufrieden zeigte. Sie zeige, dass die Stadt nicht nur die aktuellen Großprojekte in der Innenstadt, sondern „ganz nebenbei“ auch noch die Klosterweiher-Sanierung für mehrere Millionen Euro stemmen könne.
Gewerbesteuer poliert Haushalt auf
Grund für die überraschend gute Finanzentwicklung sind vor allem hohe Erträge aus der Gewerbesteuer, berichtete Kämmerin Amann. Satte 3,6 Millionen Euro an Mehreinnahmen im Vergleich zur Planung erwartet die Stadt aktuell in diesem Bereich. Hinzu kommen 70 000 Euro aus Dividendenzahlungen der EGT. Negativ beeinflussen die Zuweisungen aus dem Finanzausgleich den städtischen Haushalt: Sie fallen 270 000 Euro niedriger aus als geplant. Darüber hinaus fallen die Ausgaben nach aktuellem Stand etwas höher aus als geplant. Grund sind unter anderem Mehrausgaben bei der Unterhaltung von Gebäuden, vor allem verursacht durch die Sanierung des Brigacher Kindergartens.
Gute Nachrichten gibt es auch mit Blick auf den Finanzhaushalt: Statt wie geplant um gut fünf Millionen Euro verringert sich der Finanzmittelbestand lediglich um etwa drei Millionen Euro. „So wie es jetzt aussieht, brauchen wir dieses Jahr keinen Kredit“, konnte Amann den Räten verkünden.
Mehrausgaben für Vorhaben: Marktplatz und Klosterweiher betroffen
Dennoch machen sich im Finanzhaushalt die Sanierung des Marktplatzes mit Mehrausgaben von 350 000 Euro, die Entsorgung des Schlamms aus dem Klosterweiher mit Mehrausgaben von 230 000 Euro und die Reparatur eines Flachdachs an der Kläranlage mit Mehrausgaben von 185 000 Euro bemerkbar. 600 000 Euro spart die Stadt vorerst, da die für 2023 geplante Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED auf 2024 verschoben wurde.
Die aktuelle Finanzlage dürfte Stadtverwaltung und Gemeinderat beruhigen. Doch in den kommenden Jahren, betonte Bürgermeister Rieger, stehen noch zahlreiche Investitionen bevor. So geht mit der Stadtkernsanierung ein Millionenprojekt weiter. „Ich will es noch einmal ganz deutlich sagen: Wir schwimmen nicht im Geld.“ Zwar plane man stets konservativ und sei froh, dass die Entwicklung im laufenden Jahr so positiv sei. Dennoch herrsche, was die finanziellen Ressourcen der Stadt anbelangt, ganz sicher kein Überfluss: „Das ganze Geld fließt jetzt ab.“
Auch 2022 endet positiv
Ergebnis
Erfreuliches konnte Kämmerin Blanka Amann auch bezüglich des vergangenen Haushaltsjahrs verkünden: Das Ergebnis lag zum Jahresende etwa zwei Millionen über dem Plan und damit bei gut 4,5 Millionen Euro.
Schuldenstand
Rund 1,4 Millionen Euro an Schulden hatte die Stadt zum Ende des vergangenen Jahres. Kredite wurden 2022 keine aufgenommen. Voraussichtlich wird sich der Schuldenstand bis zum Ende des laufenden Jahres weiter verringern. Dann soll die Pro-Kopf-Verschuldung in der Bergstadt unter die Marke von 100 Euro sinken.